Ausbreitung invasiver Arten verhindern – Bundesumweltministerium gibt Bürger*innen Gelegenheit zur Mitsprache bei Aktionsplan

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Gebietsfremde Arten, sogenannte Neobiota, gefährden vielfach die Vorkommen heimischer Pflanzen und Tiere und damit auch die Bewirtschaftungsziele der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Der Gute Ökolgische Zustand/Das Gute Ökologische Potential wird unter anderem durch das Vorhandensein gewässertypischer Arten bestimmt.

Chinesische Wollhandkrabbe, Zebramuschel, Waschbär, Japanischer Staudenknöterich, Riesen-Bärenklau, Krebspest, Eschentriebsterben, Ulmensplintkäfer, Wasserpest, Schwarzmund-Grundel, Europäischer Wels; die Liste gebietsfremder Arten und der durch sie eingeführten Krankheiten und Probleme ist lang.

Um negative Auswirkungen auf heimische Lebensräume und Arten zu verhindern, beabsichtigt das Bundesumweltministerium einen Aktionsplan zu erstellen. Bürgerinnen und Bürger können sich bereits in der Entwurfsphase einbringen und an der weiteren Ausarbeitung des Aktionsplans beteiligen. Die Frist für Stellungnahmen der Öffentlichkeit endet am 16. November.

Ehemalige wirksame biogeographische Barrieren wie Gebirge und Meere sind durch menschliche Tätigkeiten wie Warenaustausch und Verkehrsströme weitgehend aufgehoben. Tiere, Pflanzen und Pathogene wurden und werden aus ihren natürlichen Verbreitungsgebieten in neue Regionen verschleppt. In neuen Gebieten und ohne Gegenspieler können sich diese gebietsfremden Arten nachteilig auf die biologische Vielfalt und Ökosystemdienstleistungen auswirken. Das Corona-Virus mag ein besonders problematisches Beispiel sein, das sogar die menschliche Gesundheit beeinträchtigt.

Tendenziell ist nach anfänglicher Erhöhung der α‑Diversität ein Rückgang dieser zu befürchten. Es findet eine weltweite Uniformierung der Artenvielfalt statt.

Um negative Einflüsse dieser invasiven Arten auf Lebensräume und auf heimische Arten zu vermindern, hat die Europäische Union eine Liste der invasiven gebietsfremden Arten von unionsweiter Bedeutung (Unionsliste) erlassen. Unter anderem sind die Mitgliedstaaten danach verpflichtet, für die wichtigsten Einbringungs- und Ausbreitungspfade der unionsweit gelisteten Arten einen Aktionsplan zu erstellen, der die Einbringung verhindert oder zumindest minimiert.

Bürgerinnen und Bürger können dazu beitragen, die unbeabsichtigte Einschleppung von invasiven Arten zu verhindern, indem z. B. nach einer Auslandsreise die Kleidung und das Gepäck gereinigt werden; das betrifft insbesondere das Reinigen von Ausrüstungsgegenständen, die beispielsweise beim Tauchen oder Klettern benötigt werden. Reisende sollen in Zusammenarbeit mit Tourismusverbänden auf dieses wichtige Thema aufmerksam gemacht werden. Auch Angler*innen sollen dazu aufgerufen werden, ihr Angelzubehör sowie Boote ebenfalls regelmäßig zu reinigen, insbesondere wenn sie zwischen Gewässern wechseln. Auch über die richtige Verwendung von Lebendködern soll aufgeklärt werden, um so möglicherweise zu verhindern, dass eine invasive Art als Lebendköder verwendet wird.

Aber nicht nur Privatpersonen sind von den Maßnahmen betroffen, auch z. B. das Baugewerbe (Verschleppung durch Verbringen von Aushub) oder Betreiber von Botanischen Gärten und Baumschulen sollen mit dem Aktionsplan und den darin enthaltenen Maßnahmen entsprechend sensibilisiert werden.

Die Öffentlichkeit kann bis zum 16. November 2020 zum Entwurf des Aktionsplans schriftlich oder per E‑Mail Stellung nehmen.

Die invasiven gebietsfremden Arten der Unionsliste der Verordnung (EU) Nr.1143/2014 – Erste Fortschreibung 2017 –

Entwurf des Aktionsplans