Durchgängigkeit der Sieg: Umweltministerium von Rheinland-Pfalz bestätigt die Schleifung des Wehres Euteneuen

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Die Sieg entspringt in NRW und mündet in NRW in den Rhein. Auf ihrem Weg durchfließt sie abschnittsweise Rheinland-Pfalz. Hier stehen noch ein paar alte Wehranlagen, die die Durchgängigkeit der Sieg unterbinden. Eine barrierefreie Sieg ist deshalb so besonders wichtig, weil die Sieg ein sehr bedeutendes und vielversprechendes Gewässer für die Wiederansiedlung des Laches darstellt.

Die Naturschutztage am Rhein/ Sieg 2019 fanden in unmittelbarer Nähe zum Wehr Euteneuen statt. Ausgewählte Fachleute des Gewässerschutzes hatten dabei die überragenden Vorteile einer freien Sieg und die Nachteile einer marginalen Wasserkraftnutzung dargestellt. Neben den Experten, nahm auch hochkarätige Prominenz aus der regionalen und landesweiten Politik teil. So sprachen der Landrat des Kreises Altenkirchen, Dr. Peter Enders, Alexandra Gauß, Bürgermeisterin von Windeck, Staatssekretär Dr. Heinrich Bottermann aus dem NRW Umweltministerium sowie Ulrike Höfken, Umweltministerin des Landes Rheinland Pfalz freundliche Grußworte. Alle betonten die Bedeutung der Sieg für den Lachs und stellten heraus, dass Renaturierung und Durchgängigkeit der Sieg und ihrer Nebenläufe allen Gewässerlebewesen und letztlich den Menschen zugutekämen.

Zwischenzeitlich hatten zwei Frankfurter Brüder über eine Online-Petition versucht, politischen Druck auszuüben, um die Anlage doch wieder einer Wasserkraftnutzung zuzuführen. Ihre maßgeblichen Argumente lagen in Erfordernissen des Klimaschutzes und einer möglichen Gefährdung eines anliegenden bewaldeten Feuchtgebietes. Dazu übergaben sie am 02.09.2020 Frau Ulrike Höfken, der Umweltministerin von Rheinland-Pfalz, 11.400 Unterschriften. Wie die Rhein-Zeitung am 05.09.2020 berichtete, hat das Ministerium das Für und Wider abgewogen und bestätigt, dass die lineare Durchgängigkeit die beste Lösung darstellt.

Durch die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) sind die Länder verpflichtet, in unseren Gewässern wieder in den sogenannten guten ökologischen Zustand zu erreichen. Dazu gehört eine Durchwanderbarkeit für gewässergebundene Organismen, wie Fische und Kleinstlebewesen. Fischtreppen zum Aufstieg sind dabei immer lediglich eine Krücke, beim Fischabstieg werden die Tiere vielfach in den Turbinen verletzt oder getötet. Im Einstaubereich von Wehren verlieren Fließgewässer ihre Charakteristik mit teils dramatischen Auswirkungen auf den Temperaturhaushalt, Sauerstoffdargebot, Sedimenttransport und damit auch der Besiedlung von Organismen. Bei dem angesprochenen bewaldeten Feuchtgebiet handelt es sich um einen degradierten Auwaldrest. Dieser wird sich durch die Redynamisierung absehbar eher positiv entwickeln, als geschädigt werden.