Shell: mindestens 300 Tonnen Gasöl aus alter Leitung ins Grundwasser eingesickert

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8 Jahre nach dem verheerenden Kerosinunfall in der Wesselinger Raffinerie, einer nachfolgenden beachtlichen Pannenserie mit Produktaustritten, Verpuffungen, einem Tankbrand und weiträumiger Verseuchung des Grundwassers im Kölner Süden mit Löschschaumrückständen (PFT) ist es erneut zu einem schwerwiegenden Unfall gekommen: ca. 300 Tonnen, entsprechend mindestens 30 bis 40 LKW- Ladungen Gasöl (Vorprodukt von Heizöl) landeten weitgehend unbemerkt im Grundwasser.

Paul Kröfges, BUND Gewässerexperte: „Dies ist eine Katastrophe für unsere unterirdischen Wasservorräte mit nicht absehbaren Auswirkungen für mehrere Millionen Kubikmeter Grundwasser. Es ist eine Totalblamage für Shell und die Bezirksregierung Köln, der zuständigen Überwachungsbehörde, die kaum nachvollziehbar ist. Obwohl die Umstände des Kerosinunfalls 2012 eindringlich die Defizite aufgezeigt haben, wie z.B. die Korrosionsanfälligkeit alter Leitungen, die Erfordernis dichterer Kontrollabstände und/oder automatischer Leckerkennungssysteme und Mengenkontrollmechanismen, wurde dies hier wieder nicht beachtet und umgesetzt.”
Es sei nicht nachvollziehbar, wieso die Bezirksregierung Köln nicht dafür gesorgt hat, dass die eindeutigen Empfehlungen des Sicherheitsgutachtens von 2015 (Jochum-Gutachten), dass der BUND durchgesetzt hatte, hinsichtlich dichterer Überwachungsintervalle nicht minutiös umgesetzt und eine Leitung aus den 60er Jahren vom TÜV als Haus- und Hofgutachter der Firma Shell für 5 Jahre freigegeben wurde. In der Folge kam es nach ca. 3 Jahren, wohl im Zuge von Straßenbauarbeiten, zu der am äußeren Mantelrohr sichtbaren Beschädigung. Über einen unbekannten Zeitraum trat Gasöl aus einem relativ kleinen Loch (1,5 mm) aus.
Es stellten sich zahlreiche Fragen, die zu beantworten seien, z.B. wieso die Beobachtung einer Ölverschmutzung außen an diesem Rohr vom August 2019, die zur vorsorglichen Stilllegung der Leitung führte, nicht Anlass für weitere, vorsorgliche Untersuchungen des Grundwassers im unmittelbaren Bereich dieses Leitungsabschnittes waren. Damit hätte eine Ausweitung einer evtuellen Grundwasserverschmutzung verhindert werden können. Erst im April 2020, 8 Monate später, wurde der Vorfall bei Routinekontrollen zufällig entdeckt.
Man hätte annehmen können, dass Shell aus dem Kerosinunfall 2012 Lehren gezogen hätte: Die große Verzögerung zwischen Feststellung von Mengendifferenzen, einem Loch in der Leitung und dessen Ortung hatte hohe Austrittsmengen und erhebliche Verbreitung des Kerosins in der Umgebung ermöglicht und somit – neben dem Umweltschaden für die Allgemeinheit ‑Sanierungskosten für Shell in Millionenhöhe verursacht!
Dies sei ein Beleg dafür, wie mangelnde Vorsorge, Sparen und Kostendrückerei (shareholder value) an der falschen Stelle letztlich zu erheblichen Kosten für die Allgemeinheit und auch den Verursacher selbst führen.

Jetzt müsse zügig die Sanierung umgesetzt werden, nach bekannten Vorgaben. Der BUND will sich hierüber informieren und prüfen, ob endlich die richtigen Konsequenzen gezogen werden.
Voraussichtlich kann nur ein Teil (max. ca. 1 Drittel) des Öles abgeschöpft werden kann, der große Rest wird letztlich über lange Zeiträume auf biologischem Wege abgebaut werden und noch Jahrzehnte ein Problem darstellen.

Nach Einschätzung des BUND werden die Nachbarn rund um Shell nicht unmittelbar durch diese Grundwasserverschmutzung bedroht, da sich diese unterirdisch abspielt und Shell bereits durch frühere Unfälle für die Ungenießbarkeit des Grundwasser gesorgt hatte (PFC- Belastung).