Wassernetz vor Ort in Aachen‐Soers: Biber in der Wurm und Ozon im Abwasser

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Auf Einladung des NABU in Aachen trafen sich Vertreter*innen aller Aachener Naturschutzverbände an der Wurm mit dem Wassernetz zu einem Dialog am Bach, verbunden mit einer Biber – Spurensuche. (Bild)

Vertreter*innen aller Naturschutzverbände mit dem Wassernetz an der Wurm (Bild: Paul Kröfges)

 

An der Wurm ist das Wirken des Bibers offensichtlich. Nach Austritt des Gewässers aus verrohrten und beengten Verhältnissen in Aachen Stadt findet der Biber im renaturierten Abschnitt oberhalb der Kläranlage Soers gute Lebensbedingungen vor, die sich v.a. durch eine ausgeprägte Weichholzaue auszeichnen. Dies belegten zahlreiche frische Verbißstellen und umgelegte Stämme, die die ansässige Biberfamilie auf der Suche nach Nahrung und Baumaterial für ihre Dämme hinterlassen hat. (Bilder)

Biberspuren entlang eines renaturierten Abschnittes der Wurm bei Aachen‐Soers Bilder: Alf Halsband)
Ein gutes Zeichen hinsichtlich der Zielerreichung des guten ökologischen Zustandes, darüber waren sich die Teilnehmer*innen einig. Auch wenn der Biber an manchen Stellen Probleme bereitet, hat er hier einen Bereich besiedelt, indem er zumindest derzeit noch einigermaßen ungestört leben kann, vom Lärm der nahen Autobahn und deren Gefahren für abwandernde Biber einmal abgesehen.

Anschließend ging es zur Kläranlage Aachen‐Soers, wo Vertreter des Wasserverbandes Eifel – Rur (WVER) die neue Ozonanlage vorstellten und über deren Einfluss auf das Gewässer mit den Naturschützern diskutierten. (Bilder: P. Kröfges)

Da die Wurm hier mit nahezu 80% Abwasser aus der Kläranlage Soers „versorgt“ wird, gab es vom Land NRW die Vorgabe, an dieser Stelle die beste verfügbare Technik zur Entfernung problematischer Mikroverunreinigungen wie Industriechemikalien und Arzneimittelrückständen einzusetzen. Nach intensiven Voruntersuchungen entschied man sich für eine Ozonanlage, die das aus der Nachklärung ablaufende geklärte Abwasser noch einmal oxidativ nachbehandelt und dabei erwiesenermaßen einen Großteil der chemischen Rückstände knackt – allerdings mit z.T. unbekannten Abbauprodukten. Immerhin haben umfangreiche begleitende Untersuchungen ergeben, dass diese wohl nicht toxisch sind. In der Intensiven Diskussion wurden zahlreiche Aspekte erörtert, auch die Frage nach Maßnahmen an der Quelle der Verunreinigungen. So gibt es Abwasservorbehandlungen am Aachener Klinikum oder bei Chemie Grünenthal, um den Eintrag von Tramadol zu vermindern.
Einige Chemikalien, wie Benzotriazol, ein im Prinzip entbehrlicher Bestandteil von Spülmitteln für Geschirrspülmaschinen, bereiten weiterhin Probleme und müssten substituiert werden.
Die Ozonbehandlung des Abwassers verursacht Kosten von 4 ct pro m³ Abwasser und verschlingt etwa 1 Mio kwh an Energie im Jahr, die allerdings durch Effizienzsteigerung in der Gesamtanlage kompensiert werden konnten. (Bild Alf Halsband)

Mit Ozon nachbehandeltes geklärtes Abwasser fließt Richtung Wurm

Der Austausch mit den WVER Experten stieß insgesamt auf großes Interesse und es wurde von allen Seiten eine Intensivierung und Fortsetzung gewünscht.