Wassernetz -Termin an der Oberen Sieg: Der Lachs kann kommen!

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Auf Einladung der BUND Kreisgruppe Siegen Wittgenstein organisierte das Wassernetz ein Treffen von „vor Ort‐Aktiven” mit Behördenvertretern, um sich über den Umsetzungsstand größerer Maßnahmen an der Sieg und einem ihrer wichtigsten Nebengewässer, der Weiß, zu informieren. (Bild)


Wassernetz‐Ortstermin an der Sieg in Siegen

Es ging auch darum, zu erfahren, welche Schwierigkeiten noch bestehen und wie es weitergeht bei der Umsetzung der WRRL an der Oberen Sieg. Mit Blick auf die Ausweisung der Sieg als Zielartengewässer für den Lachs ist die Durchgängigkeit der Sieg und ihrer Nebengewässer und damit die Wiedererreichbarkeit der ehemaligen Laichgründe der Wanderfische von besonderer Bedeutung. Daher sind für Sieg und Weiß, die zur Planungseinheit PE_SIE_1400 gehören, im derzeit noch laufenden 2. Bewirtschaftungsplan (bis 2021) hydromorphologische Maßnahmen zur Erreichung der Durchgängigkeit prioritär.

Wie Andreas Dürrwächter, bei der Bezirksregierung Arnsberg zuständig für Gewässerrenaturierung und Hochwasserschutz im Kreis Siegen Wittgenstein, vor Ort erläuterte, hat man an zahlreichen Stellen entscheidende Verbesserungen umgesetzt: Größtes und wirkmächtigstes Beispiel ist dabei die Freilegung der Sieg selbst im Stadtgebiet Siegen durch den Rückbau der „Siegplatte“, einem großen Beton‐ Parkplatz mitten im Siegener Ortszentrum, mit dem man den Fluss überbaut und den Menschen entzogen hatte. Nach heftigen Debatten schritt man vor 7 Jahren zur Tat und baute die Platte ab bzw. zurück.

Seit 2015 ist die Sieg hiervon befreit, die Ufer wurden umgestaltet und das Gewässerbett ökologisch verbessert, sogar einige Kiesinseln (Bild unten, aus Gewässerbericht Uni Siegen) angelegt.
Auf dem aktuellen Bild vom Tage der Begehung sind diese zwar vom Hochwasser überspült (Bild oben), aber die städtebauliche Bedeutung der Maßnahme wird deutlich, die Menschen in Siegen haben ihren Fluss wieder.

    

Interessant auch hier die Erfahrung der Planer*innen, die es anfänglich mit erheblichem Widerstand aus der Öffentlichkeit zu tun hatten. Nach Abriss der Platte und Neugestaltung der Ufer war es damit vorbei, nahezu unisono sind die Siegener begeistert über den neuen Zugang zum Fluss. Eine bessere Werbung für die Ziele der WRRL kann es kaum geben!
Dass die städtebauliche Qualität an der Sieg noch weiter verbessert werden kann, wird beim Blick auf die noch vorhandenen Überbauungen deutlich, auch diese Planungssünden sollten in der Zukunft angegangen werden. (Bild)

Planungssünden der 70er in Siegen: Überbauung der Sieg

Aber die positiven Botschaften überwiegen eindeutig. So wurde der Sohlabsturz der Weiß an der Einmündung in die Sieg in eine rauhe Rampe umgebaut. (Bild).

Die Mündung der Weiß in die Sieg – aus einem hohen Sohlabsturz wurde eine raue Rampe
Mündung der Weiß in die Sieg‐früher ein Sohlabsturz (Bild aus Gewässerbericht Uni Siegen)

Erst hierdurch wurde dieses wichtige und dynamische Gewässer überhaupt wieder für Fische aus der Sieg zugänglich. Und unterhalb des Stadtzentrums wurde ein großes Querbauwerk aus der Sieg entfernt, von dem heute nichts mehr zu sehen ist. (Bild)

Hier, etwa diagonal in Bildmitte, verlief ein großes Querbauwerk, das restlos entfernt werden konnte.

Im weiteren Verlauf des Ortstermins besichtigten die Wassernetzler noch 2 Stellen an der Weiß in Siegen oberhalb der Mündung. So wurde das Querbauwerk bei der Fa. Gontermann & Peipers ebenfalls durch eine raue Rampe ersetzt, auch dies eine Maßnahme zugunsten der Fischdurchgängigkeit. (Bild)

Große Probleme gibt es immer noch bei der Umplanung der Wehranlage an der Lothar‐Irle Straße im Ortsteil Kaan‐Marienborn. (Bilder: oben: Wassernetz aktuell, unten: aus Gewässerbericht Uni Siegen)

Auf Grund des starken Gefälles, der erforderlichen und nicht verfügbaren Fläche aber auch aus statischen Gründen ist eine raue Rampe nicht oder nur extrem schwierig machbar, daher wird ein Umgehungsgerinne geplant. Dessen Umsetzung verzögert sich aber schon einige Jahre, u.a. durch unklare Zuständigkeiten bei der Deutschen Bahn, deren Gleiskörper für das neue Bachbett unterquert werden muss. Hier ist seitens der Behörden aber auch der politischen Ebenen unbedingt mehr Druck erforderlich um die vorliegende Planung auch endlich umzusetzen.

Die besichtigten Maßnahmen an der Weiß sind von herausragender Bedeutung, da das Gewässer im Stadtgebiet Siegen überwiegend erheblich verändert ist und auf Grund vorhandener Bebauung nur partiell ökologische Verbesserungen am Bachbett selbst möglich sind. Somit sind Substratverbesserung und Durchgängigkeit die Voraussetzung dafür, dass wandernde Fische aus der Sieg überhaupt in die oberen Bereiche der Weiß gelangen, die deutlich naturnäher sind und erhebliche Potenziale für einen guten ökologischen Zustand bieten. Und dort, auf dem Gebiet der Gemeinde Wilnsdorf laufen bereits zahlreiche Umsetzungsmaßnahmen um ebenfalls die Durchgängigkeit, aber auch Strukturen und Gewässerqualität zu verbessern.

Zusätzlich zu den gezeigten Maßnahmen erörterten die aktiven Gewässerschützer mit den Behördenvertretern eine Reihe weiterer Maßnahmen in und an anderen Zuflüssen zur Oberen Sieg, wie Ferndorf, Heller oder Eisernbach. Es wurden und werden zahlreiche Wehre beseitigt und Strukturen verbessert, so dass sich die Bedingungen für die Wanderfische und auch für den Lachs an der Oberen Sieg deutlich verbessert haben – er könnte kommen, so das Fazit der Begehung.
Und „könnte“ trifft es ziemlich genau, da Lachs und Co. auf dem Weg nach Siegen durch Rheinland‐ Pfalz durchqueren müssen, was ihnen so gut wie unmöglich gemacht wird. Hier stehen 4 massive, nicht, oder nur sehr schlecht überwindbare Wehre im Weg, z.B. Euteneuen und das Wehr der Freusburger Mühle – wie in einem vorhergehenden Bericht schon dargestellt.
Die Beteiligten waren sich darüber einig, dass dies im 19. Jahr der WRRL und im „Jahr des Lachses“ ein unhaltbarer Zustand ist.

Informationen unter folgenden links:

http://Umsetzungsfahrplan Obere Sieg (PE_SIE_1400):

https://www.siegen.de/fileadmin/cms/pdf/Umwelt/Laermschutz/BroschuereGewaesserbericht2016.pdf