Deutsche Gewässer in schlechtem Zustand

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Auf eine Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN beantwortete das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit mit Schreiben vom 23. März 2018 namens der Bundesregierung einen Fragenkatalog zu Biodiversität in und an Deutschen Flüssen. Den Antworten ist zu entnehmen, dass der Zustand der Biodiversität in und an Deutschen Fließgewässer anhaltend schlecht ist.

Seit den 1970er Jahren wurde durch Ausbau der öffentlichen Kanalisation und Ertüchtigung von Kläranlagen die Wasserqualität zwar erheblich verbessert und damit Voraussetzungen für eine Wiederbesiedlung geschaffen. Trotzdem gehören Fließgewässer und Auen weiterhin zu den bedrohten Lebensräumen in Deutschland.

Mehr als 93 Prozent der Fließgewässer weisen nach den Kriterien der WRRL keine gewässertypspezifischen aquatischen Lebensgemeinschaften (Fische, Makrozoobenthos, Wasserpflanzen) auf. Nur 6,6 Prozent der bewerteten Fließgewässer-Abschnitte sind nach EU-Kriterien ökologisch in gutem Zustand, gerade mal 0,1 Prozent in sehr gutem Zustand, heißt es weiter. Der Zustand der Flüsse ist demnach weit vom Ziel der Nationalen Biodiversitätsstrategie entfernt.

Die Ursachen sind vielschichtig. Entscheidende Gründe liegen in den Belastungen mit Nährstoffen und Spritzmitteln vor allem aus der Landwirtschaft. Insbesondere den Neonikotinoiden wird eine hohe Bedeutung als relevante Stressoren zugesprochen. Auch die aktuelle Gewässerstruktur spielt eine gewichtige Rolle. 79 Prozent der Fließgewässer sind durch Gewässerausbau in ihrer Struktur deutlich bis vollständig verändert.

In der atlantischen biogeografischen Region sind alle Lebensraumtypen der Fließgewässertypen und der Auwälder in ihrem Zustand mit „ungünstig schlecht“ bewertet. Als „gering verändert“ gelten Auen, bei denen größere Teile der Aue bei Hochwasser überflutet werden können und maximal eine extensive Flächennutzung vorherrscht. Die Schutzwirkung gegenüber Hochwasser steht in einem direkten Zusammenhang mit der Größe der überflutbaren Aue. Laut Auenzustandsbericht aus dem Jahr 2009 steht den Flüssen noch rund ein Drittel ihrer ehemaligen Auen bei großen Hochwasserereignissen zur Verfügung. Zwischen 1996 und 2017 wurden die beschnittenen Auen um ca. ein Prozent durch Deichrückverlegung erweitert.

Auen fungieren als Nährstoffsenke und können so einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Wasserqualität von Flüssen und zum Schutz von Nord- und Ostsee leisten. Die Filterwirkung der Aue funktioniert umso besser, je häufiger die Auen überschwemmt werden. Ökologisch funktionsfähig sind aktuell nur noch zehn Prozent der untersuchten Auen. Durch Renaturierung der Flüsse und Auen können die Ökosystemleistungen der Flüsse und Auen wieder verbessert werden.

http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/19/014/1901415.pdf