Einsatz für die Agger

Eingetragen bei: Allgemein, Sieg | 0

Am 16.12.2017 trafen sich Aktive des NABU und des Wassernetzes NRW an der Agger bei Engelskirchen. Im Fokus der Beratung stand die Frage, wie der Stillstand im Gewässerschutz behoben werden kann. Die Besprechung mündete in einen zusätzlichen Impuls für das Projekt AggerWandel. Das Vorhaben soll die Regionale 2022 bis 2025 vor Ort mit Leben füllen und zugleich die lokale Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie und des Hochwasserrisikomanagements stärken.

Während der Bereisung ausgewählter Flussabschnitte war für alle Teilmehmenden sichtbar, dass die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) auch im Jahr 2017 noch nicht an der Agger angekommen ist. Der Flussgebietskoordinator des Wassernetzes zeigte hierzu besonders kritische Stellen: Weder an den Stauwehren, noch in den Auenbereichen sind die vorgesehenen Arbeiten aus den Maßnahmenplanungen bereits umgesetzt oder gar begonnen. Insbesondere für die flusstypischen Fischbestände bleibt die Situation ökologisch unbefriedigend. Ihre natürlichen Wanderstrecken sind derzeit wegen der Stauwehre und Rückstaue nicht nutzbar. Zudem fehlt dem zumeist geradlinig geformten Gewässer die von Natur aus vielfältige Struktur. Wäre die WRRL konsequent zum Zuge gekommen, dann würde der Verlauf der Agger geschwungenen sein, verschiedene Strömungen aufweisen und Nebengerinnen ausbilden. Das Flussbett wäre unterschiedlich breit, reich an Totholz und gesäumt von einer mehr als 100m breiten Aue mit z.B. Stileichen‐und Ulmen‐Wäldern. Auch die wirbellosen Lebensgemeinschaften am Gewässerboden benötigen geeignetere Habitate.

Die strukturellen Defizite verschärfen die Situation bei außergewöhnlichen Überflutungsereignissen wie etwa bei einem 100‐jährlichen Hochwasser oder während extremer lokaler Niederschläge mit Sturzflutbildung, die angesichts des Klimawandels wahrscheinlich zunehmen werden. Die Agger hat in ihrem jetzigen Zustand kaum Möglichkeiten, um Flutwellen zu entschleunigen und in die Fläche zu gehen. Weil die Staue bereits mit Wasser und Sediment gefüllt sind, fehlt auch dort der Raum für den natürlichen Rückhalt. Die Stauwehre stellen zumal ein Risiko dar, weil sie nicht mehr den erforderlichen Sicherheitsstandards entsprechen. In den flussabwärts liegenden Überschwemmungsbereichen befinden sich Wohnsiedlungen (vgl. Foto) und öffentliche Einrichtungen wie ein Kindergarten und  Seniorenzentrum, die von Hochwassereignissen betroffen wären bzw. es bereits waren.

Die zuständigen Stellen haben die Agger als Hochwasserrisikogewässer ausgewiesen und damit vorgesehen, Maßnahmen gegen Überflutungsschäden zu treffen. Die Planungen hierfür sind allerdings genauso wie diejenigen für die Umsetzung der WRRL noch nicht umfassend genug, um die Herausforderungen wirksam zu beheben und die Synergien des Gewässer‐ und Hochwasserschutzes zu unterstützen. So fehlen selbst in den ausgewiesenen Strahlursprüngen Maßnahmen zur Entwicklung der Auen und zur Förderung des natürlichen Wasserrückhalts, obwohl vor Ort durchaus Potenziale hierfür bestehen. An den sanierungsbedürftigen und unrentablen Wasserkraftanlagen müssen die Betreiber dazu verpflichtet werden, dass sie zeitnah die ökologische Durchgängigkeit sicherstellen. Zudem müssen sie gewährleisten, dass bei einem Hochwasser keine Schadensrisiken von den Wehren und Rückstauen ausgehen.

Würde eine transparente wie umfassende Kosten‐Nutzen‐Analyse durchgeführt, dann wäre aus Sicht der Aggeraktiven folgendes Ergebnis sicher: Die ökologische Aufwertung der Flusslandschaft mit der Schaffung von Auen und natürlichen Retentionsräumen wäre die günstigste und sichere Lösung statt die Stauwehre zu belassen oder umzurüsten. Das Projekt AggerWandel unterstützt diesen Ansatz. Interessierte sind willkommen, bei der Realisierung mitzuwirken.