Handlungsbedarf im Hönnetal

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Aktive der AG der Naturschutzverbände im Märkischen Kreis, der Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Sauerland, BUND Märkischer Kreis und Wassernetz NRW untersuchten am 23. Januar 2018 die aktuelle Situation im Natura 2000‐Gebiet Hönnetal zwischen Hemer und Balve.

Die Teilnehmenden ermittelten innerhalb und im Umfeld  dieser höhlenreichen Karstbach‐landschaft  verschiedene Aktivitäten, welche die gewässerabhängigen Lebensräume gefährden bzw. verbessern können. Entsprechend der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) hätten seit 2015 die Gewässerschutz‐Vorgaben  für das Schutzgebiet erfüllt sein müssen.

Eine erhebliche Belastung geht  weiterhin von der Bundessstraße B 515 aus, die die ohnehin schmale Aue der Hönne deutlich überprägt. Akuter Handlungsbedarf ergibt sich aus dem starken PKW‐ und Schwerlastverkehr. Die kurvenreiche Strecke nutzen zumal auch  Gefahrenguttransporter. Bei Unfällen oder stärkerem  Regen können Schadstoffe und Abrieb von der Straße in den Bach gelangen, weil geeignete Auffangeinrichtungen fehlen.

Als ein schwerwiegender Eingriff erweist sich die jüngst ausgeführte Rodung zum Zweck der Verkehrssicherung, die zwischen Klusenstein und Binolen erfolgte. Anstatt behutsamere Verfahren einzusetzen, wurde gleich bis zur Uferzone kahlschlagartig vorgegangen. Die ökologisch wertvollen Buchenwälder sind nun lokal stark geschädigt, zugleich besteht eine erhöhte Erosionsgefahr an den Steilhängen. Weil beabsichtigt ist, die  Abholzung im Laufe des Jahres fortzusetzen, droht dem Schutzgebiet eine weitere Zustandsverschlechterung.

Auch für den  Hönnelauf muss weiter gehandelt werden. Ein etwa 1,50m hohes Wehr stellt derzeit ein unüberwindbares Hindernis für Äschen und weitere heimische Gewässertiere dar. Die behördenverbindlichen Planungen des Landes sehen vor, dass der Bach bis spätestens 2021 die WRRL‐Vorgaben erreicht. Um das Ziel zu erfüllen, muss die Barriere bis Ende 2018 zurückgebaut sein, so wie es seit 2012 der Umsetzungsfahrplan bestätigt.

Weitere Herausforderungen ergeben sich durch gewässerunverträgliche Nutzungen oberhalb des Hönnetals. Neben dem Kalkabbau trägt eine weitere Intensivierung der Landwirtschaft zur Gefährdung des Schutzgebietes bei. Wie wenig die lücken‐ bzw. spaltenreichen Deckschichten des Karsts Auswaschungen aus Böden fernhalten können, ließ sich während der Begehung einer Höhle anschaulich nachvollziehen:  Nach der niederschlagsreichen Zeit tropfte es merkbar durch das Gestein. Besonderer Aufmerksamkeit bedürfen zudem die oberirdischen Geländeverhältnisse im Einzugsbereich des Hönnetals. Wer dort nicht bodenverträglich wirtschaftet, setzt seine Flächen der Erosion aus.  Die Gewässeraktiven ermittelten bei der Bereisung, dass selbst in Hanglagen Dauergrünland umgebrochen wurde und die vorherrschende landwirtschaftliche Nutzung vielerorts nicht dem Standort angepasst erfolgt. Auf Ackerflächen waren Abschwemmungen erkennbar, die zusammen mit den Straßenabwässern in das Hönnetal gelangen.

Auch die erhöhten Nährstoffauswaschungen in das Grundwasser sind dokumentiert. Wiederholt wies das Landesumweltamt eine erhebliche Überschreitung des Nitratprüfwerts an im westlichen Einzugsbereich des Schutzgebietes nach, welches landwirtschaftlich intensiv genutzt wird.  Für wasserabhängige (Land-)Ökosysteme können diese Konzentrationen nachteilig sein, weshalb vertiefte Überprüfungen zu ihrem Schutz erfolgen müssen. Die Exkursionsteilnehmer konnten auch  unterhalb der Messstelle, in einem Quellbereich des Hönnetals, eine deutliche Nitratbelastung feststellen.

Die Naturschützer setzen sich für die Lösung der genannten Defizite ein. Wichtig ist nicht nur die fristgerechte Umsetzung der Gewässerschutzplanungen, sondern auch ihre Ergänzung um wirksame Maßnahmen zugunsten einer gewässerverträglichen Landwirtschaft und Verkehrslenkung. Außerdem sollten weitere Rodungen unterbleiben und der Kalkabbau bald der Vergangenheit angehören. Schließlich müsse auch der Schutz der aquatischen Lebensräume im Untergrund weiter präzisiert und transparent umgesetzt werden.