Dialog am Mühlenbach

Eingetragen bei: Allgemein, Niers-Schwalm | 0

Lokal Aktive des ehrenamtlichen Naturschutzes und  des Wassernetzes untersuchten am 30.11.2017 die Situation des Mühlenbaches bei Holtmühle. Die Teilnehmenden des Ortstermins ermittelten mehrere dringende Arbeiten, die zum Schutz und zur Entwicklung  des Baches mit seinen moorreichen Auen erforderlich sind.

Das organisch geprägte Gewässer weist gerade im Unterlauf noch viele ökologische Potenziale auf, weshalb es zugleich als Natura 2000-Gebiet geschützt ist. Großflächig unverbaute Auen mit Restmooren und ein weitgehend naturnaher Verlauf sind als positive Merkmale zu bewerten. Die Exkursionsgruppe konnte auch Spuren des Bibers ermitteln (vgl. Foto).

Andererseits waren die aktuellen Belastungen des Baches nicht zu übersehen. Zum einen fiel in dem aufgesuchten Gebiet der weiterhin zu niedrige Wasserstand auf. Dieser Mangel äußert sich darin, dass die Moore und Schilfzonen verlanden und sich auf den betreffenden Flächen zum Beispiel Brennnesseln, Dornfarnen und Brombeersträucher ansiedeln. Die Austrocknung der Aue zeigt sich auch an dem Sichtbarwerden der Baumwurzeln (Stelzwurzeln). Der BUND Mönchengladbach hat zusammen mit dem Wassernetz bereits im Jahr 2015 bei den zuständigen Stellen erreichen können, dass sie die Ursache für die Störung des Wasserhaushalts untersuchen werden, damit die erforderlichen Gegenmaßnahmen getroffen werden können. Ein entsprechendes Vorhaben ist in den Wasserrahmenrichtlinien (WRRL) – Maßnahmenplanungen für den Bach aufgenommen, der Stand ihrer Umsetzung noch nicht geklärt.

Als eine weitere zentrale Herausforderung kommt hinzu, dass die Nutzung von Ufer und Aue nicht gewässerverträglich erfolgt. Die Schilfzone wird als Jagdrevier beansprucht und entsprechend verändert. Im Wald dominieren standortuntypische Bäume. Ein Entwässerungsgraben weist auf Eingriffe in den Landschaftswasserhaushalt hin. Aus dem vermehrten Wachstum von nährstofftolerablen Pflanzen lässt sich zugleich eine zunehmende Eutrophierung folgern, die die Aufmerksamkeit auf das Einzugsgebiet des Baches lenkt. Dort änderte sich in den vergangenen Jahren die Landnutzung hin zu intensiveren Bewirtschaftungsformen wie Ackerbau und Beregnungslandwirtschaft. Auch die Ansiedlung von Industrie ist den Ortskundigen bekannt und dürfte zum erhöhten Wasserverbrauch beigetragen haben. Ob diese Entwicklungen zum Versiegen der Talhangquellen beigetragen haben, bedarf ebenfalls einer Klärung.

Ein weiteres Beratungsthema war die Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit. Die derzeitigen Stauanlagen am Mühlenbach stellen nicht nur für den Aal, sondern auch für Bachbettbewohner und strömungsliebende Wasserpflanzen ein Wanderhindernis dar. Um den behördlich als gewässerökologisch unbefriedigend festgestellten Zustand zu beheben, sehen die geltenden WRRL-Maßnahmenplanungen für die wandernden Organismen Umgehungen an den betreffenden Standorten vor. Die Teilnehmenden tauschten sich in diesem Zusammenhang zur Frage aus, wie die Vorhaben der Durchgängigkeit mit dem Erhalt von Schilfzonen und weiteren spezifischen Anliegen des Naturschutzes vereint werden können.