WRRL‐Verbändeforum von BUND, NABU, WWF und Grüner Liga

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Unter dem Titel „Zukunft unserer Gewässer – Ökologisch intakt und attraktiv für Erholung?“ trafen sich Funktionsträger und Aktive einschlägiger Umweltverbände am 10./11.11.2017 in Kassel. Mit knapp hundert Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet war die Veranstaltung gut besucht.

Erster Tag: Bestandsaufnahme

Der erste Tag begann mit einer Bestandsaufnahme über Erfolge und Defizite der WRRL. Diese erfolgte zum einen aus Sicht der Bundesregierung (H. Jekel, BMU) sowie aus Sicht der Wissenschaft (Dr. J. Völker, Universität Kassel/UFZ).

Naturgemäß war die behördliche Bewertung zum Umsetzungsstand positiver als die der Verbände. Den Verbänden wurde gar, nicht zuletzt durch die kürzliche Abgabe einer EU‐Beschwerde, Schwarzmalerei vorgeworfen. Seitens der Umweltverbände wurde entgegnet, dass die Umsetzungsdefizite gut belegbar seien, und es chronisch daran mangele, NGO‐Anregungen zu berücksichtigen.

Frau Dr. Völker stellte heraus, dass es vielerorts Verbesserungen gäbe, diese aber in den Darstellungen durch das „one out, all out“-Prinzip häufig nicht sichtbar seien. So erreichen mit heutigem Stand lediglich 8,2 % unserer Gewässer den bereits für 2015 zu erfüllenden guten Zustand. Die Prognose für 2021 liegt aus aktueller Sicht bei 21 %.

Zu Ende des ersten Tages wurde herausgestellt, dass neben der sogenannten „organisierten Öffentlichkeit“ insbesondere die breite Öffentlichkeit bislang an den Beteiligungsprozessen kaum teilgenommen hat. Kritik sei erwünscht, diese möge allerdings konstruktiv erfolgen. Insbesondere auf die lokale, kommunale Ebene muss zur Umsetzung der Ziele der WRRL verstärkt eingewirkt werden.

Zweiter Tag: Workshops und Podiumsdiskussion

Nach einem Plädoyer für eine Aufnahme und Anerkennung der Ziele der WRRL im Handeln aller gewässerrelevanten Akteure zogen sich die Teilnehmer in drei parallele Workshops zurück:

  • Nährstoffreduktion: Nach kurzen Impulsvorträgen erfolgte eine rege Diskussion unter den Teilnehmenden. Als zentrale Handlungsfelder konnten die notwendige Kohärenz unterschiedlicher, teils widersprüchlicher EU‐Richtlinien/nationale Gesetzgebungen untereinander (z.B. GAP, Düngerecht, int. Handelsregime) sowie die Lösung des distributiven Problems (Nutzen betrifft zwar viele, jedoch nimmt man den Nutzern Handlungsspielräume) herausgestellt werden.
  • Reduktion von Mikroschadstoffen: Die Diskutanten waren sich einig, dass eine „end of pipe“-Lösung zur Reduktion von Schadstoffen allenfalls als Notnagel in Betracht gezogen werden sollte. Vorrang muss die Ursachenbekämpfung (Quelle) haben. Immer neue Stoffe erfordern zudem eine beständige Anpassung der Herausforderungen.
  • Hydromorphologie und ihre Verknüpfung mit der Biologie: Die Teilnehmer sprachen sich dafür aus, die morphologische Güteklassifizierung an eine fünfskalige Einstufung anzupassen. Sie sollte zudem mit der Bewertung der biologischen Qualitätskomponenten gleich gestellt werden.

In der abschließenden Podiumsdiskussion zwischen Naturschützern und organisierten Naturnutzern, wie Tauchern, Kanuten und Fischern, waren mehr Gemeinsamkeiten als Konflikte erkennbar. Beide Seiten zeigten konstruktiven Willen, bestehende Konflikte im Sinne der Ziele der WRRL durch Dialog auszuräumen.

Die Vorträge der Veranstaltung sind hier abrrufbar.