Impulse für eine durchgängige Ruhr

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Am 30.10.2017 trafen sich Aktive von BUND Essen, NABU Ruhr, BUND Landesarbeitskreis Wasser und Wassernetz NRW zu einer Sondersitzung am Baldeney-See, um sich zur Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit der Ruhr zwischen Duisburg und Essen zu beraten. Dieses Umweltziel gehört zu den zentralen Anforderungen der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und musste bereits 2015 erreicht sein. Im Rahmen ihrer Beratung erkundigten sich die Teilnehmenden vor Ort über die derzeitige Situation am Stauwehr Baldeneysee (vgl. Foto, Copyright: Martin Kaiser).

Die Gewässerschützer ermittelten im und am Fluss erhebliche Beeinträchtigungen. Ufer sind festgelegt, Auen von der Ruhr abgekoppelt und das Wasser kann nicht frei fließen. Diese Umstände erklären auch, warum die flusstypischen Fischbestände in dem betreffenden Abschnitt einen kritischen Zustand aufweisen und das von Natur aus artenreiche Gewässer derzeit krankt. Die zuständige Umweltbehörde bewertete die Strecke als ökologisch schlecht.

Nach den Erkenntnissen der Teilnehmenden bestehen für wandernde Arten wie Lachs und Meerforelle erhebliche Barrieren an den Stauen in Duisburg, Mülheim und Essen. Diese Probleme gelten in beiden Richtungen. So ist es den Tieren verwehrt, wieder an der Ruhr und ihren Nebenläufen heimisch zu werden.

Zudem stellen die Rückstaubereiche für die meisten wirbellosen Arten, die am Gewässergrund leben, eine lebensfeindliche Umwelt dar. Auch für viele flusstypische Wasserpflanzen fehlen die notwendigen Bedingungen, um sich ansiedeln zu können. Staubereiche stellen zumal Nähr- und Schadstoffsenken dar.

Mit der aktuellen Flussgebietsplanung haben die Umweltbehörden festgelegt, dass die untere Ruhr bis spätestens zum Jahr 2021 soweit wie möglich wieder naturnah ist. Dieses verbindliche Ziel unterstützt auch der Landtag. Damit könnten zumindest 6 Jahre nach Ablauf der WRRL-Fristen die Qualitätsanforderungen erreicht werden.

Die Teilnehmenden konnten während der Exkursion keine Maßnahme erkennen, die zur Erfüllung der Ziele bereits beiträgt. Allerdings haben die Gewässerschützer erfahren, dass  der Stauwehrbetreiber eine Maßnahme am Baldeneysee vorbereitet, um die Durchgängigkeit für bestimmte Fischarten zu verbessern. Zu diesem Zweck soll ein Fischlift installiert werden. Die Flussaktiven begrüßen diese Anstrengungen. Sie sehen aber zugleich die Notwendigkeit, dass über den beabsichtigten Fischlift hinaus Maßnahmen erfolgen müssen, um für alle gewässertypischen Arten die Passierbarkeit im Staubereich sicher zu stellen sowie allen Anliegen des Allgemeinwohls gerecht zu werden.

Hierzu bedarf es auch die Einbeziehung der Fläche nördlich des Stauwehrs, die als Golfplatz genutzt wird und zugleich ein Hochwasserrisikogebiet darstellt. Aus Sicht der anwesenden Gewässerschützer würden mit der Anlage eines Umgehungsgerinnes dort gleich mehrere positive Effekte erzielt. Zum einen wäre der Wasserlauf für mehr wandernde Arten durchgängig. Zum anderen würde die Fläche gewässerökologisch aufgewertet und als Biotopverbund dienen. Hochwasserrisiken könnten gemindert und das Grundstück als Golfplatz weiterhin nutzbar sein.

Die Teilnehmenden einigten sich darauf, Ihre Vorschläge weiter auszuarbeiten und Aktionen zur Beförderung der Durchgängigkeit zwischen Duisburg und Essen – sowie darüber hinaus – auf den Weg zu bringen. Der Austausch mit den zuständigen Stellen bleibt für dieses Vorhaben wichtig. Interessierte, die dieses Anliegen unterstützen möchten, sind dazu eingeladen, sich an die   Naturschutzverbände zu wenden.