Marsberg: Dialog für den Grundwasserschutz

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Auf Einladung des Nabu erörterten lokal aktive Vertreter des Nabu und der BUND Regionalgruppe Arnsberg zusammen mit dem Wassernetz am 25.10.2017 den Zustand des Grundwassers in Marsberg, speziell des Grundwasserkörpers „Trias Nordhessens“. Geologisch besteht das Gebiet zu großen Teilen aus Kalksteinen des Zechsteins und Sandsteinen des Buntsandsteins. Die Kalksteine sind geklüftet und teils verkarstet mit daraus resultierenden hohen Geschwindigkeiten und Durchlässigkeiten für das Grundwasser. Die Hochlagen und breiten Tallagen werden intensiv landwirtschaftlich genutzt.

Nutzungsintensivierung und Grünlandumbruch

Nach Auskunft der lokal Aktiven wurden rezent große Flächen ehemaligen Grünlandes in Acker umgewandelt. Die Grünlanddarstellung in ELWAS zeichnet in dieser Hinsicht ein falsches Bild. Zum Beispiel innerhalb des Landschaftsschutzgebietes Freiflächen um Erlinghausen/Auf der Sandkuhle. Verbliebene Grünlandbereiche werden intensiv genutzt. Bei der Vor-Ort-Begehung konnte die gehäufte Gülleverbringung unmittelbar beobachtet werden (z.B. nördlich Giershagen). Mehrfach wurden große Tanklastzüge einschlägigen Inhalts gesichtet. Beständig lag ein Geruch von Schweinegülle in der Luft. Westlich von Erlinghausen wurde auf umgebrochenem Grünland eine Pestizidapplikation bei starkem Seitenwind mit entsprechender Winddrift beobachtet.

Zumindest vereinzelt reichten die Güllegaben bis in Tal- und Hanglagen mit (noch) vorhandenen Trocken- und Halbtrockenrasen (z.B. nördlich Giershagen). Die Nutzungsintensivierungen mussten auch in grundwasserabhängigen Landökosystemen (GWALÖS) wie in der Diemelaue südlich von Marsberg festgestellt werden, ebenso in Wasserschutzgebieten (WSG) wie zwischen Giershagen und Borntosten. Eine photometrische Nitratbestimmung an einer Karstquelle im Glindetal südlich der Siegesmühle ergab einen Wert von > 40 mg/l Nitrat.

 

Optimierung des Monitorings

Aus Sicht der Gewässeraktiven ist die Dichte des WRRL-Messnetzes zur Feststellung der Grundwassergüte in den Schutzgebieten (WSG/GWALÖS) zu optimieren. Die Bewertung der WSG und GWALÖS in den WRRL-Planungen erscheinen demnach allgemein zu positiv.

Zudem zeigten viele, teils seit 2001 inaktive, Messstellen zuletzt deutlichen Handlungsbedarf bezüglich der Nitratbelastung an. Infolge des anhaltenden Strukturwandels in der Agrarwirtschaft ist eher davon auszugehen, dass sich diese Problematik verschärft hat.

Vor dem Hintergrund der lokalen hydrogeologischen Situation ist anzunehmen, dass z.B. Nitrat-Peaks in Folge konkreter Düngemaßnahmen übersehen werden. Allein aus diesem Grund wäre es wünschenswert die Messfrequenz zu erhöhen.

 

Auch Handlungsbedarf bezüglich Oberflächenegwässer

Vielen Gewässerabschnitten im Glindetal fehlt eine Beschattung. Über weite Abschnitte wurde der Verlauf verkürzt. Verbauung von Ufer und Längsprofil des Diemel-/Orpe-/Glindesystems (z.B. Udorfer Mühle) unterbinden eine naturnahe Fließgewässerdynamik.