Kies für den Goorbach

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Am 2.9.2017 haben ehrenamtliche Gewässeraktive erneut Kies in den Goorbach eingebracht, um den Wasserlauf bei Gronau ökologisch aufzuwerten. Mit Erfolg, wie sich zwischenzeitlich herausstellte. Eine Bachforelle nutzte einen dieser umgestalteten Abschnitte bereits als Laichplatz.

Im Folgenden veröffentlichen wir einen Bericht von Sascha Brütting, der an dieser Maßnahme mitgewirkt hat.

Konkrete Arbeiten

Im Anschluss an die Genehmigung durch die zuständige Behörde erfolgte die praktische Ausführung an zwei ausgewählten Standorten des Goorbaches (Vgl. Foto, Copyright S. Brütting). In einem dieser Gewässerabschnitte glichen wir die Verluste an Kies aus, den die Strömung in den vergangenen Monaten bachabwärts verlagerte. An einer anderen Stelle des Wasserlaufs wurde eine Strecke mit dem gewässertypischen Substrat verlängert bzw. verstärkt.

Die Maßnahme dient vor allem dem Ziel, Kieslaichern ein Habitat und Laichmöglichkeiten zu bieten. Zugleich trägt die strukturelle Aufwertung dazu bei, dass der Bach bei Trockenperioden im Sommer nicht zu niedrige Wasserstände aufweist. Das angehäufte Substrat sorgt dafür, dass das Wasser leicht gestaut wird und verzögert abfließt.

 

Positive Effekte der Maßnahme

Vorher wurden schon andere Gewässer wie die Dinkel mit Kiesbetten bestückt.  In allen Fällen zeigte sich sehr schnell eine deutliche Zunahme an wirbellosen Tieren am Gewässergrund (Makrozoobenthos). Abschnittsweise ließ sich bei der Artenzahl eine Veränderung um ca. 300% beobachten. Die Untersuchungen belegen, dass mit der Zugabe von Kies eine enorme Aufwertung des Wasserlaufes erfolgte. War der Gewässergrund wieder mehr belebt, zeigte sich schnell, dass auch andere Arten davon profitierten. Teils vorher nicht nachweisbare Organismen waren wieder vor Ort. Es wurden im letzten Jahr auch schon Laichgruben von Bachforellen in der Dinkel gesehen. Wir hoffen, dass auch in dem Goorbach diese positiven Entwicklungen sich einstellen. Dort wurden über mehrere Jahre Bachforellen als Brütlinge eingesetzt, die nun Laichreif sind.

Bisher haben sich nach einer entsprechenden Maßnahme immer Erfolge eingestellt. Selbst kleinste Gewässer sind nach einer anfangs festgestellten übermäßigen Verschmutzung (Güteklasse 4) nur noch mäßig belastet (Güteklasse 2). Bestimmt haben wir den Bachzustand mit dem Saprobienindex, bei dem Wasserproben auf das Vorkommen und die Häufigkeit bestimmter wirbelloser Tiere wie Steinfliegenlarven, Hakenkäfer, Erbsenmuscheln oder Dreiecksstrudelwurm untersucht werden. Diese Erhebung erfolgte als Projekt mit einer örtlichen Schule am Eschbach.(Bericht vom 27.3.17). Von der Verbesserung profitieren auch die anliegende Flora und Fauna. Flankierend haben wir ein paar Nisthilfen für Vögel und Insekten errichtet und Wildblumen gesät. Auf diese Art kann ein vielfältiger Lebensraum entstehen und gezeigt werden.

 

Geringer Aufwand

Das Einbringen des Kieses war mit einigen Helfern eine leichte Sache und hat auch nicht lange gedauert. Insgesamt wurden in den Bach 5 m³ Kies eingebracht. 3 m³ Körnung 8-X und 2 m³ 16-32. An Brücken ist die Arbeit besonders einfach, weil sie seitlich abgekippt werden kann. Dann ist das Substrat nur noch ein wenig mit Harken zu bearbeiten und fertig ist das Kieshabitat. Evtl. können noch ein paar große Steine als weitere Lebensräume zugegeben werden. Zusammen mit der Vorbereitung waren wir in zwei Stunden fertig.

Auch die anschließenden Arbeiten bleiben überschaubar. In Gewässern selber braucht man sich um das eingebrachte Kies oder die zugegebenen großen Steine kaum zu kümmern. Nur wenn auch Totholz eingebracht wurde, ist eine Kontrolle 2-3 mal im Jahr nötig. Nistkästen für

Vögel sind einmal im Jahr zu überprüfen. Der Aufwand nach solchen Aktionen hält sich in Grenzen. Evtl. ist der Kies aufzufrischen. Das ist aber auch alles. Wer sich intensiv darum kümmern will, lockert den Kies Anfang Oktober auf, damit feinere Sedimente sich aus den Lücken lösen. Das kommt Kiesarten wie Bachforelle entgegen. Es ist aber nicht unbedingt nötig. Über diese und andere Arbeiten an Gewässern, die auch im Zuge der Wasserrahmenrichtlinien (WRRL)- Umsetzung entstanden sind, haben wir nur positive Ergebnisse erzielt. Im Grunde sind dies nur kleine Maßnahmen. Sie haben aber eine große Strahlwirkung. Aber vor allem macht es einen riesigen Spaß und auch ein wenig stolz, die Verbesserungen selber zu sehen.

Es empfiehlt sich,  eine Vorher- /Nachher- Kartierung vorzunehmen. Diese sollte kurz vor der Ausführung der Maßnahme erfolgen, dann eine Woche später und schließlich nach 2-3 Monaten. Mit kleinem Kescher, Gläsern, Pinzette und evtl. Lupe sowie Bestimmungsschlüssel läßt sich erstaunliches finden und feststellen.

 

Mitmachen erwünscht

Mit einigen Helfern ist also viel zu erreichen und der Zeitaufwand ist eher gering. Alle Interessierten, die Lust und ein wenig Zeit für diese  Aktionen haben, können beispielsweise einen örtlichen Verein ansprechen, der sich für die Gewässer einsetzt.  Auch unser Angelverein ist offen für Interessierte und gemeinsame Aktionen mit Ortsgruppen der Naturschutzverbände, zumal  wir durch unser langjähriges Engagement eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Behörden und Grundstückeigentümern aufbauen konnten. Dieser gute Kontakt ist wichtig, weil für die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen ihre Zustimmung erforderlich ist.

Nicht nur im Kreis Borken sind Nachahmer*innen gerne gesehen. Auch wenn vor einer Aktion erst Überzeugungsarbeit gegenüber Grundstücksbesitzern gefragt ist und diese etwas dauern kann: Es lohnt sich auf jeden Fall.