Nitratbelastung: Ortstermin mit Grundwasserbeprobung

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Ist das Grundwasser tatsächlich mit Nitrat belastet oder stimmen die Messverfahren nicht? Veranlasst durch eine Kontroverse während des diesjährigen Forums zur Gülleproblematik im Kreis Soest initiierten die Gewässeraktiven der örtlichen BUND-Gruppe  zusammen mit dem BUND Landesarbeitskreis Wasser und Wassernetz NRW eine Grundwasserbeprobung in der Nähe von Erwitte, die am 10. Oktober 2017 erfolgte. Den Messort wählten die Veranstalter gezielt aus, weil dort zur Nitratbelastung des Grundwassers gegensätzliche Auffassungen bestehen. Für den Austausch luden die Gewässerschützer*innen auch Vertreter*innen der lokalen Bauernschaft ein. Zur Durchführung der Messung konnten sie Fachkräfte des Landesumweltamtes gewinnen. Der aktuelle Befund bestätigt eine weitere Verschlechterung der Gewässersituation. Es muss nun deutlich mehr für den örtlichen Grundwasserschutz getan werden.

Besonderheiten des Messortes

In dem Einzugsbereich des Überwachungspunktes dominieren vor allem landwirtschaftliche Nutzungen. An der Messstelle findet eine jährliche Beprobung  des Grundwassers statt, um die Konzentration an Nitrat und weiterer Basisparameter zu bestimmen. Die ehrenamtlichen Gewässeraktiven des BUND Soest haben an dem betreffenden Standort eine Untersuchung veranlasst, weil dort zwischen Landwirtschaft und Naturschutz unterschiedliche Auffassungen zur Nitratbelastung des Grundwassers bestehen. Während des Diskussionsforums zur Gülleproblematik, zu der der BUND im Frühjahr nach Soest einlud, stellten Teilnehmende aus der Landwirtschaft zugleich die Zuverlässigkeit  des Messregimes in Frage.

Im Rahmen einer vorbereitenden Sondersitzung konnten die Gewässeraktiven feststellen, dass die bisherigen Befunde an der betreffenden Messstelle auch für 2017 eine starke Nitratverunreinigung mit mehr als 60mg/l anzeigten. Damit wird die ab dem 22.12.2015 einzuhaltende Qualitätsnorm von 50mg/l und weniger weiterhin verfehlt. Zudem ist eine weitere Vorgabe aus der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) nicht erfüllt: Statt die Belastungen kontinuierlich zu minimieren, kam es selbst innerhalb der vergangenen zwei Jahre zu einem erneuten Anstieg der Verunreinigungen.

Vor Ort zeigte sich, warum das Grundwasser bisher einen kritischen Zustand aufweist. Den Gewässerschützer*innen fiel eine großflächige ackerbauliche Nutzung im Umfeld der Messstelle auf. Zudem findet unweit des Beprobungsortes eine nicht standortgerechte Beweidung statt, die im kleineren Maße zur Belastung des Gewässers beitragen kann. Wegen der geringen Überdeckung mit Lehm und Schluff sowie des Karstgesteins im Untergrund ist das örtliche Grundwasser anfällig gegenüber übermäßigen Nährstoffeinträgen.

Bewertung gut abgesichert

Die Fachkräfte des Landesumweltamtes (LANUV) informierten die Teilnehmenden darüber, dass die Aufstellung einer Messstelle sich u.a. an den Abflussverhältnissen orientiere und sein Einzugsbereich etwa 20km² betrage. Insofern bestehe vor Ort eine ausreichende Messdichte. In dem Einzugsgebiet befinde sich überwiegend landwirtschaftliche Nutzung, so dass auch eine Repräsentativität gegeben sei.

Monatlich werden der Wasserstand und einmal jährlich die stoffliche Situation untersucht. Dass die Probennehmer fachlich sehr sorgfältig vorgehen, konnten alle Teilnehmenden vor Ort  - inklusive der anwesenden Landwirte – nachvollziehen: Zunächst wurde das Standwasser abgepumpt und der Volumeninhalt der gesamten Messstelle mehr als 1,5-fach ausgetauscht, anschließend wurden alle Vor-Ort-Werte (pH-Wert, Sauerstoffgehalt, Leitfähigkeit, Trübung) so lange kontrolliert bis nachweislich nur noch frisch nachströmendes, klares Wasser aus dem Grundwasserleiter erfasst wurde (vgl. Foto).

Für die Untersuchung  werde zudem das oberflächennahe Grundwasser berücksichtigt, weil auf diesem Niveau sich die aktuelle Entwicklung im Untergrund am besten erschließen lässt.

Erhöhte Nitratbelastung  

Bei der Beprobung konnte ermittelt werden, dass  der Abstand zum Grundwasser etwa 8 Meter betrage.

Zur Auswertung der Nährstoffsituation musste das Probengut zum Labor nach Lippstadt gebracht werden. Die Analyse ergab nun sogar einen Wert von 88,5 mg Nitrat/l. Seit 2006 die höchste gemessene Nährstoffbelastung!

 

Optimierung des Grundwassermanagements weiterhin wichtig

Die teilnehmenden BUND-Aktiven halten auf Grundlage der vorgetragenen Informationen das derzeitige Messregime für ausreichend. Zugleich regten sie zur besseren Nachvollziehbarkeit der natürlichen Vermischung des Grundwassers und zur Absicherung der Befunde eine Testphase an, während der die Gewässergüte über ein Jahr lang monatlich bestimmt wird. In diesem Zusammenhang solle auch Berücksichtigung finden, inwiefern die Düngung bzw. kurzfristige Änderungen in der Nutzung sich auf die Nährstoffverhältnisse im Untergrund auswirken. Darüber hinaus müsse auch in der Sickerwasserzone bzw. direkt im Übergang vom ungesättigten Boden zum Grundwasser geprüft werden.

Im Austausch mit der Landwirtschaft war Transparenz ein wichtiges Thema. Bis heute fehlt es der Öffentlichkeit an Informationen, was konkret für die WRRL-Umsetzung auf einzelnen landwirtschaftlichen Flächen getan wird und welchen Erfolg diese haben.  Die ehrenamtlichen Gewässerschützer*innen brachten die Erstellung von Umsetzungsfahrplänen für Nitrat-belastete Grundwasser in das Gespräch ein. Mit ihnen sollen konkrete Ziele und Maßnahmen zur Nährstoffminimierung vor Ort festgelegt werden. Sie leisten zugleich einen Beitrag, um die Wirksamkeit des Grundwasserschutzes zu überprüfen. Die anwesenden Landwirte wünschen sich hingegen, dass auch Naturschützer*innen vermehrt an Hofveranstaltungen teilnehmen, um Betriebe besser kennen zu lernen.

Kein Lebenszeichen im Grundwasser

Während der Veranstaltung fand auch eine faunistische Beprobung des Grundwassers statt. Die Auswertung am Folgetag ergab, dass sich an der Messstelle keine Tiere nachweisen ließen. Generell leben im Untergrund z.B. Krebstiere und Würmer.

Weitere Informationen

Das Landesumweltamt wird die Fragen, die anlässlich der Grundwasserbeprobung gestellt wurden, schriftlich beantworten. Diese werden so bald wie möglich auch auf der betreffenden Webseite der Behörde einsehbar sein.