Stillstand an der Ibbenbürener Aa?

Eingetragen bei: Allgemein, Ems | 0

Der gute ökologische Zustand der Flüsse und Bäche sollte seit dem 22.12.2015 erreicht sein. So gibt es die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) vor. Die Ibbenbürener Aa verfehlt dieses Ziel deutlich. Dem geltenden Bewirtschaftungsplan zufolge befindet sie sich in einem ökologisch schlechten Zustand. Insbesondere die Fische und Wasserpflanzen befinden sich in einer kritischen Situation.

Aktive der Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz Tecklenburger Land e.V. (ANTL), BUND Steinfurt und Wassernetz haben während ihrer Exkursion am 29.9.2017 an ausgewählten Abschnitten ermittelt, dass dort keine Fortschritte zu verzeichnen sind, um den Bach zu verbessern.

Hierzu seinen einige Beispiele genannt:

 

  • Die Aa ist stark mit Salzabwässern aus dem Kohlebergbau belastet. Viele Tiere können daher den Bach nicht besiedeln. Auch wenn in den kommenden Jahren infolge der Zechen-Schließung die Einleitungen an salzhaltigen Bergbauwässern deutlich abnehmen werden, ist nicht sichergestellt, dass damit übermäßige Verunreinigungen dauerhaft beendet sind. So besteht noch keine Lösung, um – trotz Vorbehandlung der Bergbauwässer - die übermäßigen Einträge an Eisen und Sulfat langfristig zu minimieren.

 

  • Im Bereich des Ibbenbürener Aasees gibt es für kleine Gewässerbodentiere und Fische keine Möglichkeit, den für sie lebensfeindlichen Stau zu umgehen. Dabei benötigt die als Zielartengewässer für den Aal ausgewiesene Ibbenbürener Aa freifließende Stecken. Einer Umflutung des Anstaus (Aasee) durch die Ibbenbürener Aa wurde seitens der zuständigen Stellen (Rat der Stadt Ibbenbüren) bisher nicht zugestimmt, obwohl eine dem Rat vorliegende Machbarkeitsstudie eine Umflutung positiv bewertete und als Muss zum Erreichen der Ziele der WRRL an der Ibbenbürener Aa sieht.

 

  • Die Ufer des Baches sind im Mittellauf weitgehend festgelegt und der Maisanbau findet bis 0,5 Meter zur Böschungsoberkante statt. Ein asphaltierter Weg läuft entlang der Ibbenbürener Aa, eine Anlage von Uferstreifen beidseits des Gewässers fehlt .

 

  • Die Unterhaltung des Gewässers erfolgt nicht im Einklang mit den gewässerökologischen Anforderungen. Selbst die Ufervegetation wird bis zur Uferlinie beidseitig abgemäht.

 

  • Die Ibbenbürener Aa wurde in den 70ern tiefer gelegt und trapezförmig ausgebaut. Ein Hochwasser, welches mit einer Wahrscheinlichkeit von 100 Jahren auftritt, kann das künstliche Bett in diesem naturfernen Zustand zwar aufnehmen. Es treten jedoch auch heute extremere Abflusssituationen (Beispiel Werre 2001 in Ahlen, > HQ5000) situativ auf, bei denen dann mit Flutungen des Umfeldes gerechnet werden muss. Die Aa benötigt für einen besseren Zustand mehr Raum, um wieder mäandrieren zu können und extreme Abflüsse zu entschleunigen. Die Planungen des Gewässerschutzes sehen die Entwicklung von Auen vor, jedoch nicht dort, wo es überall erforderlich wäre.

 

Die Teilnehmenden der Exkursion sehen die zuständigen Stellen in der Pflicht, aktiv zu werden und die Umsetzung der WRRL vor Ort sicher zu stellen. Dazu gehöre auch, die Vorhaben aus dem Umsetzungsfahrplan zu erledigen. Mit der Erstellung der neuen Gewässerkonzepte (Maßnahmenübersichten) seien weitere erforderliche Maßnahmen einzuführen. So braucht die Ibbenbürener Aa durchgehend mehr Freiraum , wo der Bach mäandrieren kann. Die Freiräume als sind (Sekundär-) Auen anzulegen, da die Anforderungen der Landwirtschaft an den ursprünglichen Auenraum eine Entwicklung der ursprünglichen Aue nicht zulassen.

Positiv ist das Engagement der ANTL zu sehen, die an benachbarten Bächen Renaturierungsmaßnahmen anschieben konnte