Handlungsbedarf an der Geithe ermittelt

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Lokal Aktive und Interessierte des BUND sowie des Wassernetzes NRW haben am 7.9.2017 die Situation der Geithe an ausgewählten Abschnitten in Hamm ermittelt. Ein wichtiges Thema war die kritische Gewässerbelastung unterhalb des Kohle-Kraftwerks Hamm-Uentrop.

Quellbereich abgekoppelt

Der Oberlauf der Geithe wurde streckenweise infolge der Anlage des Datteln-Hamm-Kanals und der Errichtung eines Kern- bzw. Kohlekraftwerks verrohrt. Zudem hat der Bach seinen ursprünglichen Quellbereich verloren, der seitdem mit einem Graben zusammengelegt als Geithe-Bach in entgegengesetzte Richtung, zum Altarm der Lippe, hin entwässert.

Die Gewässeraktiven und Interessierten von BUND Hamm, Soest und Unna sowie des Wassernetzes NRW begannen ihre Exkursion östlich des Kraftwerksgeländes, am Startpunkt des verbliebenen Oberlaufes der Geithe (vgl. Foto). Dieser Abschnitt führt temporär Wasser und weist kaum noch Merkmale eines sandgeprägten Tieflandbaches auf, weil er beispielsweise geradlinig verläuft und der Maisanbau bis an die Böschungsoberkante erfolgt. Aus Sicht der Teilnehmenden sollte auch diese Bach-Strecke bei den Gewässerplanungen zur Geithe Berücksichtigung finden und möglichst an seine Quelle wieder angeschlossen werden.

Verunreinigungen durch besonders gefährliche Stoffe

Weiter bachabwärts, am westlichen Ende des Kohlekraftwerksgeländes, befindet sich der behördlich festgelegte Startpunkt der Geithe. Der Bach war während des Ortstermins mit genügend Wasser gefüllt, das offenbar aus dem Areal des Kraftwerksgeländes eingeleitet wurde. Den Teilnehmenden fiel auf, dass das Wasser stark getrübt ist. Eine behördliche Mess-stelle findet sich dort nicht. Eine Untersuchung im Rahmen der Abiturarbeit einer engagierten Gewässeraktiven ergab, dass dort deutlich erhöhte Konzentrationen an problematischen Substanzen nachzuweisen waren. Neben Aluminium zählen hierzu u.a. Blei, Cadmium und Nickel, die als prioritäre Stoffe gelten und deren Einträge gemäß der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) minimiert bzw. beendet werden müssen. Auch weiter bachabwärts wie am Düker waren auf-fällige Befunde zu messen.  Aus Sicht der Gewässerschützer*innen muss dieses Problem dringend angegangen und die Verunreinigungsquelle abgestellt werden. Spätestens seit 2015 war der gute chemische  Zustand zu erreichen und eine weitere Verschlechterung bereits seit 2003 zu verhindern. Bisherige Nachfragen der Jungforscherin bei den zuständigen Behörden haben bisher noch zu keine sichtbaren Maßnahmen geführt.

Wasserlauf vielerorts noch festgelegt

Ein weiteres Thema war die Gewässerstruktur des Baches. An vielen Abschnitten muss noch gehandelt werden und hierfür auch mehr Fläche bereitgestellt werden, um den Zielen der WRRL zu genügen. Unweit des Kraftwerkes finden sich zwar positive Ansätze wie etwa die partielle Beschattung der Geithe und ein Feuchtgebiet.  Um die ökologische Trittsteinfunktion dort tatsächlich zu gewährleisten, sind neben der Gewässer- Reinhaltung u.a. die naturfremden Sohlschalen herauszunehmen und Totholz einzubringen.

Im Unterlauf der als Hochwasserrisiko-Gewässer geltenden Geithe findet eine Siedlungserweiterung bei Braam-Ostwennemar statt, mit der Flächen für den natürlichen Rückhalt verloren gehen. Zudem bewerteten die Teilnehmenden es als kritisch, dass die bachabwärts gelegenen Uferabschnitte nicht entwickelt werden können, weil dort ein Weg beibehalten statt verlegt werden soll.