Neue Auengewässer am Niederrhein

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Zwischen Wesel und Emmerich realisiert die NABU-Naturschutzstation Niederrhein zwei Auenprojekte. Am 22.9.2017 besichtigten Aktive der Naturschutzstation und des Wassernetzes die Arbeiten vor Ort und berieten sich zu weiteren Maßnahmen für die WRRL-Umsetzung am Fluss.

Mit der Anlage eines Seitenarms und einer Nebenrinne in den NSGs Rheinaue Bislich-Vahnum und Emmericher Ward (die auch als FFH/NATURA 2000-Gebiete ausgewiesen sind und zum EU-Vogelschutz- und RAMSAR-Gebiet „Unterer Niederrhein“ gehören) werden erstmalig am nordrhein-westfälischen Abschnitt des Rheins die notwendigen Bedingungen geschaffen, um Teilbereiche der Rheinaue an mindestens 300 Tagen im Jahr mit Fluss-Wasser zu beschicken. Zudem erfolgen in der Emmericher Ward Initialpflanzungen für einen Auwald. Diese Maßnahmen gehören zumal zu den ersten des Umsetzungsfahrplans für den Rhein-Hauptlauf, die seit 2012 realisiert werden. Des Weiteren ist im Rahmen eines derzeit beantragten EU-Life-Projektes beabsichtigt, den natürlichen Rückhalt auf einer zusätzlichen Fläche in der Emmericher Ward zu fördern.

Auf einer Strecke von bis zu 2,5 km Länge werden Seitenarm bzw. Nebenrinne angelegt. Dank des guten Baufortschritts fehlen jetzt nur noch wenige Meter, bis die Arbeiten abgeschlossen sind. Zwischenzeitlich hat sich der Eisvogel an einem der Steilufer im Bislicher Projektgebiet angesiedelt. Für die Biber in der Emmericher Ward ergeben sich demnächst mehr Räume, wo sie aktiv werden können.

Mit den praktischen Arbeiten  zeigt sich auch eine weiterer positiver Effekt: Sie erfolgen teilweise schneller als eingeplant und sind zudem deutlich günstiger als ursprünglich veranschlagt.

Zugleich wurde bei der Umsetzung der Projekte deutlich, dass viel Geduld gefragt war und die offenen Fragen bei der WRRL-Umsetzung am Rhein auch die Renatierungsmaßnahmen erheblich verzögerten und erschwerten. Sei es, dass geeignete, ressort-übergreifende Verwaltungsvereinbarungen zwischen Bund und Land für Gewässerentwicklungsprojekte an der Bundeswasserstraße fehlen, einzelne Grundstücksbesitzer Teilflächen nicht für jeden Maßnahmenträger bereitstellen möchten oder - sehr kurios - für die Pflanzung von 7 standorttypischen Einzelbäumen eine Genehmigung verlangt wird, obwohl diese in einer Auwald- Entwicklungsfläche gesetzt werden.

Aus Sicht der Teilnehmenden ist es daher auch nicht verwunderlich, dass ca. 80% der zwischen Wesel und Emmerich geplanten Maßnahmen noch nicht umgesetzt sind und zunächst auf ihre Machbarkeit hin überprüft werden müssen.

Für die konsequente WRRL-Umsetzung regen sie weiterhin eine „task force“ an, die die offenen Fragen konstruktiv und zeitnah löst.

Mehr Informationen zu den Projekten am Niederrhein finden sich im Internet unter: www.life-rhein-emmerich.de und www.life-rhein-bislich.de