Anwenderhandbuch zum Flächenbedarf von Gewässern

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Die Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) hat eine bundesweit anwendbare Empfehlung zur Frage erarbeiten lassen, wie viel Fläche die einzelnen Fließgewässertypen benötigen, um den guten Zustand erreichen zu können.

In der Einführung der Hilfestellung bekräftigen die Autoren den wichtigen Hinweis, dass Fließgewässern Entwicklungsraum zurückgegeben werden müsse, um sie den Umweltziele der EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) gemäß zu verbessern. Zu diesem Zweck müssen Regeln und Methoden zur Ausweisung von Gewässerentwicklungsflächen erarbeitet werden. Das Handbuch soll diesem Anliegen Genüge leisten.

Die betreffende Flächen-Kulisse wird zunächst anhand der potenziell natürlichen Korridorbreite berechnet. Hierbei handelt es sich um denjenigen Raum, den ein Wasserlauf bei "bordvollem" Abfluss von Natur aus einnehmen würde.  Diese Breite hängt auch von dem Gewässertyp ab. Ein schlängelnder Bach beansprucht beispielsweise mehr Fläche als ein sich windender. Auf die Breite wird ein Dynamikfaktor von 25% aufgeschlagen. D.h.: Die Planer sollen den ermittelten Korridor um 25% breiter berechnen, um dem Bach oder Fluss Laufverlagerungen mit Altambildungen zu ermöglichen. Mittels Geoverarbeitung liesse sich dann der Entwicklungskorridor als zweidimensionale Gewässerentwicklungsfläche darstellen. Der so ermittelte Raum würde zum Erreichen des sehr guten ökologischen Zustands benötigt.

Um die WRRL-Ziele zu erfüllen, also den Bach oder Fluss in einen guten ökologischen Zustand zu verhelfen, sollen bereits 70% der betreffenden Breite der Gewässerentwicklungsfläche genügen. Wichtig ist der Hinweis, dass bestehende Restriktionen in dieser Kulisse - wie ein bebautes Gebiet - "auszugleichen" sind, beispielsweise durch eine entsprechende Vergrößerung der Entwicklungsfläche auf der gegenüberliegenden Seite des Gewässers.

Das Dokument enthält auch konkretere Angaben zur WRRL-Umsetzung an erheblich veränderten  Fliessgewässern. Der Flächenbedarf für das Erreichen des guten ökologischen Potenzials richtet sich nach der (Belastungs-) Fallgruppe und variiert deutlich. Er beträgt zwischen 10% (z.B. bei Schifffahrt auf staugeregelten Gewässern) und 50% (z.B. bei Gewässern mit Landentwässerung und Hochwasserschutz) der zuvor genannten Entwicklungsfläche, die für den relevanten  natürlichen Gewässertyp angesetzt würde.

Aus Sicht der Verfasser lässt sich das Verfahren für den Flächenbedarf grundsätzlich auch für nicht-berichtspflichtige Bäche anwenden. Hierzu zählt zum Beispiel der noch namenslose Bach im Einzugsbereich des Leerbaches im Münsterland (vgl. Foto).

Das Kompendium ist zudem mit Anwendungsbeispielen angereichert. So wird der Flächenbedarf für einen grobmarterialreichen, silikatischen Mittelgebirgsbach vorgerechnet. Dieser Gewässertyp findet sich beispielsweise gehäuft im Sauerland oder Bergischen Land.

 

Die an sich hilfreiche Ausarbeitung lässt einige wichtige Fragen offen.  Beispielsweise ist das Verfahren für größere kies- oder sandgeprägte Ströme wie den Rhein  praktisch nicht anwendbar. Ferner wäre noch genauer zu klären,ob mit der neuen Methode auch mehr Fläche für das Erreichen der WRRL-Ziele einzuplanen ist. Aus vorläufigen Berechnungen lässt sich ein zusätzlicher Bedarf folgern. Die Verknüpfung des Ansatzes mit dem Strahlwirkungs-und Trittsteinkonzept ist des Weiteren noch zu erörtern. Darüber hinaus braucht es auch für die Entwicklung von Stillgewässern oder wasserabhängigen Schutzgebieten Anleitungen.

Laut der aktuellen LAWA-Veröffentlichungsliste  (Stand 8/2017) ist das Dokument noch nicht publiziert.