Handlungsbedarf am Kranenbach

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Am 1.8.2017 nahmen sich Gewässeraktive des BUND Viersen und Wassernetz NRW den Kranenbach in Schwalm-Amern vor, um an ausgewählten Abschnitten die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) zu ermitteln und mögliche weitere Maßnahmen zur Erreichung der Umweltziele zu beraten. Anlass zum Dialog gab die vorgesehene Änderung der Regionalplanung. Sie zielt darauf ab, den derzeitigen Schutzstatus der Bachauen auf einer Strecke von 1 km aufzuheben, obwohl dort zwischenzeitlich ökologische Aufwertungen erfolgten. Die Gewässerschützer halten dieses Vorhaben daher fachlich, ökonomisch und rechtlich für kritisch.

Maßnahmen angelaufen

Die engagierten Naturschützer konnten während der Sondersitzung feststellen, dass der zuständige Wasserverband den Bach bei Amern an mehreren Stellen strukturell verbessert hat. So erhielt ein vormals über 80 m Länge verrohrter Bachabschnitt einen neuen, zumeist oberirdischen Verlauf (vgl. foto). Oberhalb dieser Strecke wurde das Profil auf mehr als 500 Meter erweitert, naturnaher gestaltet und Totholz belassen bzw. eingebracht. Die Arbeiten waren auch nach dem Umsetzungsfahrplan vorgesehen.

Die 2015 bis 2016 durchgeführten Maßnahmen stellen einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung dar, so waren sich die Teilnehmenden einig. In einigen Bereichen ließ sich bereits eine gute Sukzession der Vegetation feststellen, so dass die Gewässeraktiven dort nur geringfügige Anpassungen wie etwa bei der Gehölzentwicklung  oder der Erweiterung des Uferstreifens für sinnvoll erachten.

Hausaufgaben auch an anderen Bachstrecken zu erledigen

Um den ökologisch unbefriedigenden Zustand des Kranenbachs beheben zu können, müssen diese Initiativen aber auch andernorts des Gewässers konsequent und zügiger als vorgesehen erfolgen. Gemäß den WRRL-Vorgaben sollte das Gewässer bereits 2015 wieder naturnah sein. Dafür benötigt der Wasserlauf  an weiteren, strukturell beeinträchtigten Strecken mehr Raum, der auch den degradierten Niedermooren zu Gute kommt. Entsprechend den fachlichen Anforderungen sind bei einem organisch geprägten Tieflandbach an mehr als 50% der Strecke Renaturierungen vorzunehmen. Aus diesem Grund gibt es aus Sicht der Naturschützer keine Alternative, die anliegenden, noch unverbauten Flächen in einer Breite von mindestens 25 Metern beidseits des Baches zu erhalten. Sie haben weitere gute Gründe hierfür: Die Arbeiten dienen Mensch und Natur gleichermaßen, weil intakte Gewässer mit ihren Auen zum natürlichen Rückhalt beitragen, für ein gutes lokales Klima sorgen und der Artenvielfalt dienen. Die Teilnehmenden der Sondersitzungen haben während ihrer Exkursion geeignete Flächen hierfür ermittelt und mögliche Vorschläge diskutiert.

Monitoring und weitere Optimierungen empfehlenswert

Die Aktiven notierten offene Fragen. So ist aus ihrer Sicht zu prüfen, inwiefern in Amern bereits die Durchwanderbarkeit des Baches für die Forelle, für weitere dort typische Fischarten, den Biber und für wirbellose Gewässertiere erreicht ist oder ggf. zusätzliche Anstrengungen erfolgen müssen. So wird empfohlen, halboffene Durchlässe mit einem Durchmesser von mind. 1,40 Meter zu wählen. Auch hinsichtlich der Güte ist noch einiges zu klären, damit die Wasserpflanzen sich vom derzeit ökologisch unbefriedigenden Zustand in den Zielzustand entwickeln. Die Einrichtung von Randstreifen, die Entwicklung von Kleingewässern, Behebung unnötiger Versiegelungen und eine gewässerverträgliche Landwirtschaft können hierzu beitragen.

Die BUND-Mitglieder stellten nach Sichtung der Planungsunterlagen fest, dass auch für die bei Amern befindlichen gewässerabhängigen Schutzgebiete gehandelt werden müsse und mehr Transparenz hinsichtlich ihres Managements erforderlich sei.

Auen gefährdet

Angesichts des Handlungsbedarfs sehen die Gewässeraktive es als kritisch an, dass nun auf einer mehr als 1 Kilometer langen Strecke der Schutzstatus der Bachauen aufgehoben werden soll. Innerhalb des Gebietes  befindet sich zumal der vom Wasserverband ökologisch aufgewertete Gewässerabschnitt. Die Teilnehmenden der Sondersitzung befürchten, dass die Gemeinde weitere Gewerbegrundstücke einrichten will. Bereits in der Vergangenheit wurden für einen Discounter und für weitere Handelsketten dort mehr Auenfläche wieder versiegelt als es nach dem Bedarf erforderlich war. Dieses zeigte sich den Aktiven auch an dem hohen Leerstand in der betreffenden Anlage und der hohen Anzahl ungenutzter Parkplätze. Alternative Gewerbeflächen bzw. Einkaufsmöglichkeiten bestehen nach Kenntnis des BUND Viersen auch außerhalb der Aue.

Mit einer weiteren Verbauung der Aue würden nicht nur notwendige Flächen für die weitere erforderliche Verbesserung des Gewässers fehlen, sondern zugleich dazu beigetragen, dass die Situation sich verschlechtert und diese Beeinträchtigungen auch die Schutzgebiete im Umfeld betreffen würde. Damit würde auch das Verschlechterungsverbot der WRRL tangiert.

Die Gewässeraktiven werden sich aus diesem Grund dafür einsetzen, dass an der betreffenden Stelle die geplanten und erforderlichen Maßnahmen der WRRL zum Zuge kommen.