Dialog an Kendel und Königshüttesee

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Anfang Juli untersuchten Aktive von NABU Kempen – St. Hubert und des Wassernetzes NRW die aktuelle Situation am Oberlauf der Kendel und am Königshüttesee. Zusammen ermittelten sie, welche weitere Maßnahmen zur Habitatverbesserung an beiden Gewässern sich empfehlen.

Wasser und Raum für die Kendel

Den Teilnehmenden der Sondersitzung fiel beispielsweise auf Höhe des ehemaligen Kiesabbaugebietes am Königshüttesee auf, dass dem löß-lehmgebprägten Bach das Wasser fehlt und er kaum noch natürliche Merkmale aufweist. Weil sein Profil festgelegt ist und gleichmäßig geradlinig verläuft, kann er sich nicht wie von Natur aus schlängeln und überstehende Ufer ausbilden. An dem rechtsseitigen Gewässerrand beansprucht zumal eine Straße den Raum. Aus der Sohle findet sich mehr Verpackungsabfall als Totholz. Der Kendel wird zugleich als Zuweg zum Königshüttesee genutzt, weshalb er örtlich Trittschäden an Ufer und Sohle aufweist. Die eigenen Beobachtungen bestätigen, weshalb die zuständigen Wasserbehörden den Bach bei der jüngsten Bestandsaufnahme als ökologisch schlecht bewerteten.

Die Aktiven der Naturschutzverbände sehen es aus diesem Grund als dringend an, dass zeitnah Taten für den Bach folgen. Hierfür könnten auch die anstehenden Arbeiten zum Gewässerschutzkonzept (Maßnahmenübersicht) für den Kendel und weitere Gewässer der Region genutzt werden. So sind auch am Oberlauf Maßnahmen zur gewässertypischen Verbesserung von Sohle, Ufer und Aue zu planen und diese Arbeiten deutlich vor 2024 umzusetzen. Auch braucht der Kendel ihr Wasser zurück. Die Gewässeraktiven unterstützen daher alle Anstrengungen, um die Ursachen des Trockenfallens zu ermitteln und ggf. anzugehen. In diesem Zusammenhang sehen die Naturschützer es als kritisch an,  dass der Kendel v.a. aus einem bachabwärts folgenden Regenrückhaltebecken gespeist wird. Diese Abwässer könnten ggf. verunreinigt sein. Dagegen bieten Maßnahmen zur Entsiegelung im Auenbereich und weitere Arbeiten zur Förderung des natürlichen Wasserrückhalts die verträglichere Variante, um dem Bach zu helfen.

 

Guter Zustand für den Königshüttesee

 Die anschließende Begehung an dem Königshüttesee brachte viele offene Fragen und Auffälligkeiten zu Tage.

Obwohl der See aufgrund seiner Größe von insgesamt mehr als 80 ha EU-berichtspflichtig ist, findet er in den veröffentlichten Planungsunterlagen des Landes zur WRRL-Umsetzung noch keine Erwähnung. Ohnehin gibt es landes- und deutschlandweit noch einige grundlegende Arbeiten zu erledigen, um die Situation von Baggerseen umfassend zu beschreiben und entsprechend den Qualitätsanforderungen des EU-Rechts zu entwickeln.

Zudem liegt den Aktiven nicht der Rekultivierungsplan vor, der mit der Einstellung des Kiesabbaus im Jahr 2012 umzusetzen war.

Augenscheinlich konnten die Naturschützer feststellen, dass der See durchaus Abschnitte aufweist, wo Potenziale für die ökologische Entwicklung bestehen. So finden sich kleinräumig Steilufer und größere Areale mit Gehölzsäumen. Zugleich fielen aber auch die Abschnitte auf, wo die Strukturen erhebliche Defizite aufweisen. So mangelt es an angemessen breiten Flachwasserzonen, weshalb Röhrichtbestände weitgehend fehlen. An besonders relevanten Zugangspunkten wie Einfahrtsbereichen und Damm wurden bisher nur zurückhaltend Initialpflanzungen vorgenommen, so dass diese zur intensiven Freizeitnutzung einladen. Diese führte bereits dazu, dass die Areale übermäßig mit Verpackungsabfall versehen sind, die Tierwelt gestört wird und die Sukzession sich verzögert bzw. Uferstrukturen geschädigt sind. Das betreffende Areal sollte generell für den Naturschutz entwickelt werden. Unklar ist zudem, wie die Wassergüte sich in der größeren Seehälfte darstellt. Dort konnten Anzeichen einer Eutrophierung festgestellt werden.

Die Teilnehmenden werden sich dafür einsetzen, dass mehr Transparenz bzgl. der Entwicklung des Königshüttesees sichergestellt ist. So würden sie es begrüßen, wenn die örtlich zuständigen Behördenstellen das Rekultivierungskonzept und die WRRL- Planungen für den Baggersee  öffentlich vorlegen und zum Umsetzungsstand informieren. Zusätzlich müsse eine weitergehende Öffentlichkeitsbeteiligung auch gemäß den WRRL-Anforderungen gewährleistet sein.  In diesem Zusammenhang liesse sich auch klären, inwiefern die bestehenden Planungen die ermittelten Handlungsfelder der Gewässerschützer bereits angegangen werden sollen. Es biete sich bei der Gelegenheit auch an, das Nahrerholungskonzept der Stadt Kempen erneut auf die Agenda zu setzen. Die Vorlage enthalte viele Vorschläge für eine gewässerverträgliche Freizeitnutzung, die bisher allerdings aus Kostengründen keine Zustimmung erfahren haben.