Dialog in der Sülz-Aue

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Am 2. Juni 2017 trafen sich interessierte Bürger*innen der Bürgerinitiative Lebenswertes Sülztal sowie Natur- und Gewässerschützer*innen gemeinsam mit dem Wassernetz NRW zum Dialog an der Sülz. Die BUND-Kreisgruppe Rheinisch-Bergischer Kreis hatte zu diesem Termin eingeladen, um sich über die aktuellen Planungen in der Sülzaue bei Unterauel/Untereschbach auszutauschen. Die Stadt Overath plant dort in den ausgedehnten Auwiesen der Sülz Gewerbe anzusiedeln.

Mehr Hochwasserschäden befürchtet

Dabei ist die Sülzaue an dieser Stelle die größte zusammenhängende Freifläche entlang des Gewässers und eine der wenigen Gebiete im Rheinisch-Bergischen Kreis, an der sich eine Auen-Renaturierung in dieser Größe anbietet. Die Auwiesen weisen zudem einen hohen Grundwasserstand auf und werden bereits bei häufigen Hochwasserereignissen überschwemmt. Daher soll die Gewerbefläche, nach derzeitigen Informationsstand, aufgeschüttet werden. Die Anwohner*innen befürchten, dass sich durch die Aufschüttung und die zusätzliche Versiegelung das Risiko von Hochwasserschäden nicht nur in diesem Bereich, sondern auch für die Ober- und Unterlieger verstärken wird. Durch die Versiegelung würde zudem der als schutzwürdig ausgewiesene Bodentyp Typischer Auengley - zum Teil Auengley-Brauner Auenboden überprägt werden. Die anwesenden Gewässerschützer*innen sind sich darüber einig, dass sich die zusätzliche Bebauung auch negativ auf die gewässerökologische Entwicklung der Sülz auswirkt.

Maßnahmen zur Gewässerentwicklung geplant

Nach den Planungen des Landes zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) ist an dieser Stelle zumal die Entwicklung eines Strahlursprungs, d.h. eines besonders naturnahen Gewässerbereichs, vorgesehen. Der Umsetzungsfahrplan sieht vor, in diesem Bereich die Uferbefestigung zu entfernen, das Ufer abzuflachen und einen Uferstreifen anzulegen. Zur Entwicklung des Strahlursprungs sollten aber auch noch weitergehende Maßnahmen zur Auenentwicklung umgesetzt werden. Betreffende Arbeiten sind laut Umsetzungsfahrplan allerdings nicht vorgesehen. Damit der Strahlursprung die Anforderungen erfüllt, benötigt die Sülz an dieser Stelle auf kurzen Strecken einen Bereich von mindesten 150 Meter Breite, in dem sie sich frei entwickeln kann. Für optimale Entwicklungsmöglichkeiten sollten es auf den längeren Gewässerstrecken sogar bis zu 500 Meter sein. Das geplante Gewerbegebiet würde in diesem Bereich liegen und könnte sich insofern auch negativ auf die Gewässerökologie der als Zielartengewässer für den Lachs ausgewiesenen Sülz auswirken. Eine Möglichkeit, den Strahlursprung zu verlegen, besteht nicht, da keine anderen freien Flächen in dieser Größe entlang der Sülz vorhanden sind.

Auenschutz rechnet sich auch wirtschaftlich

Dagegen würde eine Renaturierung der Aue auch finanzielle Vorteile mit sich bringen. Der natürliche Wasserrückhalt  könnte dadurch erhöht und Schäden durch Hochwasser minimiert werden. Nach Berechnungen des Bundesamts für Naturschutz ist der finanzielle Wert einer Auenrenaturierung dreimal so hoch wie ihre Kosten. Eine weitere EU-Richtlinie zur Minderung des Hochwasserrisikos bietet seit 2007 zusätzliche Handlungsspielräume und schafft Synergien zum Gewässerschutz. In diesem Rahmen sind auch auf Overather Stadtgebiet Maßnahmen geplant, die der Freihaltung von überschwemmungsgefährdeten Flächen und damit dem Gewässerschutz dienen. So soll z.B. in Flächennutzungs- und Bebauungsplänen dargestellt werden, welche Flächen bei einem 100-jährlichen oder einem 1000-jährlichen Hochwasser überflutet werden. Im Zuge von Baugenehmigungen soll zudem in diesen Gebieten geprüft werden, ob eine Bebauung aufgrund des Hochwasserrisikos überhaupt zulässig ist. Die Anwohner*innen und die Mitglieder der BUND - Gruppe Rheinisch-Bergischer Kreis wollen nun durch öffentlichkeitswirksame Aktionen und durch einem Brief an die städtischen Vertreter darauf hinweisen, dass die Vorgaben der WRRL, insbesondere das Verschlechterungsverbot und die Verbesserungspflicht, zu beachten sind. Das Wassernetz NRW wird diesen Prozess weiter begleiten und beratend unterstützen.