Dialog an der Issel

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Foto: ©  Herbert Sekulla.

Am 20. Mai 2017 trafen sich interessierte Bürger*innen sowie Natur- und Gewässerschützer*innen zum Dialog an der Issel. Der BUND Wesel hatte zu diesem Termin eingeladen, um sich gemeinsam mit den Interessierten und dem Wassernetz NRW über den ökologischen Zustand der Issel und die Planungen zur Minimierung der Schäden durch Hochwasser zu informieren und auszutauschen. Fast ein Jahr ist es nun her, dass an der stark begradigten und eingedeichten Issel in Raum Hamminkeln gleich zwei außergewöhnliche Hochwässer innerhalb weniger Wochen auftraten. Das Ereignis zeigte auf drastische Weise, wie wichtig es ist, dem Gewässer wieder mehr Raum zu geben. Die ganzheitliche Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) fördert seit dem Jahr 2000 EU-weit auch den natürlichen Wasserrückhalt. Das Ziel der Wasserrahmenrichtlinie ist der gute Gewässerzustand von der Quelle bis zur Mündung. In NRW setzen Land und Kommunen derzeit die EU-weiten Gewässerschutzanforderungen praktisch um. Eine weitere EU-Richtlinie zur Minderung des Hochwasserrisikos bietet seit 2007 zusätzliche Handlungsspielräume und schafft Synergien zum Gewässerschutz.

Gewässerökologie verbessern – Hochwasserschäden minimieren

Auch an der Issel gibt es Planungen, wie der Gewässerzustand verbessert und zugleich Schäden durch Hochwasser minimiert werden können. Teilnehmende des Dialogs betonten, dass es zur Minimierung der Hochwasserschäden und Förderung der Gewässerökologie ganzheitlicherer Planungen und Konzepte bedarf, die auch die Grundwassersituation und die Auswirkungen des Kiesabbaus miteinbeziehen. Dass an der Issel gehandelt werden muss, ist auch den Teilnehmenden des Dialogs nach einem Blick auf das Gewässer im Bereich Schermbeck-Marienthal schnell klar. Der sandgeprägte Tieflandbach zeigt nichts von dem eigentlich so typischen geschlängelten Verlauf und einem flachen Profil. Stattdessen staut sich das Wasser vor dem Stauwehr in ein gerades, eingedeichtes Bett zurück. Auenstrukturen wie Rinnensysteme, Altgewässer und Niedermoore sucht man auch außerhalb des Marienthaler Dorfkerns vergeblich. Die naturfernen Strukturen der Issel spiegeln sich in der Bewertung des Landes, einem schlechten ökologischen Zustand und Potenzial dieses Gewässerabschnitts, wieder. Einen ähnlichen Zustand finden die Teilnehmenden an der Issel am Standort Hamminkeln-Ringenberg vor, wenngleich das ökologische Potenzial hier „nur“ als unbefriedigend bewertet wurde. Dennoch -  um die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie zu erreichen reicht auch dies noch lange nicht.

Natürlicher Hochwasserschutz rechnet sich

Zur Minimierung zukünftiger Hochwasserschäden ist es wichtig, dem Gewässer wieder mehr Raum zu geben, d.h. Deiche zurückzuverlegen und Auen zu renaturieren, wie es die Planungen seitens des Landes bereits stellenweise vorsehen. Diese Maßnahmen rechnen sich auch wirtschaftlich. Nach Berechnungen des Bundesamts für Naturschutz ist der finanzielle Wert einer Auenrenaturierung dreimal so hoch wie ihre Kosten. Doch auch darüber hinaus gibt es im Einzugsbereich der Issel noch viele andere Möglichkeiten, wie das Wasser auf natürliche Weise in der Fläche gehalten und somit Schäden durch Hochwasser an anderer Stelle verhindert  werden können. Im landwirtschaftlichen Bereich helfen z.B. Fruchtfolgen, Zwischenfruchtanbau, der Erhalt von Grünland und Pufferstreifen am Gewässer. Durch diese Maßnahmen kann mehr Wasser in der Fläche zurückgehalten werden. Eine weitere wichtige Vorsorgemaßnahme ist es vor allem Bebauungen von Überschwemmungsgebieten fernzuhalten und so die Hochwasserschäden zu begrenzen.

Hochwasserereignisse in Erinnerung behalten

Die Hochwassergefahrenkarten zeigen insbesondere in Ringenberg deutlich das Ausmaß eines Hochwasserereignisses, welches statistisch gesehen einmal in 1000 Jahren auftritt. Das klingt zunächst nach einem so seltenen Ereignis, dass wir uns sicher fühlen können. Wie uns vergangene Hochwasserereignisse allerdings gezeigt haben, ist diese Sicherheit ein Trugschluss, denn diese Angabe sagt nichts darüber aus, wann genau mit so einem Ereignis zu rechnen ist. Der BUND Wesel und das Wassernetz NRW werden daher auch weiterhin darauf hinwirken, dass das Hochwasserereignis von 2016 nicht in Vergessenheit gerät und natürliche Maßnahmen zur Minimierung von Hochwasserschäden, die zugleich auch dem Gewässerschutz dienen, umgesetzt werden.

Foto: ©  Herbert Sekulla