Dialog zur WRRL-Umsetzung in Hagens Schutzgebieten

Eingetragen bei: Allgemein, Ruhr | 0

Am 3. April 2017 suchten Gewässeraktive den Barmer Teich und die Syburger Ruhraue auf, um sich ein Bild von der Situation dieser Schutzgebiete zu machen und den weiteren Handlungsbedarf zu ermitteln. Zu dem Termin lud die Kreisanlaufstelle des LNU Hagen auch Ansprechpartner des hiesigen Landschaftsbeirates und des Wassernetzes ein. Die Beratung ergab, dass für die Umsetzung der WRRL-Ziele mehr getan werden müsse. Die Teilnehmenden einigten sich hierfür auf zusätzliche Initiativen.

WRRL-Anforderungen gelten auch für Schutzgebiete

Anders als es sein Name vermutet handelt es sich beim Barmer Teich von Natur aus um ein Durchflussgewässer. Der bereits in den 1970er Jahren durch ein Straßenbauprojekt stark zerschnitte Lebensraum befindet sich teils im FFH-Gebiet „Kalkbuchenwälder in Hohenlimburg“ und Naturschutzgebiet „Mastberg und Weissenstein“. Die Schutzbestimmungen sehen unter anderem vor, charakteristische Tierarten wie  Quellschnecken und Alpenstrudelwürmer zu fördern. Eine weitere wichtige Anforderung stellt der Erhalt des Wasserhaushalts in den Höhlen dar, weil das Gewässer von den Zuflüssen aus dem angrenzenden Karstgebiet abhängt. Generell sollten die gewässerseitigen Anforderungen der WRRL auch in den Schutzgebieten bis 2015 erfüllt sein.

Akuter Handlungsbedarf am Barmer Teich

Die Teilnehmenden der Bereisung mussten feststellen, dass sich die ökologische Situation des Barmer Teiches derzeit als kritisch erweist. Im Vergleich zu früheren Zeiten weist das Gewässer einen geringeren Wasserstand auf. Der Pegel ist in den vergangenen Tagen zumal deutlich abgesunken. Außerdem fallen eine Trübung und stellenweise ein fauliger Geruch auf. Den Gewässerboden überdeckt eine Schlammschicht und zusätzlich  zeigen sich am Ufer Spuren von zu hohen Nährstoffeinträgen. Eine vorläufige Untersuchung im Vorfeld der Begehung ergab, dass sich vor allem Wasserasseln nachweisen liessen, die zu den „Zeigern“ für ein sehr stark verschmutztes Gewässer gehören. Auch die Funde an Schlammschnecken und roten Zuckmücken weisen darauf hin, dass die Gewässergüte nicht stimmt. Alpenstrudelwürmer oder Quellschnecken konnten bisher nicht ermittelt werden, obwohl sie anhand früherer Untersuchungen durchaus im Gewässer vorgekommen sind. Andererseits bestehen vor Ort durchaus noch Entwicklungspotenziale. So konnten in geringer Anzahl Köcherfliegenlarven, die europäische Bachplanarie und – nach erster Einschätzung - der Vielaugenstrudelwurm gefunden werden. Die betreffenden Tiere ziehen zumeist Gewässer vor,  die nur mäßig belastet sind oder eine noch bessere Güte aufweisen.  Die Herkunft bzw. Art der angetroffenen Bewohner bedarf noch einer weiteren Klärung. Dies betrifft auch die Fische, die vereinzelt im Barmer Teich gesichtet werden konnten.

Die Belastungsursachen lassen sich in Nähe des Schutzgebietes ausmachen. Wegen des Dolomitabbaus ist der Grundwasserstand unter das Niveau des Barmer Teiches abgesenkt und eine Pumpe, die Wasser dem Schutzgebiet zuführen soll, läuft nicht. Aus diesem Grund wird das Gewässer derzeit nur temporär gespeist, insbesondere durch verunreinigte Straßenabwässer, die über 5 Einleitungen in den Barmer Teich gelangen. Bei besonders starken Regenereignissen erfolgen auch Abschwemmungen.

Darüber hinaus befinden sich größere Flächen des Barmer Teiches nicht im Schutzgebiet. Die Anlage eines Teiches mit Stauhaltung stellt eine weitere Beeinträchtigung des Gewässersystems dar. Die angrenzenden, flussnahen Auengebiete sind aufgrund von Bebauung und intensiver Landnutzung entgegen der Ergebnisse der jüngsten Strukturgütekartierung naturfern.

Erste positive Ansätze zügiger umsetzen

Die Gewässeraktiven vor Ort und das Wassernetz haben auf mehrere dieser Defizite bereits zuvor hingewiesen, sei es bei Stellungnahmen oder in Gesprächen mit den Behörden. Als Schritt in die richtige Richtung erweist sich die zwischenzeitliche Zusage, dass die Einleitung an kontaminierten Straßenabwässern bis 2018 angegangen werden soll. Auch bewerten die Teilnehmenden es als grundsätzlich positiv, dass der Milchenbach im Einzugsgebiet des Barmer Teiches renaturiert werden soll, weil mit diesem Vorhaben der natürliche Wasserrückhalt gefördert werde.

Diese Schritte müssen nun vollzogen werden. Als Sofortmaßnahme sollte ausreichend Karstwasser zugeführt werden sowie eine partielle Entschlammung stattfinden. Flankierend bedarf es einer Ausweitung der Schutzgebietsfläche sowie die Erstellung einer Maßnahmenübersicht, die konkrete gewässerseitige Zielbestimmungen, eine Bestandsaufnahme und einen Handlungskatalog für die ökologische Verbesserung des Gewässersystems Barmer Teich hin zu einem guten Zustand enthält. Grundsätzlich sollten, wie das Wassernetz bereits 2015 gefordert, konkret Maßnahmen des natürlichen Wasserrückhalts befördert werden. Dies schließt die Wiederherstellung der ursprünglichen Strukturen und Wassermenge des Barmer Teiches ebenso ein wie die Anhebung des Grundwasserpegels bzw. die ortsnahe Versickerung von entnommenem Wasser. In den angrenzenden Auengebieten sind außer einer Extensivierung auch gewässertypkonforme Nebenrinnen und Auwälder zu entwickeln. Eine intakte Aue nützt auch dem Barmer Teich. Die Teilnehmenden der Beratung werden in den kommenden Wochen entsprechende Impulse setzen.

Entwicklung der Syburger Aue

Die Sondersitzung wurde in der Syburger Ruhraue fortgeführt (vgl. Foto). Die Flächen stehen unter Naturschutz. Eine Extensivierung der Aue ist bereits erfolgt. Allerdings verläuft die Ruhr in dem betreffenden Abschnitt geradlinig. Der gesamte Wasserkörper zwischen Wandhofen und Volmerstein weist aufgrund der strukturellen Defizite, die sich auch bei den sichtbaren Gewässerbodentieren negativ bemerkbar machen, eine schlechte Bewertung auf. Die derzeitigen Planungen sehen eine Laufveränderung vor, die für die WRRL-Umsetzung erforderlich ist und generell Unterstützung findet. Allerdings waren sich die Teilnehmenden darin einig, dass die Neutrassierung anders vorzunehmen sei, um ein kosteneffizientes wie wirksames WRRL- und Hochwasserrisikomanagement zu gewährleisten. Beispielsweise sollte das neu anzulegende Gerinne zunächst über die linksseitige Ruhraue geführt werden, ehe es in das rechtseitig gelegene Naturschutzgebiet verschwenkt wird. An der betreffenden Stelle bestehe auch eine Mulde, die genutzt werden könne. Darüber hinaus müsse die Ruhr auch flussaufwärts mehr Raum erhalten. Insofern unterstützen die Teilnehmenden die dort vorgesehenen Vorhaben aus dem noch geltenden Umsetzungsfahrplan. Die Arbeiten sollten allerdings früher fertig gestellt sein als in 2024. Flankierend bedarf es mehr Gewässerdynamik in der Ruhr, damit die Auenentwicklung hin zu einem Strahlursprung befördert wird. Die Gewässeraktiven regen aus diesem Grund eine Aufgabe der nahezu statischen Wasserführung an und fordern insbesondere ein ökologisches Talsperrenmanagement bzw. Fließregime.