Weltwassertag: Wirksame Strategien gegen Gewässerverunreinigungen!

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Trotz der Fortschritte in der Reduzierung und Behandlung von Abwasser werden immer noch zu viele Schadstoffe, Kunststoffpartikel und Wärme in die Gewässer Nordrhein-Westfalens eingeleitet. Anlässlich des heutigen Weltwassertages zum Thema Abwasser wird seitens der Naturschutzverbände in NRW ein wirksamer Maßnahmenkatalog gefordert, um die wesentlichen  Verunreinigungen zu erfassen und an der Belastungsquelle anzugehen. Auch bedarf es mehr Transparenz. Einem ehrenamtlich engagierten Gewässerexperten wurde heute der Informationsbesuch einer Kläranlage verweigert.

Entsprechend der Qualitätsanforderungen der EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) hätten die Gewässer seit 2015 wieder in einem naturnahen Zustand sein müssen. Dieses Ziel erreichen aber weniger als 10% an die EU zu meldenden Flüsse und Bäche. Grund hierfür ist auch die Vielzahl an Einleitungen und Einträgen an wassergefährdenden Pestiziden, Bioziden, pharmazeutische Rückstände oder Schwermetallen, die einzeln oder als Cocktail die Lebensgemeinschaften der Gewässer beeinträchtigen können. Zum Beispiel sind die Türnicher Wässer bei Kerpen (vgl. Foto)  nicht nur durch Eisenhydroxid "verockert", sondern auch deutlich mit den prioritären Schadstoffen Nickel und Cadmium verunreinigt. Nur ein Bruchteil von diesen Belastungen wird bisher umfassend ermittelt und  geregelt. Nicht oder kaum erfasst sind zum Beispiel die Einläufe aus der Landwirtschaft wie etwa Drainagen-Abwasser, Abläufe aus Gülletanks und verunreinigtes Niederschlagswasser.  Aber auch das undichte Abwasser-Kanalnetz in Städten machen den Gewässerökosystemen zu schaffen, sind aber bisher nur unzureichend überprüft und Lecks weitgehend nicht saniert.

Betroffen sind auch Grundwasser und Kleinstbäche, die mehr als 70% der Gewässerstrecke in NRW ausmachen. Ein Problem besteht darin, dass noch zu wenig dafür getan wird, um Schadstoffrachten zu erheben und  problematische Substanzen durch gewässerverträgliche Stoffe und Produkte zu ersetzen. Der Fokus liegt noch immer auf teure end-of-Pipe-Lösungen wie Kläranlagen, Abwassertanks oder Rücklhaltebecken, die oft in den wenigen verbliebenen Auen gebaut werden und damit die Gewässer weiter einengen. Zudem werden Problemstoffe auch weiterhin über das Niederschlagswasser ungereinigt in die Gewässer eingeleitet. 65% der Fließgewässerstrecke sind hiervon betroffen. Diese Praktiken verstoßen gegen das Verschlechterungsverbot und die Verbesserungspflicht der WRRL.

Für den ehrenamtlichen Naturschutz ist darüber hinaus Transparenz im Abwassermanagement wichtig. In diesem Zusammenhang erschließt sich nicht, warum ein ehrenamtlich aktiver Gewässer-Experte der Naturschutzverbände heute der Zutritt zu einer Kläranlage an der Lutter verweigert wurde. Der Besuch diente dem Ziel, zusammen mit einem Fernsehteam einen Einblick zum Stand der Reinigung von Mikroschadstoff-haltigen Abwasser zu erhalten. Aus Fach-Veranstaltungen ist dem Wassernetz diese Anlage als ein best-practice-Beispiel bekannt.

Seitens der Naturschutzverbände in NRW wird gefordert, dass vor allem verbindliche Pläne zur Minimierung und Beendigung von Schadstoffen auf den Weg gebracht werden. Dies muss einhergehen mit einer Produktpolitik, die die Standards des Gewässerschutzes erfüllt. Zudem sind alle wesentlichen Verunreinigungsquellen zu erfassen und die Vorgaben zur Reinhaltung der Gewässer durchzusetzen. Hierfür müssen auch mehr Personal und Geld für die Umweltverwaltung bereitgestellt werden. Um die Umsetzung dieser Anliegen sicherzustellen, bedarf es einer Anpassung der Gebührenpolitik: Alle Verunreiniger  sind an den Kosten der Reinhaltung von Bächen, Flüssen und Grundwasser zu beteiligen. Bisher gibt es noch zu großzügige Ausnahmen oder Vergünstigungen wie etwa für Großmastbetriebe, Produkthersteller oder Kraftwerksbetreiber.