Dialog an der Werre

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Am 18. Februar 2017 trafen sich lokale Gewässer-Interessierte in Bad Salzuflen, um sich zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) an der Werre zu erkundigen. Hierzu lud die BUND-Kreisgruppe Lippe zusammen mit der hiesigen Ortsgruppe ein.

Für die Werre muss mehr getan werden

Zu Beginn erhielten die Teilnehmenden einen Einblick über wichtige Vorgaben des EU-weit geltenden Gewässerschutzes und darüber, wie diese in NRW und an dem Weserzufluss derzeit Anwendung finden. Weil an keinem der sieben Flussabschnitte die chemischen und ökologischen Qualitätsanforderungen fristgerecht eingehalten werden, dürfte die EU-Kommission auch den Umgang mit der Werre nun genauer prüfen. Die Brüsseler „Hüterin“ der WRRL-Vorgaben hat bereits 2015 ihre Erwartungen an die deutsche Wasserwirtschaftsverwaltung gerichtet: Unter anderem sind mit den 2015 aktualisierten  Maßnahmenplanungen ambitioniertere Vorhaben für die Flüsse auf den Weg zu bringen. Dabei sollen die zuständigen behördlichen Stellen darlegen, inwiefern sich die beabsichtigten Arbeiten  auf den Zustand der Werre auswirken und mit ihnen sich die Umweltziele erreichen lassen. Ein für die EU-Kommission wichtiger Aspekt ist die Bereitstellung von sog. grünen Infrastrukturen wie Auen oder Gewässerrandstreifen. Nur, wenn den Gewässern mehr Raum gelassen wird, können sie sich naturnah entwickeln und die WRRL-Vorgaben erfüllen. Ein Grundsatz, den auch das Land wichtig ist und der über das Förderprogramm „Lebendige Gewässer“ Unterstützung erfährt.

Es fehlt an Platz

Doch wie sind die derzeitigen Platzverhältnisse an der Werre? Karlheinz Meier, Wassernetz-Flussgebietskoordinator für die Weser in NRW, prüfte die Situation der Gewässerstruktur an der Werre von der Quelle bis zur Mündung. Er kam zum Ergebnis, dass es auf 68% der Gesamtlänge des Flusses beidseits noch an Raum fehlt. Bisher würden verschiedene Nutzungen die Aue beanspruchen. Umso wichtiger ist es daher, die in den lokalen Gewässerschutzkonzepten (=Umsetzungsfahrplan) ausgewiesenen Flächen für die naturnahe Gewässerentwicklung (Strahlursprünge) zu renaturieren. Entsprechend den spezifischen Anforderungen des Flusses werden auf Höhe von Bad Salzuflen mindestens auf 50-66% der Strecke beidseits etwa 25 bis 70 m breite und extensiv genutzte Auen benötigt. Nur bei diesen Rahmenbedingungen kann sich die Werre als von Natur aus karbonatischer, fein-bis grobmaterialreicher Fluss abschnitsweise wieder winden bis schlängeln. Allerdings wurden bei den 2015 aktualisierten Maßnahmenplanungen diese zuvor vereinbarten räumlichen Vorkehrungen nicht mehr berücksichtigt, obwohl sie zur Erreichung der verbindlichen WRRL-Anforderungen notwendig sind. Zugleich ergeben sich durch neue Bauvorhaben und der jüngst beobachteten Entfernung von Auwald zusätzliche Beeinträchtigungen.

Fallbeispiele

Die Teilnehmenden bereisten nach den Fachvorträgen drei Abschnitte an Werre und Bega. Im Bereich der Begamündung erfolgte die Neuprofilierung des Flussverlaufs. Dort liessen sich Veränderungen des Gewässerbetts beobachten, die nun Flach- und Tiefstellen aufweist. Eine wichtige Herausforderung bleibt allerdings der Nutzungsdruck durch Freizeitaktivitäten wie Badeplätze, Hundeauslauf und Kanubetrieb. An der Werre hat sich etwa 500 Meter flussaufwärts der Begamündung eine dynamische Entwicklung des Ufers eingestellt. Ein Steilhang zeigte sich den Beobachtern, genauso wie die Ansammlung von Totholz. Bei Meerbrede soll ein geplanter Strahlursprung überbaut werden, obwohl angesichts der stark begradigten Werre dort dringend Renaturierungsmaßnahmen erforderlich sind.

Weiteres Vorgehen

Die Teilnehmen stellten, fest, dass bei allen für die Flächenentwicklung zuständigen und relevanten Handlungsträgern in Bad Salzuflen mehr Bewußtsein für die Ziele des Gewässerschutzes geschaffen werden muss. Die Naturschutz-Aktiven der BUND Kreisgruppe Lippe und der BUND Regionalgruppe Ostwestfalen-Lippe vereinbarten, das Gespräch mit Gewässer-Nutzern und Behörden zu suchen sowie eine Veranstaltung zur Umsetzung der WRRL vor Ort anzuregen.