Bericht: Fachtagung zur Gewässerstruktur

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Am 29. und 30. September 2016 fand die Fachtagung mit dem Thema "Lebendige Gewässer - Sohle, Ufer, Aue" in Coesfeld statt. Das Umweltministerium richtete diese Veranstaltung zusammen mit der Naturschutzakademie (NUA), dem Landesumweltamt (LANUV) und der Bezirksregierung Münster aus. Im Rahmen der Tagung wurden aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen in der Hydromorphologie vorgestellt und beraten. Dr. Georg Gellert, Mitglied im BUND Landesarbeitskreis Wasser, konnten wir als Teilnehmenden dafür gewinnen, über die Ergebnisse zu berichten.

In September 2016 traf sich das Fachpublikum in Coesfeld, um sich über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen in der Hydromorphologie zu informieren. Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) stellt Anforderungen an den hydromorphologischen Zustand von Fließgewässern. Zu den häufigsten Ursachen der Verfehlung des guten Zustands gehören Defizite in der Gewässerstruktur, in der fehlenden Durchgängigkeit und in Störungen des Abflussregimes.

Gewässerentwicklung - heute und morgen

Ist der gute Zustand flächendeckend bis 2027 überhaupt erreichbar? Nach Monika Raschke (ehemals MKULNV) hängt die Antwort von der Definition der Ziele ab. Zur „Rettung“ des Konzepts der WRRL sind zwei Szenarien denkbar:

1) Verlängerungen der Laufzeiten um weitere Zyklen und

2) die Inanspruchnahme von Ausnahmen gemäß weniger strengen Bewirtschaftungszielen.

Dr. Kathrin Januschke (Universität Duisburg-Essen) zeigte die Effekte von Renaturierungsmaßnahmen auf die Auenlebensgemeinschaft auf. Dabei reagierten Laufkäfer am stärksten und schnellsten auf die Habitatverbesserungen, gefolgt von Sumpfpflanzen und Laichkräutern.

Dr. Thomas Ehlert (Bundesamt für Naturschutz) erklärte, warum ein Verbund zwischen Gewässer und Aue notwendig ist. Er sorgt für eine Verzahnung mit Mosaiken unterschiedlichster Lebensräume auf engstem Raum. Mit dem Programm „Blaues Band Deutschland“ möchte die Bundesregierung Flussufer und Aue an Bundeswasserstraßen wieder zusammenbringen.

Auch bei Sylvia Junghardt (Emschergenossenschaft/Lippeverband) spielte die Aue bei den vorgestellten Maßnahmen eine Rolle. Eine Laufverlegung an der Lippemündung wurde zum Anlass genommen, um auf einer Strecke von 2,4 km eine überflutungsgeprägte Auenlandschaft mit freier Lauf- und Profilentwicklung innerhalb der zur Verfügung stehenden Aue zu gestalten.

Bei der Gewässerentwicklung spielt auch der Biber eine Rolle. Das beschrieb Dr. Lutz Dalbeck (Biologische Station Düren). Biber fällen Bäume für den Dammbau und die Winternahrung. Dadurch entstehen Lichtungen und offene Bereiche. Außerdem wird permanent Holz in die Gewässer eingebracht.

Die Änderung der Flüsse hat auch mit dem Klimawandel zu tun. Darüber referierte Arndt Bock (Leiter eines Hauptausschusses der DWA). An der Altmühl wurde gezeigt, wie der Klimawandel bei der Umgestaltung Eingang gefunden hat. Auf einer Strecke von 23 km wurde die Gewässersohle um 50 % eingeschnürt (bei gleich bleibendem Abflussquerschnitt). Für Beschattung sorgt die Flatterulme, weil die Erle wegen einer Pilzkrankheit ausgefallen ist.

 

Neue Ansätze des Managements

Mit dem Feststoffmanagement beschäftigte sich auch Dr. Michael Detering (DB Sediments). Was passiert mit dem Sediment in den Stauanlagen? Als wirtschaftliche Lösung wird das ConSedTrans-Verfahren vorgeschlagen. Das Sediment im Stausee wird regelmäßig mit einem vollautomatischen Gerät bestrichen und bewirkt eine Sedimentverlagerung innerhalb des Staukörpers vor das Absperrbauwerk, wo es abfließen kann.

Dr. Tobias Schütz (Universität Freiburg) beschäftigte sich mit der Abflussdynamik. Flutereignisse können schädliche Veränderungen des Gewässerbettes und Erosions- und Sedimentationsprozesse verursachen. Extreme Abflussschwankungen müssen daher künftig bei Renaturierungsmaßnahmen berücksichtigt werden.

Neue Instrumente sollen Anwender in die Lage versetzten, die richtigen Maßnahmen an Fließgewässern zu treffen. Zu den Maßnahmen zählt die Gewässerunterhaltung. Dr. Andreas Stowasser (Stowasserplan GmbH) stellte ein Programm zur Gewässerentwicklung durch nachhaltige und prozessorientierte Gewässerunterhaltung vor, namens PROGREMIS.

Dr. Uwe Koenzen (Planungsbüro Koenzen) stellte eine Entscheidungshilfe zur Auswahl von zielführenden hydromorphologischen Maßnahmen an Fließgewässern vor. Das wesentliche Modul ist ein Fragenkatalog zur Herleitung der Maßnahmen.

 

Zugewinn an Fläche, Rückbau von Barrieren

Ein wesentlicher Aspekt bei Gewässerrenaturierungen ist die Flächenverfügbarkeit. Christoph Linnenweber (Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz) stellte einen regelbasierten Ansatz vor, der zur Ermittlung des Flächenbedarfs für den guten ökologischen Zustand u.a. den Fließgewässertyp heranzieht.

Im Zuge des Klimawandels ist das Thema „Ufergehölze“ wieder hochaktuell. Prof. Dr. Daniel Hering (Universität Duisburg-Essen) zeigte auf, dass im Sommer das Wasser unbeschatteter Strecken in Bächen um bis zu 5o C wärmer ist. Die Entwicklung von Ufergehölzen muss daher eine Kernmaßnahme nach WRRL sein.

Wie durch den Rückbau von Querbauwerken der größtmögliche Gewinn an Lebensraum und –qualität erreicht werden kann, zeigte Dr. Thomas Euler (LANUV NRW). Das Ziel ist, möglichst lange zusammenhängende, barrierefreie Fließgewässerstrecken zu schaffen. Dies geschieht über eine Priorisierung des Rück- und Umbaues von Querbauwerken.

Weitere Informationen

Wer sich genauer über die Inhalte dieser Veranstaltung informieren möchte, folgt bitte diesem Link.