Nitratbericht 2016: Situation bleibt angespannt

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Im Januar 2017 veröffentlichten die Bundesministerien für Umwelt und Landwirtschaft eine gemeinsame Bestandsaufnahme zur aktuellen Nährstoffbelastung ausgewählter Grund- und Oberflächengewässer in Deutschland. Zudem enthält der Report Angaben zum Management der Überdüngung. Die informative, teils klärungsbedürftige Dokumentation verdeutlicht, dass auch 25 Jahre nach Einführung EU-weiter Vorgaben gegen Nitratverunreinigungen Umsetzungsdefizite bestehen bleiben. Es fehlt weiterhin an wirksamen Maßnahmen gegen Verschmutzungszonen, die wesentlich durch gewässerunverträglich wirtschaftende Ackerbau-, Tiermast- und Biogasbetriebe verursacht sind. Betroffen ist auch NRW.

Anlass der Untersuchungen

Die Messungen erfolgten im Rahmen der Umsetzung der EG-Nitratrichtlinie (91/676/EWG), die eine Grundanforderung der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) darstellt. Für die Arbeiten wurden insbesondere Monitoringstellen ausgewählt, an denen eine Belastung mit Nitrat sich zuvor ermitteln ließ bzw. anzunehmen ist (z.B. Situation in Gebieten mit Sonderkulturen).

Die Ergebnisse müssen alle 4 Jahre an die EU berichtet werden. Hierfür fanden auch die Befunde des überarbeiteten Grundwasser-Nitrat-Messnetzes Berücksichtigung, welches infolge der Beanstandungen der EU-Kommission nun deutlich engmaschiger ist.

Erstmals berücksichtigt der Bericht zudem die gemessenen Konzentrationen an Gesamtphosphor in Oberflächengewässern. Die umfassendere Dokumentation auch zu weiteren Aspekten wie das Management dürfte sich außerdem aus dem aktuellen EU- Vertragsverletzungsverfahren und den neuen Berichtsanforderungen zur WRRL-Umsetzung ergeben.

Situation in Deutschland

28% der untersuchten Grundwasser überschreiten derzeit den Nitratgrenzwert von 50mg/l. Bei weiteren 22,7% der betreffenden Gewässer liegen die Konzentrationen über 25 mg/l. Im Vergleich zum vorherigen Berichtszeitraum (Zeitraum 2008-2011) hat der Anteil der entsprechend belasteten Grundwasserkörper um nicht mehr als 1% abgenommen. Bei 66% der Messtellen sind die Nitratkonzentrationen gleichbleibend bis steigend, davon in etwa 17% der Monitoringstationen stark zunehmend.

Hinsichtlich der Oberflächengewässer wird lt. Bericht an keiner Messstelle der Nitrat-Grenzwert von 50mg/l überschritten. Allerdings besteht an der Werse eine Überschreitung des (Einzel-) Messwertes. Zudem nimmt an 6% der Fliessgewässer-Messtellen die Nitratbelastung weiter zu.

In dem Bereich des ostfriesischen Wattenmeeres werden die Orientierungswerte für Nitrat überschritten. Der Bereich bleibt ein Problemgebiet bzgl. der Eutrophierung. Keines der Küstenwasserkörper innerhalb der deutschen Bucht erreicht den guten ökologischen Zustand.

Bzgl. der Gesamtphosphor-Belastung liegen die Konzentrationen bei 65% der untersuchten Fließgewässerabschnitte und bei 64 % der ausgewählten Seen über dem Zielwert. Die betreffenden Verunreinigungen nahmen an 6% (Fließgewässer) bzw. 22% (Seen) der berücksichtigen Messpunkte zu.

Befunde in NRW

Die Befunde aus den Jahren 2012-2014 zeigen im Abgleich mit den Werten aus dem vorangegangenen Berichtszeitraum, dass auch in NRW noch keine Entwarnung gegeben werden kann.

In NRW nahmen bei 24% der untersuchten Grundwasser die Nitratkonzentrationen weiter zu.

Bei den Fließgewässern zeichnet sich generell eine leichte bis deutliche Verringerung der betreffenden Verunreinigungen ab. Beispielsweise lässt sich eine abnehmende Belastung an Agger, Sieg und Niers beobachten. Allerdings bleiben vielerorts die Werte auf hohem Niveau. Hier zu nennen sind die Werse bei Münster, wo der Einzelwert für Nitrat mit mehr als 62 mg/l  die zulässige Konzentration deutlich übersteigt. Die Steinfurter Aa (= 48, 65 mg/l) und Vechte (= 46,92 mg/l) sind übermäßig belastet und halten nur knapp die Vorschriften ein. Im bundesweiten Vergleich auffällig stellt sich die Entwicklung in der Emscher bei Dinslaken dar, wo die Nitratverunreinigung um mehr als 400% zunahm.

Kritsch stellt sich die Situation hinsichtlich der Gesamtphosphor-Konzentrationen dar. Auch wenn die Konzentrationen abnehmen, überschreiten 65% der untersuchten Fliessgewässer die Zielwerte, wie beispielsweise die Emscher bei Dinslaken, Swist, Steinfurter Aa, Vechte und Werse.

Offene Fragen hinsichtlich des weiteren Managements

Der Bericht bleibt hinsichtlich vieler Aspekte klärungsbedürftig. Informationen zu einzelnen belasteten Grundwasserkörpern oder zur Entwicklung der Gesamtstickstoff-Einträge in den Binnengewässern lassen sich im Bericht nicht auffinden. Obwohl der Stickstoff-Überschuss mit 77 kg/ha/ Jahr bzw. 80 kg/ha/Jahr (NRW) auf landwirtschaftlicher Fläche deutlich zu hoch ist, fehlen konkrete Angaben zur Frage, inwiefern die derzeitigen und anvisierten Maßnahmen in der Landwirtschaft dazu beitragen, die WRRL-Ziele bis 2021 bzw. 2027 zu erfüllen.

Wer wissen möchte, was genau die Befunde zur Analyse der Kostenwirksamkeit einzelner Agrarumweltmaßnahmen bedeuten, erhält keine Antwort.

Aus den Ergebnissen zu den aktuellen Kontrollen von Betrieben läßt sich schließen, dass die Überwachung und Durchsetzung von Bestimmungen der Nitratrichtlinie alles andere als wirksam zu sein scheinen. Bei den weniger als 1,5% aufgesuchten Höfen hielten sich 15% nicht an die Vorgaben. Bei der Mehrheit der Verstöße wurden keine oder nur wenig weitreichende Sanktionen vorgenommen. Die zuständigen Kontrollstellen kürzten die Agrarprämie bei den meisten ermittelten Verursachern um nicht mehr als 3%.

Weitere Informationen

Die Befunde werden auch Thema des bevorstehenden Wassernetz-Seminars am 4.3.2017 in Düsseldorf sein, zu dem die Gewässeraktiven des BUND, NABU und LNU gemeinsam einladen.

Der Nitrat-Bericht ist über folgenden Link einsehbar.