Dialog zur Gewässerunterhaltung in Petershagen

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Am 11. Januar 2017 haben sich Aktive des BUND Petershagen und des Wassernetzes einen Überblick über Ansätze der naturnahen Gewässerunterhaltung vor Ort verschafft. Die Bereisung folgte im Anschluss einer Sondersitzung zur Thematik. Sie gingen in diesem Zusammenhang der Frage nach, inwieweit die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) bei der Bewirtschaftung lokaler Gewässer Berücksichtigung findet. Mit dabei waren der Wasserverband Weserniederungen und die Wasserbehörde. Neben den sichtbaren Fortschritten konnten die engagierten Naturschützer*innen feststellen, wo weiterer Handlungsbedarf besteht. In diesem Zusammenhang entwickelten die Teilnehmenden zusammen mit den zuständigen Stellen eine Idee für eine praktische Maßnahme.

Anforderungen der WRRL

Während eines themenspezifischen Vortrages des Wassernetzes erfuhren die Aktiven des BUND vorab, dass die ökologische Anpassung der Gewässerunterhaltung bereits bis zum 22.12.2012 hätte erfolgen sollen, damit die Umweltziele gemäß der WRRL bis Ende 2015 hätten erreicht werden können. Die Umsetzung betreffe zumal auch die sogenannten nicht-berichtspflichtigen Fließgewässer, die ein Einzugsgebiet von weniger als 10 km² aufweisen. Die Blaue Richtlinie des Landes NRW enthält Hilfestellungen, welche Maßnahmen sich für eine schonende Bearbeitung der Gewässer eignen. Beispielsweise sollen Hochstauden innerhalb der Uferbereiche sowie Totholz und Kiesbänke im Gewässerbett wo immer möglich belassen werden. Außerdem sei die naturnahe Gehölzentwicklung am Bach zu fördern. Alle mit der WRRL-Maßnahmenplanung vereinbare oder umzusetzende Änderungen sind in den Unterhaltungsplänen zusammen zu tragen und ihre Effekte regelmäßig zu überprüfen. Bis zum Ende 2018 seien zudem Maßnahmenübersichten auf den Weg zu bringen, die eine gewässerverträgliche Unterhaltung unterstützen sollen. Die Unterhaltungs- und Gewässerpflichtigen sollen im Rahmen dieser konzeptionellen Arbeiten sich abstimmen und dazu beitragen, dass die WRRL-Anforderungen an Bächen und Flüssen erreicht werden. Diese Gewässerkonzepte erhalten zugleich mehr Verbindlichkeit und bei der Erstellung werden auch die Naturschutzverbände eingebunden. Bisher bestehen vielerorts noch zu wenige echte Mitwirkungsmöglichkeiten bei der Gewässerunterhaltung, die auch diejenigen Bachbegehungen betreffen, welche von den Unterhaltungspflichtigen als Gewässerschauen durchgeführt werden.

Arbeiten des Wasserverbandes

Im Gebiet des Wasserverbandes Weserniederungen sind bereits rund 300 Kilometer der insgesamt 900 Kilometer zu bewirtschaftenden Gewässerstrecke aus der Unterhaltung genommen worden oder werden nur noch bei Bedarf vom Gewässerbett bis zur Böschungskante bearbeitet. Zudem wurden zwischenzeitliche Unterhaltungspläne aufgestellt, die zur Orientierung dienen. Eine wichtige Maßnahme der Anpassung betrifft die Extensivierung der Ufermahd, die beispielsweise nur noch einseitig bzw. wechselseitig erfolgt. Streckenweise findet auch das Pflanzen von Gehölzen statt. Generell setzt der Wasserverband auch weitergehende Maßnahmen um, diese dann aber oft im Rahmen eines zu genehmigenden Ausbauverfahrens. Ja nach Fall können die Arbeiten auch im Zusammenhang der Unterhaltung erfolgen. Sicherer wäre aber ein Bescheid von der Kreisumweltbehörde, weil ggf. durch die Änderungen sich Auswirkungen für Nutzungen an anderer Stelle ergeben können und weil sich damit einhergehend juristisch relevante Forderungen an den Unterhaltungspflichtigen ergeben könnten.

Herausforderungen

Eine Herausforderung besteht darin, dass verschiedene Anliegen an dem Gewässer zu berücksichtigen sind, die auch bei der Unterhaltung mancherorts viel Abstimmung bedürfen: Wie ist beispielsweise bei Hochwasser vorzugehen, wenn eine Rote Liste-Art sich an einem Gewässerabschnitt angesiedelt hat und eine extensive Unterhaltung mit Gehölz und Uferstauden benötigt? Wie kann vorgesorgt werden, dass durch Dritte der Unterhaltung ebenfalls eine gewässerverträgliche Pflege erfolgt? Oder wie können wirtschaftliche Nachteile bei einer naturnahen Bewirtschaftung verhindert werden, wenn etwa eine Nachprüfbarkeit von weiteren ökologischen Maßnahmen nicht gesichert ist? Beispielsweise können im zuletzt genannten Fall bei Gehölzanpflanzung anliegende Flächen zum Teil verdeckt und über Luftbilder nicht erfasst werden, so dass auf dieser Basis nicht belegt werden kann, ob unter der Baumkrone extensiv gewirtschaftet wird. Oft fehlt es auch an Flächen oder der Bereitschaft, gewässerverträgliche Maßnahmen zuzulassen. Auch aus diesem Grund konnten betreffende Arbeiten des Umsetzungsfahrplans oder der Bewirtschaftungsplanung vielerorts noch nicht umgesetzt werden.

Fallbeispiele

Die Teilnehmenden besichtigten ausgewählte Abschnitte der Bückeburger Aue, des Gehle und des Petershägener Hanggrabens. An der Bückeburger Aue hat der Wasserverband auf 600 Meter die Böschungsmahd beidseitig eingestellt. Mittlerweile kommt dort der Eisvogel vor. An der Gehle wurde bei Quetzen auf einer Länge von über 800 Meter eine Ausbaumaßnahme umgesetzt, mit Anlage einer Mulde in der Aue, Neutrassierung des Gewässers und Einbringen von Totholz. Flankierend steckten die Mitarbeiter des Unterhaltungsverbandes einen Entwicklungskorridor von 5 bis 10 Metern ab, um dem Bach Platz für die Dynamik zu geben. Die Renaturierung hat sich angeboten, weil sich neben der betreffenden Fläche in der Nachbarschaft die Gelegenheit bot, den Aushub aufzubringen. So konnte die Maßnahme für weniger als 100.000 EUR realisiert werden. Nahe der Ortschaft Ilse wurde Kies und Totholz eingebracht, das Ufer abschnittsweise aufgelockert und ein Nebengewässer angeschlossen. Wie bei dem zuvor genannten Projekt erfolgte die Maßnahme über ein Plangenehmigungsverfahren, welches dank der langjährigen Zusammenarbeit zwischen dem hiesigen Wasserverband und der unteren Wasserbehörde zeitnah ablaufen konnte.

Gemeinsam aktiv werden

Am Petershäger Hanggraben findet derzeit eine einseitige Böschungsmahd statt. Dort wurde im Rahmen der Bereisung zusätzlich vereinbart, an einem ausgewählten Abschnitt verschiedene Vorhaben der naturnahen Gewässerunterhaltung und Entwicklung auf den Weg zu bringen. Hand in Hand mit dem Wasserverband und dem Wassernetz würde der BUND die betreffende Maßnahme umsetzen. Hierfür folgen Abstimmungen und mögliche Kooperationen mit weiteren örtlich zuständigen Stellen.