Bocholter Bauvorhaben gefährdet Gewässerschutz

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Am 10. Oktober 2016 traf sich das Wassernetz NRW auf Einladung des NABU Bocholt mit Gewässerschützer*innen und Anwohner*innen an der ehemaligen Radrennbahn in Bocholt. Hier soll ein sogenannter „Bikepark“ entstehen. Der NABU Bocholt, Anwohner*innen des nahegelegenen Wohngebiets und das Wassernetz befürchten dadurch allerdings eine Verschlechterung der Gewässersituation. Bei dem Termin waren auch Vertreter der zuständigen Behörden zugegen. Ausgeräumt werden konnten die Bedenken der Gewässerschützer*innen und Anwohner*innen allerdings nicht.

Zum Hintergrund

Um die ehemalige Radrennbahn, welche einem ovalen Trichter gleicht, in einen Bikepark umwandeln zu können, soll sie mit Boden verfüllt werden. Problematisch ist aus Sicht der Gewässerschützer*innen, dass es sich hierbei um den Bodenaushub einer Altlastenverdachtsfläche handelt. Der überschüssige Boden fällt bei der Umgestaltung eines ehemaligen Industriegeländes im Rahmen des Projekts Kubaai an. Hier soll ein urbanes Kulturquartier und neue Wohnbebauung entstehen. Durch die industrielle Vornutzung (insbesondere Textilindustrie) sind die Böden teilweise mit Schwermetallen, PAK und  Bauschadstoffen belastet.  Zwar soll der belastete Boden fachgerecht entsorgt werden, aber ein Teil des „leicht belasteten Materials“ wird, um Kosten zu senken, in die derzeitige Radrennbahn eingebracht. Was unter diesem Begriff genau zu verstehen ist und welche Gefahrenstoffe auch in dem „leicht belasteten Material“ zu finden sind, bleibt unklar. Um den Eintrag in das Grundwasser zu verhindern, wird nach Aussage des Kreises über das Material eine Schicht Sand und darüber eine Bentonitbahn zur Abdeckung aufgebracht. Eine darüber liegende Drainagematte soll das Regenwasser in den Kanal ableiten.

Verschlechterung des Gewässerzustands nicht ausgeschlossen

Laut Aussage der zuständigen Behörden ist die Radrennbahn im Altlastenkataster des Kreises Borken zwar auch als Altablagerung aufgeführt, jedoch würden die Grundwasseruntersuchungen im Umfeld der Radrennbahn belegen, dass kein Einfluss der Ablagerung auf das Grundwasser erkennbar ist. Durch die wasserrechtliche Erlaubnis soll sichergestellt werden, dass der Mindestabstand zum Grundwasserstand eingehalten wird. Doch was passiert, wenn durch ein Starkregenereignis der Grundwasserstand drastisch ansteigt? Anwohner*innen haben zudem beobachtet, dass im Zuge der Bauarbeiten Wasser in der Fläche stand. Sind die Grundwasserstände somit vielleicht doch höher als angenommen? Diese Fragen blieben auch nach dem Vor-Ort-Termin mit den Behörden offen. Zudem stellte das Wassernetz fest, dass sich in dem betroffenen Grundwasserkörper grundwasserabhängige Schutzgebiete befinden, die im Falle eines Eintrags des belasteten Materials nachhaltig beeinträchtigt werden könnten.  Auch blieb unklar, wie der nahegelegene Holtwicker Bach im Katastrophenfall vor Verunreinigungen geschützt wird. Grundsätzlich stellt sich für die Gewässerschützer*innen und Anwohner*innen die Frage, warum das „leicht belastete Material“ überhaupt an dieser Stelle eingebracht werden soll und nicht fachgerecht auf einer Deponie entsorgt wird. Es darf nicht außer Acht gelassen werden, dass auch die Schutzmaßnahme selbst eine großräumige Flächenversiegelung (ca. 8800 m²) mit sich bringt und dadurch negative Auswirkungen auf den Grundwasserkörper und die mit ihm verbundenen Ökosysteme zu befürchten sind.

Wie geht es weiter?

Die engagierten Anwohner*innen und der NABU Bocholt haben sich bereits in Briefen  und Stellungnahmen an die zuständigen Behörden gewandt und ihre Bedenken geschildert. Weitere Aktionen sind geplant, um auch die breite Öffentlichkeit auf die Risiken für das Grundwasser und den nahegelegenen Holtwicker Bach aufmerksam zu machen. Das Wassernetz NRW wird die Aktiven bei ihrem Engagement für den Schutz der Gewässer und die grundwasserabhängigen Ökosysteme weiter begleiten und beratend unterstützen.