Dialog an der Ruhr und in Hattingen

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Am 8. September 2016 trafen sich Aktive von NABU Hattingen, NABU Bochum und Wassernetz NRW an der Ruhr sowie am Sprockhöveler Bach und Paasbach, um sich zur Situation der Gewässer auszutauschen. Während die erforderlichen WRRL-Maßnahmen noch auf sich warten lassen, stehen neue Eingriffe bevor. Die ehrenamtlichen Naturschützer*innen sammelten daher Ideen, wie die Umweltziele unterstützt werden könnten.

Bochum-Stiepel: Aue als Chance

Die Bereisung führte zunächst an die Ruhr bei Bochum-Stiepel. Dort gibt es für das westliche Gelände des ehemaligen Wasserwerkes eine gute Nachricht zu vermelden: Das Engagement von BUND und NABU Bochum hat dazu beigetragen, dass die Aue sich demnächst naturnah entwickeln kann. Die Planungen für einen Radweg mitten durch den Kernbereich dieses Lebensraums verfolgen die Planer nicht mehr weiter. Kritisch sieht hingegen noch die Situation zwischen Alte Fähre und Klosterstraße aus. Der Radweg soll näher an die Ruhr herangeführt (vgl. Gebiet auf dem Foto) und der Fährverkehr reaktiviert werden. Dabei wäre in diesem Abschnitt dringend mehr für den Gewässerschutz zu unternehmen, zumal an der gegenüberliegenden Seite sich ein Naturschutzgebiet befindet. Der Zustand des Flusses ist ökologisch unbefriedigend bis schlecht. Das Wasser fließt wegen einer Stauanlage und der geringen Tiefenvarianz kaum noch und es weist deutliche Spuren einer Überdüngung auf. Die Ufer sind durch Buhnen und Steine festgelegt. Bei Hochwasser kann die Aue im Bereich des geplanten Radweges bis zu 2 Meter überflutet sein. Vorsorgender wäre es daher, in diesem Gebiet die längst vorgesehenen und von allen wichtigen Interessenvertretern mitgetragenen WRRL-Planungen umzusetzen. Diese liegen seit 2012 vor und umfassen Vorhaben wie die Anhebung der Sohle, die Reduzierung des Rückstaues und die Schaffung einer Umgehung für wandernde Fische. Zusammen mit weiteren Habitatverbesserungen im und am Wasser kann nicht nur der Natur Ruhrauf- und abwärts geholfen werden, sondern zugleich eine ökologisch hochwertige und touristisch interessante Flusslandschaft entstehen. Das Wassernetz NRW hat zusammen mit dem BUND und NABU Bochum bereits vorgeschlagen, dass hierfür auch intelligente Besucherlenkungskonzepte zum Zuge kommen. Sinnvoll wären z.B. Maßnahmen zur Sensibilisierung der Radfahrer, die Rückverlegung von Radwegen und die Anlage von Beobachtungspunkten. Noch haben sich die zuständigen Behörden hierzu nicht geäußert. Bisher fand aber der Vorschlag Berücksichtigung, dass zwischen Hattingen-Baak und Witten-Geldern Maßnahmen zur Entwicklung der Ruhrauen folgen.

Sprockhöveler Bach frei legen

Endet der Sprockhöveler Bach tatsächlich im Paasbach, so wie es in den amtlichen Planungen vermerkt ist? Ortskundige Gewässerschützer*innen wissen es besser und raten daher, die Bäche zutreffend zu bezeichnen, um Missverständnissen vorzubeugen. Die Teilnehmenden der Exkursion nahmen besonders den Unterlauf des Sprockhöveler Baches unter die Lupe. Das Gewässer ist in diesem Abschnitt zumeist stark verbaut und verrohrt. Teils fließt es durch eine 10-12 Meter tiefe Schlucht, die durch gewerbliche Aktivitäten im Bachumfeld mit verursacht wurde. An der Böschung findet die Entsorgung von Abfällen statt.

Die Teilnehmer*innen konnten außerdem feststellen, dass vorgesehenen Maßnahmen aus dem Umsetzungsfahrplan noch nicht umgesetzt wurden und die aktuellen Planungen es offen lassen, ob sie weiter verfolgt werden. Angesichts des ökologisch unbefriedigenden Zustandes des Baches sind Habitatverbesserungen dringend erforderlich. Die Entfernung der Verrohrung wäre zum Beispiel im Bereich des Landesmuseums umzusetzen. Dieses Vorhaben könnte mit der neu aufgenommenen Maßnahme zur Auenentwicklung verknüpft werden.

Auch im Mittellauf des Sprockhöveler Baches stehen die WRRL-Arbeiten im und am Gewässer noch aus. Beispielsweise sind die Böschungen abzuflachen, damit der Bach ausufern kann. Besonders kritisch fiel die Diagnose innerhalb des Naturschutzgebietes Unteres Sprockhöveler Bachtal aus. Aus dem Wasser entweicht ein fauliger Geruch, der auf eine ungeklärte Einleitung bachaufwärts hinweist. Die Teilnehmenden haben sich vorgenommen nachzufragen, inwiefern eine derzeitige Untersuchung des Ruhrverbandes sich diesem Problem widmet. Außerdem sind in diesem, als Strahlursprung zu entwickelnden Abschnitt keine Maßnahmen für die Aue vorgesehen, obwohl sich der Bach eingräbt. Das Wassernetz hatte im Rahmen der letztjährigen Anhörung zur Bewirtschaftungsplanung darauf hingewiesen, dass betreffende Vorhaben für den Wasserkörper festzulegen sind. Defizite bestehen zudem bezüglich des Sohlsubstrats. Direkt oberhalb des geplanten Strahlursprunges kommt es wegen eines Durchlasses zu einem Rückstau. Querverbauungen wie diese lassen sich auch an anderer Stelle des Baches und seiner Nebengewässer finden. Mehr als 60 dieser Hindernisse sind dokumentiert.

Paasbach: Pufferzonen am Gewässer schaffen

Der Paasbach fliesst durch eine eher ländlich geprägte Gegend. Dort konnten die Gewässerschützer*innen feststellen, dass eine intensive Grünlandnutzung bis unter 1 Meter an die Gewässer heran erfolgt. Die Flächen werden bis zu 3 Mal im Jahr gemäht und auch gedüngt. Ausreichend breite Gewässerrandstreifen anzulegen, auf denen keine oder nur eine extensive Nutzung erfolgt, ist aus Sicht der Aktiven erforderlich. Zudem wäre es sinnvoll, wenn sich dort auch Gehölzsäume entwickeln können. Die derzeitigen Planungen sehen beide Maßnahmen nicht vor. Nahe dem Antoniusheim gibt es hingegen ein wenig Grund zur Hoffnung. In einer als Strahlursprung zu entwickelnden Aue will die Stadt Hattingen den Paasbach nun naturnah verlaufen lassen, so wie es auch im Umsetzungsfahrplan festgelegt ist. Diese Arbeiten wären auch an Nebengewässern wie Am Vogelbruch sinnvoll. Weitere wichtige Maßnahmen wie etwa die Sohlanhebung sind jedoch nicht vorgesehen. Zudem ist zu bedenken, dass auch noch an weiteren Bach-Abschnitten die Strahlursprünge zu entwickeln sind. Es gibt also noch viel zu tun, bis der Paasbach im Mittel- und Oberlauf den guten ökologischen Zustand bis 2021 bzw. 2027 erreichen wird.

Öffentlichkeitsarbeit zum Gewässerschutz

Die Gewässeraktiven haben von der Exkursion viel mitgenommen und werden ihre Beobachtungen und Anregungen an die zuständigen Stellen weiter geben. Eines wurde besonders deutlich: Die WRRL muss an den besuchten Gewässern noch ankommen. Die Öffentlichkeitsarbeit bleibt hierfür eine wichtige Aufgabe, damit die Maßnahmen starten können und Akzeptanz finden. Die Aktiven des NABU Hattingen unterstützen diese Arbeit, indem sie aktuell die Gewässeraustellung der Naturschutz- und Umweltakademie NRW in der Hattinger Bibliothek zeigen. Interessierte sind willkommen.