Wassernetz besucht Aachener Gewässer

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Der BUND Aachen hielt am 21.8.2016 eine Sondersitzung zum Gewässerschutz in der Stadt ab. In diesem Rahmen fand eine Bereisung mehrerer Bäche statt, zu der auch das Wassernetz eingeladen wurde. Es zeigte sich während der Exkursion, dass trotz einiger positiver Ansätze die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)-Umsetzung vielerorts noch in Verzug ist. Selbst bei der Einhaltung des  Verschlechterungsverbotes bestehen Defizite. Der BUND Aachen wünscht sich zudem mehr Transparenz. Die Gewässeraktiven wollen in den kommenden Monaten Aktionen auf den Weg bringen, um die ökologische Aufwertung der Aachener Bäche zu unterstützen.

Der Iterbach benötigt Raum

Bei Kornelimünster fanden die Teilnehmenden der Exkursion den Iterbach noch im sanierungsbedürftigen Zustand vor: Ein erheblicher Teil der rechtsseitigen Aue ist verbaut sowie mit intensiv gepflegtem Rasen und standortuntypischen Gehölz bewachsen. Das Ufer mit Gabionen und Mauern gesichert. Linksseitig findet eine intensive Weidenutzung statt, zum Teil scheinen dort die Flächen aufgeschüttet zu sein. Der Bach läuft weitgehend begradigt durch das Gebiet. Das Sohlsubstrat ist nur bedingt gewässertypisch. Am Ufer zeigen sich Spuren eines übermäßigen Nährstoffeintrages. Ein Stacheldrahtzaun stellt in etwa 2 Meter Abstand zur Uferlinie eine Gefahrenstelle für Wildtiere dar. Zudem findet eine Einleitung von Straßenabwässern in das Gewässer statt. An diesem Ort kann für den Gewässer- und Hochwasserschutz ein wichtiger Beitrag geleistet werden, wenn der Bach sich durch den unverbauten linksseitigen Entwicklungskorridor schlängeln darf und zugleich das Umfeld extensiver genutzt würde. Diese Maßnahme hätte auch Synergien für die Entwicklung des geplanten Naturschutzgebietes.

Trübe Aussichten am Haarbach

Auf dem Weg in die Innenstadt ließen sich die Herausforderungen des Gewässerschutzes im Siedlungs- und Gewerbebereich deutlich erkennen. Längst zu WRRL-Zeiten wurde der Haarbach mit seiner Aue für einen überdimensionalen Baumarkt überbaut. Trotz der Beanstandungen des BUND Aachen fanden keine Maßnahmen statt, um das Gewässer an dieser Stelle zu schützen oder ihm wenigstens einen neuen Verlauf zu geben. Weiter bachabwärts planen die Behörden eine Bundesstraße durch eine der wenigen verbliebenen Auenfächen zu führen. Auch dieses Vorhaben steht aus Sicht der Gewässeraktiven im Widerspruch zum WRRL-Verschlechterungsverbot. Dabei müsste deutlich mehr für den Bach getan werden, um seinen immer noch ökologisch schlechten Zustand zu beheben. Am Nirmer Platz fanden die Teilnehmenden es aus diesem Grund zwar wichtig, dass dort mittlerweile Arbeiten zur Aufwertung des Gewässers erfolgten. Allerdings hätte dort mehr getan werden können. Sei es etwa im Hinblick auf den Bachverlauf, die Gehölzentwicklung sowie zur Aufklärung der Anlieger und Besucher. Weniger sinnvoll erschien es für die Gewässeraktiven, dass gleichzeitig eine Versiegelung im Projektgebiet stattfand. Die Raststelle hätte auch naturverträglicher konzipiert werden können. Desweiteren konnte beobachtet werden, dass der Bach weiter durch Nährstoffe und Feinsedimente belastet ist. Maßnahmen bachaufwärts bleiben insofern erforderlich.

Wurm: Asphalt statt Renaturierung

Die Wurm ist innerhalb des Stadtzentrums verrohrt. Nördlich des Europaplatzes kommt der Bach zu Tage und wird kanalartig geführt. Dort bestehen insbesondere rechtsseitig noch unverbaute Flächen, wo das Gewässer entfesselt werden könnte. Dem vorliegenden Umsetzungsfahrplan (UFP) zufolge soll in diesem Abschnitt ein Strahlursprung entstehen. Seit 2012 gibt es aus diesem Grund den Prüfauftrag, inwiefern neben der Neutrassierung des Baches auch die Aue entwickelt werden kann. Die Gewässeraktiven unterstützen die Maßnahmen zur Aufwertung des Baches ausdrücklich. Angesichts der weitreichen Verbauung der Wurm gehört diese Strecke zu den wenigen, wo ein Beitrag zur WRRL-Umsetzung sich anbietet. Dem BUND Aachen ist aber bisher unbekannt, ob die Prüf-Arbeiten bereits erfolgten und welches Ergebnis sie zeitigten. Ein Folgetreffen der Gebietskooperation, an denen auch die Naturschutzverbände teilnehmen können und auf denen die Fortschritte der UFP-Arbeiten regelmäßig behandelt werden, steht noch aus. In der Zwischenzeit legte die Stadt einen asphaltierten Radweg am linksseitigen Ufer an (vgl. Beitragsbild), obwohl eine gewässerverträgliche Alternative zu dieser Route längst bestand. Damit einher gingen bereits weitere Flächen für die Renaturierung verloren.

Perspektiven für den Wild- und Dorbach?

Die Aue des Wildbaches wird mancherorts noch intensiv beackert. So auch in der Nähe des ehemaligen Tuchwerks, wo der Mais bis 2 Meter an der Böschungskante heran steht. Die Anlage eines ausreichend breiten Gewässerschutzstreifens – so wie es das Wassernetz in seiner Stellungnahme anregte - ist entsprechend der aktuellen WRRL-Planungen nicht vorgesehen. Zumindest nicht bis 2021. Die Gewässeraktiven sehen sich auch aus folgenden Gründen bestätigt, dass dort gehandelt werden müsse: Die biologischen Anzeiger für eine Nährstoffbelastung sind in diesem Bach auffällig. Zudem besteht gemäß der Landschaftsplanung aus dem Jahr 1988 (!) das Ziel, die Ufer nutzungsfrei zu halten. Weiter bachaufwärts, bei Schloß Rahe, gibt es dagegen einen Anlass zur Ermutigung. In den kommenden Jahren wird der Wildbach einen neuen Bachlauf erhalten und an dieser Stelle dann auch wieder durchgängig sein. Der BUND Aachen hat zwischenzeitlich zusätzliche Anregungen zur Aufwertung des Gebietes eingebracht, die Berücksichtigung fanden. Am Dorbach auf Höhe der Unikliniken konnte der BUND weitere Akteure des Gewässer- und Naturschutzes dazu gewinnen, dem Gewässer im Rahmen einer Renaturierungsmaßnahme mehr Raum zu bieten und zugleich die Obstbäume zu schützen. Die Fläche ist allerdings derzeit noch nicht für das Projekt verfügbar.

Fazit: Das Engagement bleibt vor Ort wichtig

Die Beobachtungen des Tages und der Austausch zwischen den Gewässeraktiven mündete in dem Ergebnis, dass der BUND Aachen in den kommenden Monaten weitere Aktionen auf den Weg bringen möchte um den Gewässerschutz zu befördern. Neben Anfragen ist auch ein weiterer Dialog mit dem Wasserrnetz anvisiert, um ein Renaturierungsvorhaben zu unterstützen.