WRRL-Aktive besuchten Hammer Gewässer

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Am 19. Mai 2016 lud der BUND Hamm das Wassernetz zu einer Gewässerbegehung an ausgewählten Abschnitten von Ahse, Geithe, Erlenbach und Lippe ein. Bei der gemeinsamen Bereisung ermittelten die Aktiven noch mehrere Stellen, wo für die WRRL-Umsetzung gehandelt werden müsse.

 

 

Weiterer Handlungsbedarf im Bereich der Lippe

Die Bereisung führte zunächst zur Lippe bei Schloß Oberwerries. Im Rahmen eines Naturschutzgroßprojektes (Lifeplus-Projekt Lippeaue) konnten ober- und unterhalb dieses Abschnittes bereits wichtige Fortschritte zur ökologischen Aufwertung des Flusses und seiner Aue erzielt werden. Allerdings waren sich die Gewässeraktiven darin einig, dass der Fährbetrieb in diesem ökologisch empfindlichen Gebiet überdacht werden müsse. Aus Sicht des ehrenamtlichen Gewässerschutzes biete es sich an, eine bestehende alternative Querung flussabwärts zu nutzen.  Eine weitere Herausforderung bestehe mit den beabsichtigten Straßenbaumaßnahmen im Bereich der östlichen Lippeaue, wie sie auch mit der Bundesverkehrswegeplanung vorangetrieben werden sollen. Auch diesbezüglich wirbt der BUND Hamm für gewässerökologisch verträgliche Konzepte bzw. Verkehrsführungen. An der Stadtgrenze zu Hangfort konnten die Gewässeraktiven feststellen, dass aus einem naturnahen Altarm der Lippe offenbar regelmäßig Wasser für die Viehtränke entnommen wird. Ob eine Genehmigung hierfür vorliege, ließ sich vor Ort nicht klären.

 

Wohin geht es mit der Geithe?

Eine Kuriosität deckte sich für die Teilnehmenden an der Geithe auf. Der Quellbereich wurde so verändert, dass ein Großteil des Quellwassers zur Lippe anstatt zur Ahse hin abfließt. Diese Ableitung steht möglicherweise im Zusammenhang mit der Errichtung des Kraftwerkskomplexes in Hamm-Uentrop, der vor einigen Jahrzehnten genau über der Geithe gebaut wurde. Der Bach passiert das Industriegelände seitdem in einem Rohr und verlässt es mit deutlich mehr Wasser. Woher genau das Wasser stammt, bedarf noch einer näheren Klärung. Wasseranalysen deuten darauf hin, dass eine Abwasserreinigung erforderlich ist. Wegen erhöhter Konzentrationen an Bor und Quecksilber besteht an der Geithe ohnehin Handlungsbedarf. Im Ober- und Mittellauf des Baches ermittelten die Gewässeraktiven Defizite bzgl. der Durchgängigkeit und der Gewässerränder. Angesichts der ökologisch unbefriedigenden Situation des Baches verbiete es sich, in seinem Einzugsbereich wie geplant weitere Bebauungen vorzunehmen (BPl „Grüner Winkel“). Vielmehr wäre es wichtig, die für die WRRL-Umsetzung vorgesehenen Arbeiten zur Renaturierung deutlich vor 2024 umzusetzen und diese um Maßnahmen zur Herstellung der Durchgängigkeit und der Auenentwicklung zu ergänzen.

Der Erlenbach begleitet die Geithe als parallel verlaufender Zufluss über einige hundert Meter. Sein Quellbereich (Biotop) sollte weiträumiger geschützt und naturbelassener erhalten werden. Während sein Oberlauf in einem guten Zustand zu sein scheint, zeigt sich der Bach im folgenden Siedlungsbereich als von Uferwegen und anderen Nutzungen eingeengt und in seiner Qualität akut bedroht.

 

Mehr Raum für die Ahse!

Am Unterlauf der Ahse berieten sich die Aktiven über eine mögliche Rückverlegung des Flusses in sein ursprüngliches Bett. Derzeit wird die Ahse über eine kanalartige und stark eingedeichte Ableitung zur Lippe hin geführt, wobei sie zuvor durch einen mächtigen Düker den Datteln-Hamm-Kanal unterquert. In dieser Ableitung weist das Gewässer eine ökologisch schlechte Qualität auf. Denkbar wäre, Teilströme der Ahse in ihrem alten Verlauf - zusammen mit den dort anfallenden, aber verrohrten Oberflächenabflüssen - als offenes Fließgewässer in den Parkanlagen der Innenstadt mehr Raum zu geben und so das Stadtklima deutlich aufzuwerten. Im Bereich der „neuen“ Ahse am Kurpark sollte an innovative Querungshilfen für wandernde Gewässertiere gedacht werden.

 

Kanal: Betrieb und Ausbau ökologisch wie ökonomisch zu hinterfragen

Die Bereisung endete im Bereich der Wasserübergabestelle Hamm. Mit einem aufwendigen System wird, noch oberhalb der Ahsemündung, über den Datteln-Hamm-Kanal für die Versorgung der nordwestdeutschen Schifffahrtskanäle mit Lippewasser gesorgt und andererseits extremes Niedrigwasser in der Lippe bei Trockenperioden verhindert. Dazu wird ggf. über die Schleusenstufen des Kanals Wasser aus dem Rhein bis hier her gepumpt. Die Lippe ist in diesem Abschnitt wegen ihrer Eindeichung zum Zwecke der Stauhaltung ausgeprägt. Aus Sicht der Gewässeraktiven bietet es sich an zu überprüfen, inwiefern der Kanal und seine Unterhaltung östlich der Einspeisung überhaupt noch wirtschaftlich vertretbar ist. Er wurde Anfang des letzten Jahrhunderts bis nach Lippstadt angedacht, vor dem 1. Weltkrieg bis Hamm erstellt und nach dem Krieg für den Anschluss der Zechen Westfalen und Maximilian in Ahlen bzw. Werries bis Uentrop verlängert. Für dies letzte Kanalstück wurden Schleusen über 1,30 Meter in Hamm und mehr als vier Meter Höhe in Werries erforderlich. Während die Zechen längst eingestellt sind, erhalten noch die RWE-Kraftwerke in Uentrop Importkohle und Öl für die Stützfeuerung, haben letztlich aber keine Zukunft. Gewerbeansiedlungen mit erforderlichem Massengütertransport sind nicht zu erwarten. Mit einem Rückbau der überdimensionalen Anlagen würden sich Perspektiven für den Gewässerschutz ergeben. Stattdessen setzt die aktuelle Verkehrsplanung weiter auf den Ausbau des Datteln-Hamm-Kanals östlich des Hafens Hamm, und das trotz nahezu unüberwindlichen Hindernissen; hier besonders die Unterquerung der Eisenbahn nördlich des Bahnhofs Hamm. Zu prüfen ist auch, ob die - ggfls. durch Pumpleistung - zu gewährleistende Mindestwasserführung der Lippe auf ökologische Erfordernisse zurück zu führen ist oder, ob sie auf den ehemaligen Kühlwasserbedarf der lippeabwärts betriebenen Schwerindustrie beruht.

Der BUND Hamm will den Gewässerschutz in der Stadt weiter begleiten und plant für das kommende Jahr Angebote für Interessierte, um die WRRL-Umsetzung vor Ort zu unterstützen.