Himmelgeister Rheinbogen – BUND fordert ökologischen Hochwasserschutz

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Im Bereich des Himmelgeister Rheinbogens in Düsseldorf ist die Sanierung eines Deiches geplant. Bis zum 26. Juli 2016 konnten Einwendungen zum Planfeststellungsverfahren eingereicht werden. Der BUND Düsseldorf spricht sich in seiner Stellungnahme aus den nachfolgenden Gründen gegen eine Deichsanierung und für die ursprünglich geplante Deichrückverlegung aus.

Deichrückverlegung bringt größeren Nutzen

Aus den Planungsunterlagen geht hervor, dass aus Kostengründen eine Deichsanierung bevorzugt wird, obwohl dies die ökologisch ungünstigste Variante darstellt. Der BUND Düsseldorf zweifelt seinerseits diese Begründung an, denn gemäß einer Studie des Umweltbundesamts zur „Kosten-Nutzen-Analyse von Hochwasserschutzmaßnahmen“ (UBA Texte 31/08) übersteigt der monetäre Nutzen einer Deichrückverlegung den einer Deichsanierung. Bei einer Deichrückverlegung müssen auch ökologische Aspekte (z.B. Erhöhung der Artenvielfalt) und die Steigerung des Erholungswertes mit einberechnet werden. Eine vergleichbare Situation am Rhein in Monheim zeigte, dass durch die Deichrückverlegung zwar Kosten in Höhe von 38,8 Millionen Euro entstanden, sich aber ein Gesamtnutzen von 75,9 Millionen Euro ergab. Eine Deicherhöhung an dieser Stelle wäre zwar mit 10 Millionen Euro günstiger gewesen, hätte aber auch nur einen Nutzen von 2,4 Millionen Euro eingebracht. Der BUND fordert daher, auch diese Aspekte bei der Variantenprüfung zu berücksichtigen und eine umfängliche Kosten-Nutzen-Analyse zu erstellen.

Deichrückverlegung schafft Synergien zur Wasserrahmenrichtlinie

Der BUND Düsseldorf stellte bei der weiteren Durchsicht der Planungsunterlagen fest, dass die Vorgaben und die geplanten Maßnahmen gemäß der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) nicht beachtet wurden. Im Umsetzungsfahrplan ist im Bereich der Himmelgeister Rheinaue eine Rückverlegung des Deiches vorgesehen. Mit diesem Vorgehen könnten Synergien zwischen Gewässer- und Hochwasserschutz gefördert werden, wie es auch die Hochwasserrisikomanagementrichtlinie (HWRM-RL) vorsieht.  Eine Deichrückverlegung wäre zudem notwendig, um das WRRL-Ziel eines guten ökologischen Potenzials an dieser Stelle zu erreichen. Die Himmelgeister Rheinaue ist eine der wenigen Flächen auf Düsseldorfer Stadtgebiet, auf der eine großräumige Schaffung natürlicher Überschwemmungsflächen noch möglich ist. Dagegen würde eine Sanierung des bestehenden Deiches die Zielerreichung gefährden.  Aus Sicht des BUND ist daher die Deichsanierung nicht mit den Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie vereinbar und damit auch nicht genehmigungsfähig.

Bestandsaufnahme ist veraltet

Die Angaben der Bestandsaufnahme sind nicht mehr aktuell. Sie stammen größtenteils aus den Jahren 1997 und 2009. Zudem merkte der BUND an, dass die Aktualität der Daten nur unzureichend überprüft wurde. Auch die in den Planungsunterlagen durch eine Deichsanierung prognostizierte zweieinhalbfache Steigerung der Magerwiesen-Flächen wird vom BUND angezweifelt. Hier wurden Standorte einberechnet, die für die Entwicklung von Magerwiesen ungeeignet sind. Der BUND fordert daher eine Neukartierung und eine Überarbeitung der Umweltverträglichkeitsstudie.