Naturverträgliche Landwirtschaft in Auen

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Bei der Fachtagung des Bundesamts für Naturschutz am 14. und 15. Juni in Bonn stand das Thema „Naturverträgliche Landwirtschaft in Auen“ im Fokus. Auf Grundlage des Teilnehmerberichtes eines Mitglieds des BUND NRW-Landesarbeitskreises Wasser werden im Folgenden einige Ergebnisse der Fachtagung zusammengefasst.

 

Flussauen sind wahre Hotspots der Biodiversität. In ihnen leben ca. 12.000 Tier- und Pflanzenarten. Deutschlandweit sind 20 % der Auen als Naturschutzgebiete und 51 % als Natura-2000-Gebiete ausgewiesen. Zudem halten Flussauen jährlich 42.000 Tonnen Stickstoff und 1.200 Tonnen Phosphor zurück. Allerdings befinden sich nur 10 % der deutschen Auen noch in einem naturnahen Zustand. Ca. 2/3 der ehemaligen Auenflächen sind durch den Deichbau verloren gegangen. Die nationale Strategie zur biologischen Vielfalt sieht daher vor, bis 2020 mindestens 10 % der Überflutungsflächen zurückzugewinnen.

 

Mehr als 70 % der gegenwärtigen Auen werden landwirtschaftlich genutzt, davon 1/3 als Ackerland. Für eine naturverträgliche Landwirtschaft in Auen muss es daher Veränderungen in der Art der Nutzung geben.

 

Möglichkeiten liegen in der Rückgewinnung der Auenflächen. Flächenwirksame Ansätze zur Gewinnung von zusammenhängenden Auenflächen für Maßnahmen des Hochwasserschutzes oder einer Renaturierung bieten sich durch Flurbereinigung, Landtausch und Flächenpools. Es wurde allerdings darauf hingewiesen, dass die aktuelle Förderung derzeit nicht attraktiv genug ist, um eine langfristige Bereitstellung von Flächen zu ermöglichen. Der zunehmende Anbau von Energiepflanzen führt außerdem zu steigenden Pacht- und Bodenpreisen und damit zu einer sinkenden Bereitschaft, Flächen zu extensivieren.

 

In 10 Bundesländern (NRW ist nicht enthalten) gibt es Landgesellschaften, die durch ein integriertes Flächenmanagement eine Bereitstellung von Flächen über öffentliche Fördergelder ermöglichen. In Brandenburg erfolgt die Flächenbereitstellung über Flächenpools. Als Flächenpool wird die Bevorratung von Flächen für den Ausgleich oder Ersatz von Eingriffen bezeichnet. Die Bevorratung von Flächen ist durch das Bundesnaturschutzgesetz geregelt. In Schleswig-Holstein gibt es zudem eine enge Kooperation zwischen der Stiftung Naturschutz als Flächeneigentümerin und den Landwirten als Flächenbewirtschafter. Der Flächenerwerb erfolgt hier vorrangig aus Naturschutzmitteln.

 

Als weitere Möglichkeit für eine auenverträgliche Landwirtschaft wurde die Entwicklung einer Förderstrategie, welche ein Programm mit einer Laufzeit über mindestens 20 Jahre beinhalten sollte, vorgeschlagen.  Bei der Auszahlung einer Entschädigung des Landwirts für die Rückgewinnung der Aue muss allerdings gewährleistet sein, dass die Fläche wiedervernässt werden darf. Dafür soll das natürlich vorhandene Wasserregime als Zielmarke dienen. Sollten derartige Flächen weiter landwirtschaftlich genutzt werden, kann es allerdings zu Konflikten kommen. Daher wäre es von Vorteil, wenn diese Flächen in die öffentliche Hand oder in die Hand von Naturschutzträgern übergingen. Bei einer rein ökonomischen Betrachtung steht daher der Flächenkauf vor etwaigen Kompensationsmaßnahmen.