Studie zu Mikroplastik in NRW-Gewässern

Eingetragen bei: Allgemein | 0

Seit 2014 untersucht das Land die Relevanz von Mikroplastik in ausgewählten NRW-Gewässern wie dem Rhein. Anfang dieses Jahres wurde ein erster Zwischenbericht an den Landtag übermittelt. Der Befund zeigt, dass die ökologisch nicht unbedenklichen Kunststoffpartikel in nahezu allen untersuchten Gewässern vorkommen. Im Mündungsbereich der Ruhr und der Emscher sind die Konzentrationen deutlich höher als in anderen Flüssen. Messungen in Kläranlagen-Abläufen weisen darauf hin, dass Abwasser aus Haushalten, Gesundheits-Einrichtungen und Gewerbe eine bedeutende Verunreinigungsquelle darstellt. Weitere Untersuchungen wie zu Nanoplastik stehen noch aus.

Risiken unzureichend erforscht

Im Hinblick auf Mikroplastik handelt es sich um Kunststoffpartikel mit einem Durchmesser kleiner als 5 mm. Beträgt ihre Größe weniger als 20 Mikrometer, so gehören sie zu den Nanoformen. Sie finden z.B. für Kosmetikprodukte Anwendung oder entstehen durch die Zerkleinerung von Kunststoffprodukten wie Plastiktüten. Die Auswirkungen der Kunststoffpartikel für Mensch und Natur sind bisher noch nicht umfassend untersucht. Studien liegen insbesondere hinsichtlich der Effekte auf Meeresorganismen vor und belegen beispielsweise, dass die Kiemen oder der Verdauungstrakt von Fischen verletzt bzw. blockiert werden können. Zu den Risiken von Nanoplastik im Trinkwasser fehlen Erkenntnisse.

 

Alle untersuchten Flüsse und Kläranlagen betroffen

Das LANUV untersuchte in Kooperation mit der Universität Bayreuth Rhein, Ruhr, Lippe, Emscher, Wupper, Sieg und Weser. Diese Analysen erfolgten in Abstimmung mit weiteren Bundesländern. Die Umweltproben wurden mit Hilfe der Spektroskopie ausgewertet. Im ersten Zwischenergebnis liegen nun Informationen für Partikelgrößen ab 0,5 Milimeter Durchmesser vor.

Einen besonders hohen Anteil an Mikroplastik ermittelte das Untersuchungsteam in der Ruhr unterhalb der Kläranlage Kaßlerfeld in Duisburg. Dort ließen sich 166 Partikel je m³ Wasser nachweisen. Die zweithöchste Konzentration wurde in der Emscher ermittelt (15,7 Partikel/m³), der niedrigste Wert an der Ruhrquelle. In Lippe, Sieg, Weser und Wupper betrugen die Funde unter 1 Partikel/m³.

Aus den Messungen der Abläufe ausgewählter Kläranlagen lässt sich folgern, dass das Abwasser eine wesentliche Eintragsquelle für Mikroplastik darstellt. An der Einleitung der Kläranlage Neuss-Ost wurde der höchste Wert von 8 Partikeln/m³ gemessen, in Dülmen 4 Partikel/m³.

Weitere Untersuchungen stehen in diesem Jahr noch an, u.a. zum Vorkommen von Mikroplastik mit einer Größe unter 0,5 Millimeter in Gewässern sowie im Abwasser von Industrie, Gewerbe und Kommunen. Auch werden das Verhalten und der Verbleib von diesen Partikeln in kommunalen Kläranlagen noch näher analysiert.

 

Vermeidung von (Mikro-) Plastik erforderlich

Die vorläufigen Ergebnisse legen nahe, dass neben weiteren Forschungen auch dringend Maßnahmen zur Vermeidung dieser Einträge an der Verunreinigungsquelle erfolgen müssen. Die EU-Vorgaben des Meeresschutzes sehen diese Aufgabe ohnehin vor. Auch für Binnengewässer galten bis 2013 EU-weite Bestimmungen, die ersatzlos aufgehoben wurden. In jüngster Zeit wurden in Deutschland Verhandlungen mit der Industrie geführt, damit der Einsatz von Mikroplastik in Produkten reduziert wird bzw. unterbleibt. Die Bundesländer unterstützen dieses Vorgehen und erhoffen sich Lösungen seitens der Bundes und der EU, wie zuletzt mit den eher umstrittenen, da kompromißhaften Vorgaben zum Umgang mit Kunststofftüten. Eine ganzheitliche Strategie zur Problematik steht auf allen Ebenen noch aus, innerhalb der Flussgebietsgemeinschaften wurde sie 2015 noch vertagt.

 

Weitere Informationen zur Untersuchung finden sich auf der Themenseite des LANUV.