Amstelbach – mehr WRRL wagen!

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Das Wassernetz NRW besuchte am 7. Juni 2016 auf Einladung seitens des NABU Aachen den Amstelbach (Flussgebiet Maas) im niederländisch-deutschen Grenzgebiet. Für das dort noch weitgehend begradigte Fließgewässer gibt es noch viel zu tun, damit es den guten Zustand erreicht. Die aktuell geplanten Maßnahmen sollten aus Sicht des ehrenamtlichen Naturschutzes noch einmal überdacht werden, weil nicht gesichert ist, dass die Arbeiten den WRRL-Zielen dienen. Der geltende Umsetzungsfahrplan bestätigt die Perspektive der Gewässeraktiven.

Viel Handlungsbedarf am Bach

An dem von Natur aus gewundenen bis mäandrierenden kiesgeprägten Tieflandbach zeigen sich noch die Spuren eines ehemaligen Mühlenbetriebes, der zur Verlegung und Begradigung des Gewässers führte. Später folgte eine partielle Verrohrung und Aufschüttung in der Aue. Totholz lässt sich im Gewässerbett nicht nachweisen. Es fehlt abschnittsweise die Beschattung. Zudem sind Anzeichen einer Eutrophierung zu erkennen. Im Umfeld findet derzeit Ackerbau und Weidehaltung statt, die teilweise bis zur Uferlinie erfolgt. Es mag daher nicht verwundern, dass sich die Situation der Fische als ein Indikator der ökologischen Gewässerqualität als schlecht darstellt. Dieser Befund ist auch für die aktuelle Gesamtbewertung des betreffenden Bachabschnittes ausschlaggebend. Doch der Amstelbach hat durchaus noch Potenziale, die es zu erhalten und zu entwickeln gilt- wie z.B. einen Mäander, der sich noch außerhalb des geplanten Strahlursprungs befindet.

Korsettierte Teilverlegung mit Risiken

Zur ökologischen Aufwertung des Baches haben die zuständigen Stellen mit den Interessensverbänden und weiteren Beteiligten der Gebietskooperation 2012 vereinbart, dass der Bach wieder in das Taltiefste gelegt wird und wieder einen naturnahen Verlauf erhält. Eine Maßnahme, die im Umsetzungsfahrplan als machbar dokumentiert ist. In der aktuellen Bewirtschaftungsplanung sucht man dieses Vorhaben vergeblich. Die aktuellen Planungen vor Ort sehen zwar eine Neutrassierung vor, jedoch weicht diese von dem ursprünglichen Konzept deutlich ab. Insbesondere folgende Aspekte bedürfen einer erneuten Überprüfung:

  • Die Verlegung des Baches in das Taltiefste erfolgt nicht – wie im Umsetzungsplan angedacht - bereits im Bereich des Strahlursprungs. Bachabwärts muss daher eine Sohlgleite angelegt werden, um den Höhenunterschied auszugleichen. Es stellt sich die Frage, ob sich mit ihr eine hinreichende Durchgängigkeit herstellen lässt.
  • Am Beginn der Neutrassierung wird eine enge Schleife angelegt, die das Gewässer „abknickt“. Ggf. könnte diese Stelle bei Flutwellen kritisch für die angrenzende Infrastruktur bzw. Fläche sein, zumal der Bach wegen der bereits vorliegenden Eingriffe stark schwankende Pegel aufweist.
  • Der Entwicklungskorridor wird nicht umfassend genutzt. Der Amstelbach erhält mit der beabsichtigten Neutrassierung nur ein schwach gewundenes Profil. Für eine erforderliche deutliche ökologische Verbesserung dürfte diese Änderung nicht ausreichen.
  • Der Bach wird im weiteren Verlauf in zwei Stränge geteilt. Dadurch wird sich auch die Wasserführung im Mäander reduzieren, der über einen neuen Durchstich am Amstelbach angeschlossen bleibt.
  • Ein Teil des Mäanders wird übererdet.
  • Durch die Vorprofilierung des zweiten Stranges wird nicht ausgeschlossen, dass eine geschützte Eiche sowie ein Feuchtbiotop geschädigt wird.

 

WRRL-konforme Variante gemeinsam unterstützen

Die Abweichungen bei den ursprünglichen Planungen dürften auch damit zusammen hängen, dass es noch an Flächen fehlt. Der derzeitige Ansatz kommt zwar den Anliegern entgegen, weil er auf ihren Flächen weitgehend keine Maßnahmen vorsieht. Aus Sicht des ehrenamtlichen Naturschutzes stellt dieses Konzept noch keine Lösung dar, die zugleich der WRRL-Umsetzung nachweislich und wirksam dient. Es besteht mit der Übererdung von Teilen des Mäanders das Risiko einer Verschlechterung, die gemäß den EU-Vorgaben generell zu verhindern ist. Die Überprüfung und Anpassung der aktuellen Planungen wäre aus Sicht des ehrenamtlichen Gewässerschutzes daher ein Gewinn. Insbesondere, wenn zu den oben genannten Herausforderungen sich Lösungen im Sinne des Gewässer- und des Naturschutzes finden lassen. Es besteht zugleich die Perspektive, die Renaturierung kosteneffizient zu verwirklichen. Insofern bleibt es weiterhin wichtig, zum Vorhaben im Dialog zu bleiben und die Akzeptanz bei den Grundstückseigentümern zu fördern, so dass mehr Fläche für den Bach zur Verfügung steht. In diesem Zusammenhang bedarf es neben geeigneten Anreizen auch möglicher Alternativen (z.B. Flächentausch). Der ehrenamtliche Gewässerschutz ist vor Ort für den weiteren Austausch bereit und wird sich auch weiterhin zur WRRL-Umsetzung am Amstelbach konstruktiv und grenzübergreifend einbringen.