Lehren nach der Sturzflut – WRRL umsetzen!

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Was jüngst in Bayern geschah, bleibt auch in NRW weiterhin möglich: Ein bereits reichlich Hochwasser führender Bach schwoll innerhalb von 15 Minuten von 2,50 m auf fast 5 Meter an. Eine Vorwarnung blieb aus und hätte auch nur bedingt helfen können, weil die schlammige Flutwelle zu schnell in den Ort herein brach. Selbst technische Maßnahmen wie Deiche, Schutzwände oder Rückhaltebecken hätten keinen 100 Prozentigen Schutz vor diesem Extremereignis geboten, wenn man überhaupt hinsichtlich dieses Risikos geplant hätte. Das Management der Kommunen konzentriert sich weiterhin auf Hochwasserfälle, die einmal in 100 Jahren eintreffen. Ergo wird in Gebieten weiter gebaut, wo ein Überflutungsereignis seltener auftritt oder - wie bezüglich der Sturzfluten - unzureichend erfasst ist.  Alternative Strategien bestehen seit mehr als 15 Jahren und könnten die Ursachen von diesen Gefahren nachhaltig angehen. Sie werden aber kaum umgesetzt.

 

Anforderungen der EU noch nicht erfüllt

Die EU-Kommission hatte bereits im letzten Jahr beanstandet, dass es in Deutschland noch kein Risikomanagement gegen Sturzfluten gibt oder geplant ist. Die EU-Richtlinie zur Minderung des Hochwasserrisikos bietet hierfür seit 2007 Handlungsspielräume. Auch die ganzheitliche Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), die seit 2000 EU-weit den natürlichen Wasserrückhalt befördert und zur Entschleunigung von Flutwellen beitragen kann, wurde vor Ort bisher nur schleppend umgesetzt. Gemäß ihrer Vorgaben hätten  bereits bis 2012 alle erforderlichen Maßnahmen umgesetzt werden müssen, um fristgerecht bis 2015 den geforderten guten bzw. naturnahen Zustand von Bächen und Flüssen zu erreichen, Auen zu entwickeln und gewässerverträgliche Nutzungen im Einzugsgebiet der Haupt- und Nebenläufe sicherzustellen. In NRW ließen sich bisher an 70% der berücksichtigen Gewässerstrecke nicht mehr Raum für die Gewässer gewinnen, weil Grundstückseigentümer keine Flächen zur Verfügung stellen oder die Nutzung dieser Bereiche nicht entsprechend anpassen. Damit einhergehend bleiben mehr als 90% des gemeldeten Fließgewässernetzes in NRW in einem naturfernen, begradigten Zustand und damit auch anfälliger gegenüber schadensreichen Hochwasser- oder Sturzflutereignissen. Die kleinen Bäche mit einem Einzugsgebiet von weniger als 10 km² sind noch nicht einmal bei den behördlichen Gewässerschutz-Maßnahmen berücksichtigt.

Handlungsbedarf auf kommunaler Ebene

Statt die Versäumnisse bei der Umsetzung der WRRL anzugehen und die Maßnahmen zur ökologischen Sanierung von Gewässern konsequenter und zügiger zu erledigen, planen NRW-Kommunen selbst in jüngster Zeit die Bebauung von Gebieten, für die ein mögliches Hochwasser- und Sturzflutrisiko nicht ausgeschlossen ist. Beispielhaft seien hier die Städte Attendorn, Bad Salzuflen und Wuppertal genannt, wo trotz gewässerverträglicher Alternativen Auen verbaut, Bäche verrohrt oder übererdet werden. Die weitere Intensivierung der Landwirtschaft trägt zur Verschärfung der Problematik bei, wenn etwa der Maisanbau an Hängen und bis nahe an die Gewässerufer erfolgt und keine umfassende Kontrolle stattfindet. Die Folge: Das Wasser und die Böden können bei Starkregen leichter abgeschwemmt werden und tragen zur Beschleunigung bzw. Verschlammung der Gewässer bei. Wirksame Pufferzonen haben in den Ackerbaugebieten zwischen Rur und Weser weiterhin Seltenheitswert, weil sie deutlich unter 5 Meter breit sind. Aus Sicht des Gewässerschutzes müssten diese Randstreifen mehr als 10 Meter messen, um Einträge an Feinsedimenten abzuhalten.

Anregungen der Naturschutzverbände

Die Naturschutzverbände BUND, NABU und LNU  haben bereits im vergangenen Jahr gefordert, dass bis 2018 deutlich mehr Raum für die Flüsse und Auen gewonnen wird und gewässerökologisch verträgliche Nutzungen zum Zuge kommen. Diese Arbeit sollten v.a. Kommunen, Kreise, Landwirtschaftskammer und Wasserverbände als eine Schwerpunktaufgabe verfolgen. Für die WRRL- und Risikomanagement-Umsetzung bedarf es eines gemeinsamen Ansatzes für die einzelnen örtlichen Flussgebiete, wie etwa die Erstellung von Umsetzungsfahrplänen oder Gewässerkonzepten, die für beide Anliegen alle relevanten Maßnahmen zusammen führen und im Sinne der WRRL-Ziele aufeinander abstimmen. Auch für kleinere Bäche sind zur Verbesserung des natürlichen Wasserrückhalts Renaturierungsmaßnahmen aufzunehmen und umzusetzen. Flankierend bedarf es eines Platzbeschaffungsprogramms. Bei allen konzeptionellen Arbeiten sollte der ehrenamtliche Gewässerschutz die Möglichkeit erhalten, sich aktiv einbringen zu können.