Tagungsbericht: Der Biber und die WRRL

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Der Biber ist dabei, sich wieder in und an den NRW-Gewässern anzusiedeln. Lebenszeichen finden sich nicht nur im Einzugsgebiet der Rur, sondern mittlerweile auch an Erft, Lippe und Rhein. Doch was bedeutet dieses Ereignis für die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie? Mit dieser Frage befassten sich rund 100 Experten und Interessierte im Rahmen einer internationalen Tagung in Bonn, zu der die Biologische Station im Kreis Düren für den 16. bis 18. März 2016 einlud.


Georg Gellert nahm als Vertreter der BUND-Arbeitsgruppe Biber und des BUND-Landesarbeitskreises Wasser an der Veranstaltung teil. Seine Eindrücke von der Tagung sind in dem folgenden Beitrag für die Aktiven und Interessierten des Wassernetzes NRW zusammen gefasst:

Biber in der modernen Welt: Chancen und Konflikte

Der Biber ist seit 54 Millionen Jahre auf der Erde lebend. Obwohl sich bereits vor 7 Millionen Jahre durch die kontinentale Trennung eine Europäische und Canadische Biberart entwickeln konnten, bleiben sie sich auch aktuell sehr ähnlich. Der Einfluss des Bibers liegt lange vor den Eiszeiten. In Europa wurde der Biber im 18. Jahrhundert ausgerottet. Er war in ganz Europa ursprünglich beheimatet. Er hat alle Landschaftstypen besiedelt, von der Arktis bis zum Mittelmeer. Biber können in jedem Gewässer leben. Interessant sind die Staulängen je nach Gefälle. Bei 0,26 % sind es 50 m, bei 0,05 % sind es 200 m und bei 0,01% sind es 910 m.

Untersuchung zur Rolle des Bibers innerhalb dezentraler und natürlicher Hochwasserrückhaltekonzepte

Der Biber dient in der Aue als „Motor“ für die Artenvielfalt. Auen und Biber gehören aus diesem Grund zusammen. Auch in Trockenjahren gibt es mit Bibern 61 % mehr Wasserfläche als ohne Biber. Beispielhaft seien hier die Untersuchungen auf Elk Island (Kanada) genannt.
An der Isar haben die Aktivitäten des Bibers dazu beigetragen, dass sich dort der Grundwasserspiegel im Vergleich zur Dorfen (Nebenfluss der Isar und ohne Biber) um 0,5 m anhob. Nach der Entfernung der Biberdämme wurde der alte Grundwasserstand erst nach 13 Monaten wieder erreicht.

Können Biber Hochwasserwirkungen vermindern? Durch die Gewässer-Veränderungen des Bibers herrscht eine 30 % höhere Verdunstungsrate als gegen dem Ausgangszustand. Diese Wassermenge fehlt dann bei Überschwemmungen. Der Grundwasseranstieg versorgt die Bäume besser und führt auch zu einer höheren Verdunstung. Der Hochwasserscheitel wird durch die Biberaktivitäten gekappt und bis zu einem Tag verzögert. Die Arbeiten des Bibers können die Abflussmengen bei Hochwassersituationen um bis zu einem Drittel reduzieren. Gegen ein extremes Hochwasserereignis, dass nur einmal in 100 Jahren (HQ100) oder seltener auftritt, kann er allerdings auch nichts mehr ausrichten.
Ein nachhaltiges Bibermanagement kommt zumal auch dem Feuchtgebietsmanagement zu Gute.

Bibereffekte in quellnahen Bächen. Diskontinuum in Raum und Zeit

Biberteiche erfahren im Laufe der Zeit eine Entwicklung. Sie sind ein eigenständiges Landschaftselement. Durch Biber entsteht ein typischer Wechsel von schnell und langsam fließenden Abschnitten. Weitere gewässerökologisch relevante Merkmale stellen sich mit ihm ein: Dämme, Totholz, Besonnung, offene Korridore und Substratdiversität.

Im Hürtgenwald sind 112 von 149 Teichen aktiv vom Biber gestaltet. Im Durchschnitt gibt es alle 100 m ein Biberdamm. 76 Teiche sind mehr als 3 Jahre alt, 36 Teiche weniger oder gleich 3 Jahre und 26 Teiche sind aufgegeben. Das mittlere Koloniealter in Litauen beträgt 2,61 Jahre.
Zumindest für die Gewässerschützer stellte sich im Zusammenhang mit den Biberbauen eine wichtige Frage: Sind die Teiche durchgängig für die Fische? Im Rahmen der Tagung gab es hierzu eine bemerkenswerte Antwort: In 80 % der untersuchten Fälle war die Aktivität des Bibers günstig für die Fischfauna.

Leitbildorientierte Umsetzung der WRRL !

Wie mit dem Biber in der WRRL-Umsetzung weiter zu verfahren sei, wurde konstruktiv von Seiten der Bezirksregierung Arnsberg beantwortet. So lautete die zentrale Botschaft eines Mitarbeiters: Wir brauchen dringend ein wirksames Flächenmanagement. Der Biber ist schließlich in einem Umfeld von bis zu 20 und mehr Metern vom Gewässer entfernt aktiv.

Allerdings wurde bei der Tagung deutlich, dass nicht jede Wasserbehörde für die Rückkehr des Bibers eine konsequente Willkommenskultur praktizieren würde. Denn auf die Frage hin, ob für die Bereitstellung der erforderlichen Flächen am Gewässer im Notfall auch die Enteignung ein wirksames Instrument sein könnte, folgte seitens der Behörde ein nein.

Die Teilnehmenden hielten es für hilfreich, wenn ein Konzept zur Integration des Bibers in die WRRL-Umsetzung erstellt würde. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Impuls für das aktuelle Flussgebietsmanagement aufgegriffen wird.

Die Tagung wurde durch eine Exkursion an die Weiße Wehe und weitere Gewässer bereichert.

Weitere Informationen

Weitere Informationen sind auf der Projektseite „Rur und Kall“ der Biostation des Kreises Düren zu finden: http://rurundkall.de/