Problematik Abwasserpilz – wie geht es weiter?

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In den Wintermonaten fiel in deutlich mehr kleineren NRW-Fließgewässern der sogenannte Abwasserpilz auf. Es handelt sich bei diesen Organismen allerdings nicht um einen Pilz, sondern um kälteliebende Kolonien von Scheidebakterien (Sphaerotilus natans), die insbesondere in stark mit Nährstoffen verunreinigten Gewässern sich vermehren. Für die Gewässerökologie stellt ihr massenhaftes Auftreten ein deutliches Problem dar, weil es u.a. zur Sauerstoffverarmung und Faulschlammbildung im Bach führt. Um die Belastung anzugehen, bedarf es mehr als abgesicherte Biogas- und Silageanlagen. Das Wassernetz hatte zuletzt im Sommer 2015, mit seiner Stellungnahme zum Flussgebietsmanagement, Anregungen hierfür zusammen getragen. Eine Antwort der zuständigen Behörden steht noch aus.

Ursachen

Eine wesentliche Ursache der Gewässer-Belastung stellen Einleitungen, Abschwemmungen oder anderweitige Einträge von Nährstoff-reichen Flüssigkeiten oder Substanzen aus der Landwirtschaft dar. Im Fokus stehen Anlagen, in denen Gülle, Silage bzw. Gärreste unsachgemäß gelagert oder umgeschlagen werden, so dass es von dort aus zu Verunreinigungen kommen kann (z.B. Ablaufen von Silagesickersäften in einen Bach). Nicht zu vergessen sind aber auch weitere Eintragspfade wie etwa die Einleitungen aus Drainagen oder das zu nahe Ackern an Gewässern. Aktive des Wassernetzes dokumentieren im Wassernetz-Wiki bereits seit mehreren Jahren Fälle, wo auf dem Land gehandelt werden muss. Die Gewässerschützer*innen des Netzwerkes mahnten zuletzt in ihrer Stellungnahme zur Fortführung des Flussgebietsmanagements an, dass für die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) deutlich mehr auch zum Schutz der Kleingewässer zu tun ist.

Handlungsbedarf auf allen Ebenen

Der Bund ist weiterhin gefordert, die Jauche-Gülle-Silagen (JGS)-Anlagen-Verordnung im Sinne des Gewässerschutzes zu überarbeiten. Auch die Ausgestaltung der Biogasanlagen-Förderung gehört auf den Prüfstand und bedarf einer weiteren ökologischen Anpassung des EEG. Auf Landesebene sind die Anforderungen bzgl. des Umgangs mit Silage, Gärreste und Gülle im Umfeld von Gewässern strikter zu fassen. Hierzu zählt auch die Einrichtung von mindestens 10 Meter breiten Gewässerrandstreifen, in denen die Anwendung von Gülle und Gärresten unterbleiben soll. Bestehende Güllelager und Silageplätze sind dort umzurüsten, sofern sie nicht verlegt werden können, die Errichtung neuer Anlagen zu unterlassen. Selbst die überarbeitungsbedürftige Bundesdüngeverordnung bietet in ihrer jetzigen Form für NRW etliche Spielräume, um mehr für Nutzer vorzugeben. Auch stehen weiterhin Vorgaben aus, um mehr Licht in der Lage von Drainagen und weitere Ableitungsrohre zu erhalten. Auf dieser Grundlage können dann auch nachteiligen Folgen effektiver angegangen werden. Auf kommunaler Ebene sind mehr Kontrollen und mehr Aufmerksamkeit bei Genehmigungsverfahren gefragt. Die Landwirtschaftskammer ist gefordert, erfolgsorientiert zu beraten und die Qualität der Beratungs- und Monitoringmaßnahmen auch gegenüber der Öffentlichkeit nachweislich darzulegen.

Antwort steht noch aus

Das Wassernetz NRW wartet noch die Antwort auf seine Stellungnahme zum Flussgebietsmanagement ab, die die zuständigen Behörden bereits im Sommer 2015 erhielten. Auch sammeln die Mitglieder des Netzwerkes weitere Fälle.

Zusätzlich haben NABU-Aktive zusammen mit dem Fischereiverband NRW auf die Problematik öffentlich hingewiesen. Weitere Informationen zur aktuellen Initiative des NABU NRW finden sich unter der folgenden Internetadresse: https://nrw.nabu.de/news/2016/20340.html