Durchgängigkeit: Hoffnung für die Wanderfische?

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Aus Sicht der Gewässeraktiven von BUND, NABU und LNU NRW muss die WRRL-Umsetzung in NRW sicherstellem, dass bis 2021 Flüsse und Bäche wieder ökologisch durchgängig sind. Dieses soll bis dahin auch für die Wanderfische Lachs und Aal erreicht sein. Bisher gibt es für sie noch zu viele unpassierbare und tödliche Hindernisse in den Gewässern des Landes.

Die Naturschutzverbände haben 2014 anlässlich der Beratungen zum neuen Flussgebietsmanagement vorgetragen, dass in NRW deutlich mehr als 15% der Fließgewässerstrecke den Ansprüchen wandernder Arten genügen müsse. Weitere Anregungen und Fragen zur Ausweisung von Lachs- und Aalgewässern fügten sie ihrer Stellungnahme bei. Zwischenzeitlich antwortete das Umweltministerium.

Mit der Rückmeldung des Landes wurde bestätigt, dass die Bewirtschaftungsziele der WRRL an allen Gewässern gelten. Daher werden auch an kleineren Bächen Maßnahmen zur Durchgängigkeit einschließlich des Rückbaus von Querbauwerken folgen. Für viele angefragte oder angeregte Aspekte sind auch im 15. Jahr der WRRL-Umsetzung die erfordlichen Arbeiten noch nicht abgeschlossen, um erklären zu können, warum dem Fisch auf vielen Strecken das sichere Weiterwandern verwehrt wird, oder wo welche Maßnahmen zum Schutz der Wassertiere erforderlich sind. Hier seien nur einige Beispiele genannt: Derzeit wird untersucht, an welchen Orten noch Querbauwerke bestehen. Pilotprojekte dauern an, um die Fischverträglichkeit bzw. die Wirtschaftlichkeit von umgerüsteten Wasserkraftanlagen zu prüfen. Nur dort, wo eine erforderliche Umrüstung den Gewinn der Energierzeugung zu sehr schmälert, würden Wasserrechte aufgekauft und die betreffende Anlage zurück gebaut. Hinsichtlich des Flusskraftwerks Unkelmühle ist diese Schwelle noch nicht erreicht, aber die Kosten werden als hoch bewertet. Bereits 5 Millionen EUR kosteten die Maßnahmen für mehr Fischdurchgängigkeit und -Schutz. Die Ansprüche von bestimmten Fischarten, die nur innerhalb von Binnengewässern wandern, müssen weiter erforscht werden. In Abhängigkeit von den Ergebnissen dieser Vorhaben wird sich entscheiden, ob die Schutzkulisse (Zielartengewässer) für Lachs und Aal 2021 ausgeweitet wird. Zu bestimmten Fragestellungen fehlen auch weiterhin Untersuchungen wie etwa zur Berechnung der Umweltkosten von Wasserkraftanlagen oder wie sich die Klimafolgen auf die Nutzung dieser Anlagen auswirkt. Dabei ist die Klärung dieser Fragen auch für die weitere Entwicklung des Gewässers wichtig: Denn je mehr Extremereignisse sich an einem Fluss zukünftig zutragen, desto mehr Schäden oder Ausfälle können sich an einer Anlage ergeben und desto weniger wirtschaftlich kann damit einhergehend die Energiegewinnung an dem betreffenden Fluss sein. Dort könnte es sich anbieten, der Natur wieder mehr Raum zu geben. Auch die Berücksichtigung weiterer Aspekte, wie Barrieren durch Sauerstoff-arme, verunreinigte oder überwärmte Abschnitte sind noch nicht näher in die Betrachtungen einbezogen worden, obwohl sie an Stauanlagen und an weiteren Abschnitten die Probleme für Lachs und Co verschärfen. Zu einigen Aspekten wie den Kosten-Nutzen-Berechnungen liegen zwar Ergebnisse vor, sie sind aber nicht en Detail veröffentlicht. Aus diesem Grund können ehrenamtliche Gewässerschützer*innen nicht nachprüfen, ob die geringe Zahl an ausgewiesenen Zielartengewässern berechtigt ist und inwiefern diese Kulisse zum Schutz der gefährdeten Wanderfische tatsächlich ausreicht. Aus Sicht des Landes engen zumal alte Wasserrechte den Gestaltungsspielraum für mehr Durchgängigkeit ein. Seitens der Wasserechtler bestehen aber auch gegenläufige Einschätzungen.

Für Flüsse wie die Ruhr, weite Teile der Agger und die Lippe bleibt es bis auf weiteres ungewiss, ob dort einmal alle wandernden Meeresfische hineinwandern dürfen. Wer es schafft, aufzusteigen, dem wird kein sicherer Abstieg garantiert. Ein Individuenschutz ist in NRW vorerst nicht vorgesehen.