[Interview] Gewässerschutz bei der Niederschlagswasserbeseitigung

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Fragen zum Umgang mit Niederschlagswasser/Mischwasser im Kontext der WRRL. Interview mit Jaqueline Rombach von der Bezirksregierung Düsseldorf.

Frau Rombach, was sind die vorrangigen Belastungen im Regierungsbezirk Düsseldorf, die durch Niederschlagswasser/Mischwasser hervorgerufen werden?

"Es sind vor allem die Schwermetalle, wie Zink und Kupfer, die durch Misch- und Niederschlagswassereinleitungen in unsere Gewässer gelangen und sehr viele unserer Wasserkörper im Dienstbezirk betreffen. Allerdings ist dieser Belastungseintrag kein punktuelles Problem sondern flächendeckend in NRW festzustellen."

Welcher Maßnahmen/Vorgaben bedarf es denn aus Ihrer Sicht, um etwaige Belastungen zu verringern?

"Damit Belastungen wirkungsvoll und an der richtigen Stelle verringert werden können, müssen als erstes die Ursachen betrachtet werden. Zink und Kupfer kommen im Bau- und Verkehrsbereich sowie in der Trinkwasserversorgung zum Einsatz. Im Baubereich ist es eine Vielzahl verzinkter, im Außenbereich eingesetzter Produkte, wie Regenrinnen, Fallrohre, Kamine, Dachabdichtungen, Fassadenelemente und Verkleidungen. Wichtigste Emissionsquelle für Kupfer ist der Kfz-Bereich. Da wären zu nennen Bremsbeläge, Reifen und Auswuchtgewichte von Kraftfahrzeugen. Bei der Trinkwasserversorgung spielen die Materialien des Leitungsnetzes, Hausinstallationen, Rohrmaterialien und –verbindungen sicherlich eine große Rolle.

Diese Stoffe werden über die Niederschläge in die Kanalisation eingeleitet und gelangen dann über die Abschläge im Mischsystem und die Einleitungen des Regenwasserkanals ins Gewässer. Deshalb wird das belastete Niederschlagswasser auch vor Einleitung behandelt. Bei den Regenwassereinleitungen gibt es noch Handlungsbedarf. Hier gibt es eine Vielzahl von Einleitungen, bei denen das Regenwasser noch nicht über Regenklärbecken oder Bodenfilter behandelt wird. Sehr wirkungsvoll sind auch Filteranlagen, die dezentral für Einzelgebäude und stark verschmutze Straßen zum Einsatz kommen. Aus diesem Grund wurde eine Vielzahl dieser noch notwendigen Maßnahmen auch in das Maßnahmenprogramm zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie aufgenommen.

Die Kläranlagen sind als Eintragungsquelle für diese Stoffe von untergeordneter Bedeutung, denn bei der Abwasserreinigung werden die Schwermetalle zu einem großen Teil aus dem Abwasser entfernt und im Klärschlamm angereichert.

Allein die Behandlung durch abwassertechnische Maßnahmen wird jedoch nicht zu einer dauerhaften Reduzierung der Einträge führen. Hier muss auch an der Quelle angesetzt werden, z.B. Einsatz von Ersatzstoffen bzw. beschichteten Materialien im Baubereich und der Einsatz von Ersatzstoffen für Kupfer in Bremsbelägen. Darüber hinaus dürfen die Einträge aus der Landwirtschaft nicht außen vor bleiben, hier sind sicherlich Erosionsminderungen ein guter Ansatz."

Können eigentlich z.B. auch Maßnahmen zur Verbesserung des natürlichen Wasserrückhalts über Niederschlagswasserbeseitigungskonzepte (NBK) festgelegt werden, wenn diese zu einer Verringerung der Belastungen führen?

"Der natürliche Wasserrückhalt kommt dort zum Tragen, wo das Niederschlagswasser nicht über eine Kanalisation beschleunigt einem Oberflächengewässer zugeführt wird. Wirksamste Alternative ist, auf eine Versiegelung des Bodens zu verzichten oder das auf befestigten Flächen anfallende Niederschlagswasser vor Ort zu versickern. Im NBK ist darzustellen, welche Gebiete durch ortsnahe Versickerung des Niederschlagwassers entwässert werden sollen."

Welche Einleitungen werden in den im Abwasserbeseitigungskonzept (ABK) bzw. NBK berücksichtigt (z.B. auch Drainage-Einträge)?

"Grundsätzlich enthält das Abwasserbeseitigungskonzept eine Übersicht über die notwendigen abwassertechnischen Maßnahmen, die innerhalb von sechs Jahren begonnen bzw. umgesetzt werden. Darüber hinaus werden die geschätzten Kosten und die zeitliche Abfolge dargestellt. Diese Maßnahmen betreffen sowohl das Kanalisationsnetz (z.B. Sanierungen, Neubau etc.) als auch die Kläranlage. Darüber hinaus werden nicht nur Bau-, Sanierungs- und Wartungstätigkeiten angegeben sondern auch konzeptionelle Maßnahmen. Wie es das Wort bereits andeutet, werden nur Abwassermaßnahmen dargestellt. Beim Drainagewasser handelt es sich dagegen nicht um Abwasser und ist somit auch nicht Gegenstand des Abwasserbeseitigungskonzeptes."

Für welche Bereiche gelten die ABK?

"Die Gemeinden haben die Verpflichtung, das auf ihrem Gebiet anfallende Abwasser zu beseitigen, dies betrifft somit sowohl den Innen- als auch den Außenbereich. Die dafür notwendigen Anlagen sind nach dem Stand der Technik zu errichten und zu betreiben. Ist dies nicht der Fall, müssen sie an den Stand der Technik angepasst werden. Diese Maßnahmen finden sich im ABK der Kommune wieder, aber eben nur solche für die die Gemeinde auch zuständig ist. Da die Untere Wasserbehörde die sogenannte Abwasserbeseitigungspflicht außerhalb im Zusammenhang bebauter Ortsteile von der Gemeinde auf den Nutzungsberechtigten eines Grundstücks übertragen kann, wird dort dann die Abwasserbeseitigung dauerhaft über sog. Kleinkläranlagen betrieben. Die Bereiche, in denen die Abwasserbeseitigung in dieser Weise durchgeführt wird, sind im ABK zu kennzeichnen. Im Übrigen regelt das Landeswassergesetz, dass nur Gemeinden und Wasserverbände ein ABK aufstellen müssen."

Welche Rolle spielt denn eigentlich das abgeleitete Niederschlagswasser im gesamten Abwasseraufkommen?

"In Bezug auf die Abwassermenge stellen natürlich erstmal die kommunalen Kläranlagen mit etwa 50 % den größten Eintragungspfad dar. Demgegenüber stehen Einleitungen aus Kleinkläranlagen, Regen- und Mischwasserentlastungen und industriellen Direkteinleitungen gegenüber. Über die kommunalen Kläranlagen werden auch die größten Nährstofffrachten (Phosphor/Stickstoff) eingeleitet. In Bezug auf die Schwermetalle (Zink/Kupfer) dominieren dagegen die Eintragungspfade Regenwasser aus Trennsystemen und Regenabflüsse von überwiegend außerörtlichen Straßen. Zwar erfolgen die Belastungen aus diesen Einleitungen nur zeitweilig, halt bei einem Regenereignis, übertreffen dann aber die Belastungen aus kommunalen Kläranlagen um ein Mehrfaches. Insofern ist bei dem abgeleiteten Niederschlagswasser auch ein hoher Handlungsbedarf notwendig, um die Frachteinträge zu reduzieren."

An wen können sich Interessierte wenden, wenn Sie über das ABK und NBK des Wohnortes mehr erfahren möchten?

"Interessierte sollten sich in erster Linie an ihre Gemeinde wenden. Darüber hinaus stellen bereits heute immer mehr Gemeinden ihre ABK online ins Internet. Das Land selbst hat ebenfalls ein Fachinformationssystem (www.elwasweb.nrw.de), auf das interessierte Bürger Zugriff haben, um sich in Bezug auf Abwassermaßnahmen ihrer Gemeinde zu informieren."

Welche Akteure sind bei der Umsetzung vorrangig gefragt? Kann auch jeder Einzelne etwas tun?

"In Bezug auf Maßnahmen im Misch- und Niederschlagswasserbereich sind die Hauptakteure die Gemeinden und im Bereich von Verbandsgebieten, die Wasserverbände. Natürlich kann auch der Einzelne einen Beitrag leisten. Dafür komme ich auf die Eingangsfrage zurück, nämlich mit welchen vorrangigen Belastungen wir es zu tun haben? Wenn schon der einzelne „Häuslebauer“ Materialien verwendet, die keine Zink- und Kupferbestandteile aufweisen, dann wird bereits eine von vielen Ursachen abgeschaltet."